Vorphila und Postgeschichte neue Prüfgebiete

Der Bund phil. Prüfer hat sich auf seiner Hauptversammlung im Juni 1994 in Frankfurt zu einem weitreichenden Schritt entschlossen, mit dem er seine Flexibilität unter Beweis gestellt hat, auf neue Entwicklungen zu reagieren. Es wurde der Beschluss gefasst, nunmehr auch vorphilatelistische und postgeschichtliche Prüfgebiete zuzulassen. Die enorme Bedeutung, die dieser Bereich der Philatelie gewonnen hat, durfte schon deshalb nicht unberücksichtigt bleiben, weil bei Sammlern, Händlern und Auktionatoren über die Beschreibung und Bedeutung solcher Belege noch vielfach grosse Unsicherheit herrscht. Deshalb wurden mit den neuen Prüfgebieten Anlaufstellen geschaffen, die für alle Marktteilnehmer notwendige und gewünschte Hilfestellung geben sollen.
Vier Prüfgebiete wurden besetzt:
Vier Prüfgebiete wurden besetzt: 
-Vorphila Thurn und Taxis: Ludwig Gambert, Am See 8. D-97762 Hammelburg-Obererthal
- Vorphila Bayern: Friedrich Pietz, Neptunweg 14, D-90471 Nürnberg
- Postgeschichte: 19. Jh. Nord-Südtransite; Transitpost nach, aus und durch die süddeutschen Staaten und Österreich: Dr. Joachim Heibig, Uranusweg 4, D-85609 Aschheim, Tel. 089/9045987
-Postgeschichte Nord-, Ost- und Westtransite sowie Transatlantikpost: James Van der Linden, B.P. l, B-4837 Baelen, Tel. 0032 87 76 44 05
Die Prüfer dieser Gebiete arbeiten nach den Richtlinien des BPP und einer internen Prüfordnung. Die Prüfgebühren richten sich ebenfalls nach den Richtlinien des BPP.

Die Prüfung umfasst:
1. Die klassischen Prüfkriterien bzgl. Stempel von echt, falsch und Qualität. Dieser Bereich beschreibt aber die Absichten der neuen Prüfgebiete nur unzureichend, deshalb erstreckt sich die Prüfung
2. auf die Klärung der jeweiligen postgeschichtlichen Daten und Zusammenhänge, soweit sie heute bekannt sind. Es handelt sich dabei weniger um eine Prüfung, sondern eher um eine Dienstleistung. Sie umfasst:
a. Die Zuordnung der Belege zu Postverträgen,
b. Interpretation der Gebührenverhältnisse und Beförderungswege
c. Die Bestimmung der Transitstempel nach den Standardwerken.
Wichtig: Die postgeschichtlichen Prüfgebiete Dr. Heibig und V.d. Linden sind zeitlich begrenzt durch die Gründung des Weltpostvereins, also 1875. Sie umfassen Vorphila und markenlose Briefe bis 1875. Markenbriefe werden nur dann postgeschichtlich erläutert und attestiert, wenn sie von einem Markenprüfer signiert, oder ihnen ein Attest eines Markenprüfers beiliegt.
Für diese Prüfgebiete wurden anerkannte Fachleute ausgesucht, die sich durch Veröffentlichungen und Ausstellungen einen Namen gemacht haben. Dennoch versteht sich von selbst, was jeder an der Postgeschichte Interessierte weiss, dass die postgeschichtliche Forschung erst einige Teilgebiete ausreichend erarbeitet hat. Deshalb müssen auch diese Prüfer gelegentlich passen und können nicht weiterhelfen, weil die Postgeschichte des 19. Jahrhunderts zu komplex und manchmal sehr schwierig ist.
Mit diesem Schritt des BPP ist ein wesentlicher Fortschritt erreicht, der sicherlich dem postgeschichtlichen Sammeln eine wesentliche Stütze und weiteren Aufschwung geben wird.