Flugunfallbelege - leicht zu fälschen?

Ich habe schon einmal in dieser Zeitschrift darauf hingewiesen, dass beim Erwerb von Unfallbelegen Vorsicht am Platze ist (PG Nr. 49 vom Februar 1992). Es ist eben leider sehr einfach, einen «normalen» Brief über eine Kerze zu halten und ihn dann als einen Zeugen eines unbekannten Flugunfalles auszugeben. Nicht ganz so einfach ist es, einen erfahrenen Unfallpostsammler zu täuschen. Bei allen «unbekannten Flugunfällen» ist auf jeden Fall Vorsicht geboten, denn die Spezialisten haben hier ziemlich gut gearbeitet und die in aller Welt tatsächlich erfolgten Unfälle registriert, mit einer Ausnahme allerdings: Flugunfälle während des 2.Weltkrieges wurden von den kriegführenden Staaten geheim gehalten und sind daher auch heute noch weitgehend unbekannt. Hier nun zwei Beispiele, wo zumindest der Verdacht besteht, dass es sich um Fälschungen handelt.

Beispiel l zeigt einen Brief aus Ägypten, Aufgabe Cairo 5. Juni 1933, adressiert in die Schweiz. Auf der Rückseite befindet sich ein Transitstempel von Brindisi vom 8.6.33 und ein Bleistift-Vermerk «Crash 6/6/33», Unterschrift unleserlich. Unnötig zu erwähnen, dass im Unfallpost-Katalog von Nierinck (der seit Jahren dieses Gebiet genau erforscht hat) im Juni 1933 kein Unfall eines Postflugzeuges registriert ist. Cairo wurde in jener Zeit von der Imperial Airways Ltd und von der KLM angeflogen; letztere scheidet aus, da die KLM Brindisi gar nicht anflog. Unser Brief wurde also von der britischen Gesellschaft befördert, und zwar ab Alexandria, da zwischen Cairo und Alexandria die Bahn benützt wurde, wie übrigens auch zwischen Brindisi und der Schweiz. Das Flugzeug mit der Post aus Südafrika traf jeden Donnerstag abend in Brindisi ein und das aus Indien jeden Samstag abend (gemäss Angaben der Schweiz. PTT), Post wurde von da mit der Bahn weiterbefördert. Der 8. Juni 1933 war ein Donnerstag, der Brief war also am Mittwoch, 7. Juni, ab Alexandria abgeflogen. Ein Unfall am 6. Juni, wie rückseitig mit Bleistiftnotiz angegeben, war also gar nicht möglich, - es sei denn ein Unfall auf der Bahnlinie Cairo - Alexandria oder Brindisi - Schweiz. Das können wir natürlich nicht ausschliessen, ist aber doch recht unwahrscheinlich.

Beispiel 2 ist eine harte NUSS. Denn dieser Umschlag zeigt alle Merkmale eines im Wasser gelegenen, zusammengepressten Briefes. Er wurde in 8706 Feldmeilen (Schweiz) am 25. eines Monats (Monat und Jahr leider unbekannt) aufgegeben. Verdächtig ist eigentlich nur der aufgeklebte Vermerkzettel: «damaged by an accident at the airport Amsterdam» - das ist kein Englisch, wie es ein Engländer (oder Schotte) sagen würde. Ein Niederländer würde nicht «airport Amsterdam» sondern «Schiphol airport» sagen. Die Schreibmaschinenschrift ist Originalschrift, nicht vervielfältigt, wie man es für eine grössere Anzahl solcher Zettel annehmen müsste. Es fehlt die Jahreszahl und eine Angabe der Amtsstelle, die den Vermerk geschrieben hat. Und schliesslich ist der Zettel so aufgeklebt, dass er über den oberen Rand hinausragt, aber keine Bruchstelle aufweist! Wann genau der Poststempel von Feldmeilen mit der Postleitzahl eingeführt wurde, ist mir leider nicht bekannt. So viel steht aber fest: die Postleitzahlen wurden in der Schweiz bei den meisten Poststellen im Jahre 1964 eingeführt. Der vermeintliche Unfall am Flughafen Schiphol müsste also frühestens 1964 erfolgt sein. Eine Anfrage bei Freunden in den Niederlanden brachte aber kein Ergebnis. Schliesslich ist noch zu prüfen, ob die Schweizer PTT jemals nach 1964 Post für Grossbritannien über Amsterdam geleitet hat. Da muss ich leider passen! Möglich wäre es schon, aber doch sehr unwahrscheinlich; denn es gab ja die direkten Verbindungen von Zürich nach London durch die Swissair und die britische Gesellschaft. Der Brief bleibt ein Rätsel. Vielleicht kennt ein Leser der «Postgeschichte» die Lösung?