Transatlantische Postverbindungen nach europäischen Staaten über Hamburg
Die wichtigsten Transatlantikverbindungen zwischen dem europäischen Festland und den Vereinigten Staaten von Amerika führten zweifelsohne über Bremen (1847), Aachen (1852) und Frankreich (1857). Dabei wird manchmal vergessen, dass sich auch Hamburg seit 1782 mit dem ersten Postgesetz1 eine regelmässige Beförderung der «Briefschaften» zur Aufgabe gesetzt hatte. Ein Transitstempel «POST OFFICE FOR AMERICA / HAMBURG» im Doppeloval mit Hamburger Wappen2 wurde schon 1827 im Stadtpostamt verwendet.
Im Vertrag Bremen-USA von 1847 wurden für Hamburg einige Zusätze vorgesehen: so wurde mit dem Hamburger Stadtpostamt durch den bremischen Agenten zu Bremerhaven ein gesonderter Briefsack gewechselt, der aber nur die Hamburger Post enthalten durfte. Der hamburgische Briefbeutel musste sofort durch den bremischen Postagenten in Bremerhaven in Empfang genommen werden. Durch den preussischamerikanischen Vertrag von 1852 wurde der Briefverkehr über Liverpool-Ostende-Aachen und Köln nach Hamburg befördert. Die kurze Fahrzeit von 2 Stunden und 25 Minuten zwischen Verviers und Köln stellte für die Bearbeitung der eingehenden Posten ein bedeutendes Betriebshindernis dar. Die Kartenschlüsse für Norddeutschland konnten trotz dem Einsatz von 3 Postwagen mit 15 Beamten nicht fertiggestellt werden und verpassten mehrmals den Anschluss an den Zug Deutz-Berlin. Die Unzufriedenheit der Kaufmannschaft in den Hansestädten war der Anlass, dass auch Hamburg im Jahre 1852 eine verbesserte Verbindung mit den Vereinigten Staaten suchte.
Die HAPAG-Linie wurde schon 1847 gegründet und besorgte mittels Segelschiffen regelmässige Paketfahrten (ab 1848). Um 1853 wurde der Dienst auf Dampfschiffe umgestellt3, und 1856 berichtet US-Postmaster Campbell im Jahresbericht über Verhandlungen mit der Reichsstadt Hamburg zwecks Auswechslung der Korrespondenzen. Das Porto für den einfachen Brief kostete 10 Cents, und Post ausserhalb Hamburgs durfte nicht befördert werden. Während der Zeit vom 30.6.1856 bis 30.6.1857 wurden mit der HAPAG 1.504 Briefe nach und 9.102 Briefe von Hamburg nach New York befördert4.
Es sollte bis 1857 dauern, bis am 12./30. Juni 57 zwischen Hamburg und den Vereinigten Staaten von Nordamerika ein Postvertrag abgeschlossen wurde. Dieser Vertrag schloss sich, einschliesslich der Portosätze, fast wörtlich dem Vertrag Bremen-USA an.
Der einfache Brief bis zu einer !/2 Unze unterlag einer Gebühr von 10 Cents, Briefe bis l Unze kosteten 20 Cents und bis 2 Unzen 40 Cents. Alle zum deutschösterreichischen Postverein gehörigen Staaten sollten vom Vorteil der Gebührenfestsetzung von 10 Cents profitieren, falls sie das Porto nach und von Hamburg für Briefe nach und von den USA auf den Einheitssatz von 5 Cents oder weniger verminderten. Sonst sollte die Gebühr zwischen den Vereinigten Staaten und Hamburg in jeder Richtung auf 15 Cents festgesetzt werden.
Vorauszahlung stand in beiden Ländern zur Wahl, nicht gestattet war weniger als die volle Gebühr zu zahlen, keineswegs sollte bei Vorauszahlung nur ein Teil der Gebühren erhoben werden. Der Vertrag war für die HAPAG finanziell interessant, 1857 betrugen die Einnahmen für die Briefbeförderung pro Reise ca. 1000 Bco M. statt vorher 150 Bco M. und 1858 lieferte die Post eine Brutto-Einnahme von Bco M. 23'0005. Briefe aus den Vereinigten Staaten nach europäischen Ländern ausserhalb des deutsch-österreichischen Postvereins sind in der Mehrzahl über Frankreich oder Preussen befördert worden. Weniger Briefe fanden den Weg über Bremen (meistens nach Schweden und in die Schweiz). Über Hamburg sind bisher nur zwei Briefe bekannt, ein Brief (Abb. 1) aus San Francisco vom 11.4.1861 nach Cognac erhielt in San Francisco den
haltete eine doppelte Gebühr von 2x15 Cents über Frankreich. Der Anschluss in New York hätte mit der Havre-Linie erst am 25. Mai mit der «Arago» stattfinden können. Stattdessen leitete New York mit dem Stempel «5/MAY/4/N. YORK HAMB Pkt» (Winter 132) den Brief auf die «Bavaria» der HapagLinie.
Diese fuhr am 4. Mai 1861 zum ersten Mal unter «US-Mail-Contract» über Southampton (gleicher Zielhafen der Havre-Linie), wo man wahrscheinlich wegen des New Yorker Stempels den Brief nicht für Frankreich ablud. Am 19.5. bei Ankunft in Hamburg wurde der Brief mit dem ovalen Stadtpoststempel versehen und vorderseitig mit blauem Stempel «4'/2 Sgr-6 Xr» taxiert. Diese Kombination war für Süddeutschland bestimmt: 4'/2 Sgr an Hamburg + 6 Kreuzer (= 2 Sgr.) süddeutsch für den DÖPV. Im Thurn & Taxis-Postamt Hamburg wurde die französische Destination erkannt und nun der Brief über Valenciennes nach Paris befördert mit dem Vermerk «82 Centimes»', diese 82 Centimes entsprechen dem Gegenwert von 6'/2 Silbergroschen, von Frankreich zu entrichten. Schliesslich zahlte der Empfänger «16» Decimes. Das Porto für Briefe aus Hamburg betrug 6 Decimes, für einen Brief über 7'/2 Gramm 12 Decimes. Hier wurde aber der Portosatz für Briefe aus den US gehandhabt: 8 gramm (<7½ )2x 8 = 16 Decimes.
«Patriotic covers» sind im Transatlantikverkehr schon selten, von zusätzlicher Seltenheit ist der Brief in Abbildung 26 jedoch noch wegen des Leitwegs. Am 30. Januar 1862 wurde er in «Somerset» (NY) mit einer (überflüssigen) 3 Cents-Marke frankiert (Teilfrankaturen waren laut Art. II nicht zugelassen). Handschriftlich wurden «35» Cents als Vorgabe der Gebühr zum Versand mit der preussischen Post (Prussian Ciosed Mail) vermerkt, dem Porto für die Schweiz von 1852 bis 1863. Da der Brief die «Europa»-Abfahrt der Cunard-Linie am 5.2. verpasst hatte, erhielt er den Stempel «5/8/ N. YORK HAMPkt (Winter Nr. 132) und wurde mit der «Bavaria» der Hapag-Linie vom 8. Februar befördert. Ankunft in Hamburg laut Stadtpoststempel am 23.2.; vorderseitig zwei blaue Taxstempel «4'/2 Sgr./6 Xr» sowie «22», 22 Kreuzer (4!/z Sgr. = 16Xer + 6 Xr.) angebracht; weiterbefördert über das T. &T.-Postamt Hamburg nach Frankfurt, wo «22» handschriftlich wiederholt wurde. Über die badische Bahnpost am 27.2. nach Bern und Unterseen. Von der schweizerischen Post waren 22 Kreuzer: 82 Rappen zu vergüten. Mit den zusätzlichen 13 Rappen Inlandsgebühr ergibt dies eine Gesamtgebühr von 95 Rappen.
1. Erich Kuhlmann, Das hamburgische Postamt und seine Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Postgeschichtliche Blätter, Hamburg 1976, Heft 19.
2. Catalogue des Marques de Passage, Soluphil, Luxemburg, 1993, Nr. 2251.
3. Richard Winter, North Atlantic Mail Sailings, U.S. Philatelie Classics Society Inc., 1988, S. 167.
4. George Hargest, History of Letter Post Communication between the United States and Europe. Second edition, Quarterman Publications Inc., 1975, S. 119.
5. Erich Kuhlmann, Das hamburgische ... S. 30ff; siehe 1.
6. Vorlage: Hans Reinert, Ammersbeck.