Vom Taler und Gulden zur Mark (I)

Geldgeschichtliche Nachrichten für Postgeschichtler
«Ein Heller und ein Batzen ...» heisst es in einem alten Volkslied, «Gib dein Scherflein dazu » wird jemand aufgefordert,«... er ist von gutem Schrot und Korn» ein anderer gelobt, während einer sich sagen lassen muss, er sei «keinen Deut wert» und ein «Geldschneider» dazu. Wieder ein anderer stöhnt, weil er etwas «berappen» soll, gibt aber keine «Silberlinge», sondern nur «Fersengeld». Wer aber weiss schon, dass diese Bezeichnungen - bis auf das Fersengeld - alle auf das Geld- und Münzwesen früherer Zeiten zurückgehen?
Ich habe nun nicht die Absicht, eine numismatische Etymologie zu schreiben, aber gewisse Begriffe, die in der neueren Geldgeschichte, wie sie vor allem den Postgeschichtlern interessiert, immer wieder vorkommen, müssen einfach gelernt werden. Einen Königsweg dahin - kurz und schmerzlos - gibt es nicht. Ohne nähere Kenntnisse der Münz- und Währungsverhältnisse seit dem Augsburger Reichsabschied von 1566 müssen alle Taxerklärungsversuche Stückwerk bleiben. Wissen lässt sich auch hier nicht durch Glauben ersetzen. Fehlinterpretationen, wie sie häufig vorgekommen sind und noch immer vorkommen, sind nach einiger Zeit nur schwer oder gar nicht mehr richtigzustellen.
Bevor ich jedoch den weiten Weg «Vom Taler und Gulden zur Mark» in einer Kurzfassung für Postgeschichtler beschreibe, nachstehend die notwendigsten Begriffe der geldgeschichtlichen Terminologie, deren regelmässige und ausschliessliche Anwendung an Stelle von «Eigenfabrikaten» zum allgemeinen Verständnis der Texte unerlässlich ist.

Terminologie

Kölnische Mark.
Die Mark, ein uraltes germanisches Gewicht, mindestens seit dem 9. Jahrhundert auch in Verträgen vorkommend, verbreitete sich über ganz Europa und wurde im Laufe der Zeit ausschliesslich als Gewicht für Edelmetalle verwendet. Seit dem 15. Jahrhundert verdrängte die kölnische Mark, das in der Stadt Köln geltende Markgewicht, die anderen deutschen Markgewichte. Die 1. Reichsmünzordnung, erlassen 1524 in Esslingen von Kaiser und Reich (Karl V.),setzte die Kölnische Mark als Währungsgrundgewicht ein; sie blieb es, bis sie 1857 durch das Zollpfund von 500 Gramm abgelöst wurde. Wie schwer damals diese Mark war, wissen wir nicht. Alle gelegentlich vorkommenden «genauen» Zahlenangaben beruhen auf Fehlinterpretationen, Missverständnissen und sind unzutreffend. Die Technik früherer Zeiten erlaubte bei der Herstellung der Waagen und Richtgewichte nicht die Genauigkeit, wie sie seit dem 19. Jahrhundert üblich ist. Ungenügende Eichung der Gewichtsstücke und Gewichtsabrundungen, bedingt durch die Schwierigkeiten mit der Bruchrechnung im Mittelalter, führten im Laufe der Zeit zu erheblichen Abweichungen. So führte Hermann Grote (1802-1895), der Altmeister der wissenschaftlichen Numismatik, 1863 noch 35 verschiedene Gewichtsangaben für die Kölnische Mark an, die zwischen 231,156 - 234,068 g Schwere schwankten. Die preussischen Münzstätten, voran die Berliner Münze, hatten sich schon früh für eine Kölnische Mark im Gewicht von 233,855555 ... .g (= 233,856 g) entschieden. Dieses preussische Richtgewicht nahmen 1837 die süddeutschen Zollvereinsstaaten bei der Münchener Münzkonvention vom 25.8.1837 für ihren Bereich an, wie auch im Dresdener Münzvertrag vom 30.7.1838 dieses Richtgewicht für alle Mitgliedsstaaten des Zoll und Handelsvereins eingeführt wurde.

Feingehalt oder Korn
Das Verhältnis von edlem und unedlem Metall in einer Münze. Seit den Reichsmünzordnungen im 16. Jahrhundert wurde in Deutschland für den Feingehalt der Goldmünzen die Mark in 24 Karat zu 12 Gran, der Silbermünzen in 16 Lot zu 18 Gran geteilt. Seit Annahme des Dezimalsystems wird der Feingehalt in Tausendsteln ausgedrückt: 24 Karat = 1000/1000 Goldgehalt; 16 Lot = 1000/ 1000 Silbergehalt. Ein Beispiel: so hatten die preuss. Taler im 14-Taler-Fuss ein Korn von 12 Lot oder waren 12-lötig, womit gesagt war, dass in der Münze 12 Lot Silber und 4 Lot Kupfer sich befanden; die Münze war auch 750/1000 fein.

Feingewicht oder Nettogewicht
Damit wurde das Gewichtsquantum an Edelmetall bezeichnet, das in einer Münze enthalten war. Das Feingewicht einer Münze war zugleich ihr Feingehalt. Um bei dem a. o. Beispiel des preuss. Talers zu bleiben: In 14 TalerStücken war eine Kölnische Mark Silber enthalten, d.h., jede einzelne Münze enthielt 16,704 g. Das Feingewicht einer Münze war darum so wichtig, weil der Wert einer Münze ausschliesslich danach bewertet wurde. Andere Metalle oder die Herstellungskosten blieben unberücksichtigt.

Rauhgewicht oder Schrot.
Gesamtgewicht einer Münze, bestehend aus dem Gewicht des Edelmetalls und dem Gewicht des Legierungsmetalls, meist Kupfer. Beim Beispiel des o.a. preuss. Talers, der 12-lötig oder 750/ 1000 fein ausgebracht wurde, bedeutet das, dass auf drei Teile Silber im Gewicht von 16,704 g pro Münze noch ein Teil Kupfer im Gewicht von 5,568 g (16,704: 3) dazukam, so dass das Rauhgewicht dieser Münze 22,272g ausmachte.