Frühdaten und Verwendungszeiten der Freimarken ab 1907 (XIX)

Die Landesausstellung 1914 in Bern scheint es für Philatelisten in sich zu haben. Von den ZU-Nummern 12611-131 waren schon einige der frühesten bisher bekannten Daten von der Landi in Bern; es ist anzunehmen, dass alle 6 Marken 12611-131 am (Sonder)-Postamt der Landi erhältlich waren, ob schon ab Beginn der Ausstellung oder erst später, entzieht sich unserer Kenntnis.
J. Müller legte uns zwei weitere Stücke mit bisher frühestem Datum vor: ZU 129 und 131 je als Randstück mit Gummi und SO PEN S. 53 27.6.14 Schweiz. Landesausstellung Bern (attestiert Marchand), was unsere obige Annahme erhärtet.

Einer eigentlichen Sensation gleich kommt jedoch der Fund von HJ. Fankhauser: Er legte uns 2 Landi-SonderGS-Umschläge 2Rp vor, je mit ZuF ZU 132 (l Rp); der eine Umschlag ist entwertet mit SQ PEN S. 53 15.5.14 (O in Gebrauch 8.5.-30.11.1914), der andere mit M O 4.1.1 dt Bern Spezial, resp. PEN M.l, ebenfalls 15.5.14 (0 in Gebrauch 8.5.-30.11.1914), siehe Abbildung. Leider sind die zwei Umschläge nur blanko abgestempelt, also nicht gelaufen; die 0 dürften jedoch echt und aus der Zeit sein. Unsere bisher frühesten Daten für die l Rp-Marke ZU 132 lagen bei Ende Januar 1915: In der PTT Verfügung No 10 vom 20.1.1915 (Posttaxerhöhung auf 1.2.1915) heisst es im Abs. Ic wörtlich: «Um den Aufbrauch der noch in den Händen des Publikums vorhandenen Marken zu 2 und 12, . . ., wird eine Anzahl 2er Marken durch einen entsprechenden Aufdruck in schwarzer Farbe in ler Marken umgewandelt und abgegeben, um als Ergänzung der 2er und 12er verwendet zu werden.»
Es hat also den Anschein, dass die PTT diese Taxerhöhung schon mehr als 8 Monate im voraus geplant hatten und auch schon vorsorglich die Überdruckmarke zu l Rp drucken Hessen. Offenbar hielten die PTT die Marke unter Verschluss bis zum Versand an die Poststellen gegen Ende Januar 1915. An der Landi war diese Marke sehr wahrscheinlich nicht für alle Postbenützer erhältlich, weil sonst sicher bisher schon frühere Daten als Januar 15 aufgetaucht wären. Vielleicht gelingt es einem Leser, mehr Licht in diese mysteriöse Geschichte zu bringen.