Internationale Postverbindungen: Postverbindungen Italien - Frankreich in der Vorrevolutionszeit

Die frühesten Postverbindungen zwischen Italien und Frankreich wurden hergestellt zwischen Lyon und Venedig einerseits und Lyon und Rom andererseits. In Venedig war von 1561 bis 1675 ein französisches Postamt tätig. Zwei venetianische und vier französische Kuriere besorgten die Korrespondenz in 8 bzw. 10 Tagen über Mailand, Turin und Pont-de-Beauvoisin1. Auch nach Aufhebung des französischen Büros wurde die Postroute beibehalten. Der Vertrag von 1770 zwischen dem Postmeister von Lyon, Francois de Sejournant, und den Kurieren der Republik Venedig ermöglichte in einer Spezialklausel die Auswechslung von Transitbriefen über Lyon nach Paris und weiter, sowie über Venedig nach Polen, Malta und der Levante. Bis 1690 gibt es nachweisbare Verbindungen von Venedig über Lyon nach Holland und England2.
Die für Frankreich wohl wichtigste Verbindung war zweifelsohne die «Route de Rome» von Lyon über Pont-deBeauvoisin, durch Savoien, Piemont, die Republik Genua, Massa, Lucca, das Grossherzogtum Toscana und die Kirchlichen Staaten. Drei französische Postämter besorgten zeitweilig den Transit bzw. die Verteilung der Briefe: Turin, Genua und Rom. Die Verbindung wurde ab 1741 von Genua aus ausschliesslich durch die Provence, über Antibes und Aix geführt3.

Ein Brief aus Genua nach Nancy über diese Route ist in Abb. l zu sehen, er hat den Aufgabestempel GENOUA, von P. Vollmeier von 1767 bis 1803 notiert4. Befördert wurde er über Antibes und Lyon und dort mit 24 Sols Porto belastet. Lyon war, wie Paris, ein Postamt, welches auf transitierenden Briefen ein doppeltes Porto anrechnen konnte: Laut Art. LXXXIII von Genua, Florenz und Mailand 14 Sols bis Lyon, von Lyon nach Nancy: 100 bis 120 Meilen 10 Sols.

Eine weitere Verbindung von Italien nach Frankreich gab es über die Reichspost. Schon in der Anfangszeit der deutschen Poststrasse nach Flandern wurden italienische Briefe über diesen Weg befördert, so gibt es in den französischen Portolisten von 1704 im Artikel CXXVIII und 1759 im Artikel CXVI Taxen für Briefe «aus Italien über Antwerpen nach Lilie». Eine Vereinbarung zwischen Taxis und der Postverwaltung der Republik Genua vom 28.9.1734 ermöglichte einen Austausch mit dem Briefkurs aus Deutschland und Holland. Dieser wurde getätigt über Augsburg, Köln und Maaseik (Art. 2). Es waren zwei Kurse vorgesehen: über die Schweiz (mit 8 Soldi Vergütung per Brief) und über Venedig (mit 6 Soldi Vergütung). Das Postamt Genua hatte die Transportkosten nach Mailand und Venedig zu tragen (Art. 5). Die Reichspost hatte die Extrakosten, 4 Soldi pro Unze vom Porto des schweizerischen Kurses an das Postamt von Mailand zu zahlen. Die Stafettenkosten zwischen Parma und Modena waren dem Grafen Tassis zu Venedig (6 Soldi pro Unze) zu vergüten5. Über die Verbindung Augsburg - Venedig gibt die Vereinbarung vom 4.2.1751 Auskunft, danach fertigte Augsburg Briefpakete für Verona, Brescia und Bergamo ab, welche in Volargne oder Castelnuovo den Venezianischen Kurieren auszuliefern waren. Der beabsichtigte Schweizer Kurs zwischen Lindau und Bergamo sollte mittels Stafette oder Kuriere zu Lasten und Kosten der Reichspost eingerichtet werden.

Der in Abb. 2 gezeigte Brief aus Genua vom 1.6.1765 ist ein Beispiel dieser selten belegten Postroute (es ist mir nur ein weiterer Brief bekannt). Der Aufgabestempel GENOVA im Doppelrahmen ist bei P. Vollmeier von 1767 bis 1779 als Aufgabestempel notiert4. Der Postvertragsstempel «D'ALLEMAGNE» (im Katalog unter Nr. 884) wurde in Strassburg aufgesetzt. Nach dem Vertrag zwischen Frankreich und Thurn und Taxis vom 8.7.1722 hatte Frankreich für Briefe aus «den österreichischen Erblanden», welche bis an die Grenzen dieser Länder frankiert waren, 5 sols per Brief in französischer Währung zu vergüten. Solche Briefe durften nur über Rastatt, nicht über Basel ausgetauscht werden. Nach den obigen Verträgen wäre ein möglicher Leitweg dieses Briefes von Genua über Parma, Modena und Rovigo nach Venedig. Von dort über Verona nach Bergamo, durch die Schweiz nach Lindau, über Augsburg nach Rastatt und Strassburg. Der kürzere Weg von Genua über Mailand nach Bergamo ist m.E. weniger wahrscheinlich, obwohl die Verbindung mit Mailand im Vertrag von 1734 erwähnt wird. Laut Vertrag von 1751 war der Austausch zwischen Augsburg und Bergamo sehr deutlich angegeben. Das Porto des Briefes war mit 9 Sols deutlich geringer als beim Brief nach Nancy, obwohl beide Orte nur wenige Kilometer auseinander liegen. Nach dem Korrespondenztarif für Lothringen6 waren Briefe aus allen Postämtern dieses Gebietes nach Deutschland und Österreich bis Rheinhausen (erster Taxis-Taxpunkt im Reich) mit 9 Sols freizumachen.
Ein zweiter Brief über die «Reichsroute» (Abb. 3) stammt aus Udine vom 11.4.1764, er wurde über Venedig und Bergamo nach Augsburg befördert. Über Rastatt nach Strassburg (Stempel D'ALLEMAGNE) und Paris und weiter nach Laval. Das Porto von 32 Sols setzt sich zusammen aus 24 Sols für Briefe aus Deutschland (des villes d'Allemagne) + 8 Sols für die Strecke Paris - Laval. Für die beiden letzten Briefe hatte die französische Verwaltung je 5 Sols (französischer Währung) an Thurn und Taxis zu entrichten.

Abb. 3

1. Dr. Caroll Chase, Louis Lenain, «Les Bureaux Francais ä l'Etranger», Valence, 1961, S. 9
2. Eugene Vaille, «Histoire Generale des Postes Franfaises», Paris 1951, Tome IV, S. 273.
3. Leo de Clercq, «De Route op Rome», St. Nikiaas, 1992, S. 499/500.
4. Paolo Vollmeier, «Storia Postale del Regno di Sardegna», Castagnola, 1985, Nr. 22/24.
5. Fürstl. Zentralarchiv, Regensburg, L Posturkunden Nr. 871.
6. Ch. Florange «Etüde sur les Messageries et les Postes», Paris 1925, S. 149.