Hamburg - Sachsen 1804

Die Postverhältnisse zwischen Thurn und Taxis und Preussen waren von jeher von Konkurrenz (z.B. in den Hansestädten) und Auseinandersetzungen (wegen der Entschädigungsländer) geprägt.
Trotzdem erreichte Taxis in dem Postvertrag vom 1. November 1803 (Artikel 1) den geschlossenen Transit seiner Korrespondenzen durch die preussischen Lande. In § 2 werden die einzelnen Hauptrouten des geschlossenen Transites genau aufgeführt, u.a. die von Hamburg und Bremen über Hildesheim und Halberstadt nach Leipzig. Im Regest 943 bei Dalimeier (Martin Dallmeier, Quellen zur Geschichte des europäischen Postwesens 1501-1806, Bd. II, S. 655 ff) nicht genannt, spielt diese Route hier die entscheidende Rolle. Die Briefe von Hamburg nach Leipzig, dem Haupteingangs- und Verteilungspostamt für Sachsen, konnten vollständig frankiert ablaufen. Der preuss. Transit wurde per Meile und Gewicht des geschlossenen Felleisens bezahlt und erscheint daher auf den Briefen nicht. Ab Mitte 1804 verweigerte Preussen diesen geschlossenen Transit zu den kleineren kursächsischen Ämtern u.a. Merseburg, weil sie nicht ausdrücklich in dem Vertragswerk genannt waren und entnahm die Briefe aus den geschlossenen Paketen.

Aus Hamburg nach Merseburg in Kursachsen 1804. In beiden Fällen ist der Vermerk "franco tout" gestrichen und durch fr. H(ildes)heim. ersetzt. Preussen erhob für seinen, nun offenen, Transit 3 ggr.

Hier wird deutlich, wie gehässig sich beide Parteien gegenüberstanden. Kaum dass der eine sich einen Vorteil aus dem kurzgefassten Vertrag verschaffte, ging der andere Teil schon daran, nach einer anderen Lücke zu suchen.
Zu den Streitigkeiten des Hamburg - Leipzig Kurses sind uns nun aus dem Jahr 1804 zwei Briefe überliefert, die anschaulich die Auseinandersetzung dokumentieren. Abb. 1und 2
Preussen liess in seinem Grenzpostamt Hildesheim die Briefpakete vertragswidrig öffnen und alle Briefe nach solchen sächsischen Ortschaften entnehmen, die angeblich nicht ausdrücklich in dem Vertrag genannt waren.
Bei diesen Briefen wurde die Angabe "franco tout" in "fr. H.(ildes)heim geändert und eine Transitgebühr von 3 ggr. erhoben, obwohl die rückseitige Frankatur von 5 Sh. eindeutig ausreichte.
Taxis protestierte zwar gegen dieses Verfahren heftig, konnte aber erst nach zähen Verhandlungen Abhilfe schaffen. Solche und ähnliche Vorkommnisse sind es, die gerade im Postverkehr der altdeutschen Staaten Schwierigkeiten bei der Briefinterpretation bereiten.