Siam - Dahomey 1904


An der Weltausstellung in Bangkok im Oktober 1993 konnte ich die abgebildete Karte erwerben, die den Postgeschichte Lesern vorgestellt werden soll.
Es dürfte sich um eine Postwegrarität handeln, da solche Post von Siam in ein kleines afrikanisches Land zu Beginn dieses Jahrhunderts ganz und gar nicht alltäglich sein dürfte. Die Karte zeigt auf der Fotobildseite siamesische Bambushütten und zwei barbusige laotische Schönheiten mit Kleinkindern auf dem Arm. Gedruckt wurde sie in Bangkok in der wohl deutschen Druckerei Gölte & Co. Die Adresseite weist sie in französisch und thailändisch als vom Weltpostverein gebilligte Postkarte aus. Das Königreich Siam war 1885 dem Weltpostverein beigetreten. Die Frankatur aus der Dauerserie mit Porträt von König Chulalongkorn setzt sich zusammen aus je einem Wert zu 2 und 3 Atts auf blauem Medaillon, abgestempelt mit grossem zweisprachigen Stempel von Bangkok in europäischer und siamesischer Schrift und datiert vom 18. Oktober 1904. Als Adressat figuriert ein Fritz Niggl bei der Firma Witt und Busch in Porto Novo, damals Hauptstadt von Dahomey, West-Afrika. Dass die Karte dort angekommen ist, ist schon eine Sensation, dass sie der Nachwelt erhalten geblieben ist, grenzt an ein Wunder. Aus den Stempeln lässt sich folgender Postweg ablesen:
Obwohl der Absender West Africa deutlich vermerkt hatte, wurde die Karte vorerst nach Porto Novo in Indien fehlgeleitet, jedoch schon wenige Tage später mit Seepost Richtung Afrika dirigiert, wo sie nach weniger als zwei Monaten seit der Aufgabe in Bangkok noch vor Weihnachten eintraf. Die schönen Mädchen dürften allerdings in Dahomey wenig sensationell gewirkt haben, war sich doch der Empfänger diesen Anblick aus dem täglichen Leben in Afrika gewöhnt. Auch die Hütten weisen viel Ähnlichkeit mit Bauten auf, wie sie in der Gegend von Porto Novo als Pfahlbaudörfer eine beliebte Touristenattraktion darstellen.