25D - eine Strubel-Neuentdeckung? (II)
In der letzten POSTGESCHICHTE (Nr. 63) habe ich den «neuen» Strubel 25D vorgestellt und gleichzeitig versucht, eine entsprechende Neu-Katalogisierung zu begründen. Am Ende meines Forschungsberichtes habe ich angedeutet, dass die «ganze Sache» so neu gar nicht sei. In der vorliegenden Postgeschichte-Nummer möchte ich eine Chronologie der Erfassung des 20-Rappen-Strubels durch Kataloge und Literatur wiedergeben, damit sich der Leser zu dieser Frage ein abgerundetes Bild machen kann. Alle aktuellen Briefmarken-Kataloge kennen meines Wissens nur drei Ausgaben von 20-Rappen-Strubeln: die Zumstein-Nummern 25B, 25F und 25G. Und auch im Zumstein-Spezialkatalog von 1992 finden wir keine weitergehende Differenzierung, auch nicht bezüglich der Farbnuancen. (1) Interessanterweise sollen sich alle drei Ausgaben in den gleichen drei Farbnuancen (gelborange, orangegelb und blassorangegelb) finden lassen. Alle 20-Rappen-Werte mit Zürcher Papier werden somit der G-Ausgabe zugeordnet. Diese Dreiteilung wird durch die neuere Strubel-Literatur bestätigt. Hans Hunziker übernimmt diese altbewährte Katalogisierung und macht lediglich ergänzende Angaben bezüglich der Häufigkeit der drei Farbnuancen. (2) Auch Walter d'Aujourd'hui versieht die drei 20er-Strubel mit den traditionellen Katalog-Nummern. Lediglich bezüglich der Umschreibung der Farbnuancen führt er andere Begriffe ein. (3)
25D Druckplatten-Ordnung III (verkantete und verschobene Cliches)
Wenn wir fünfzig Jahre zurückgehen, stellen wir sogar eine Beschränkung auf nur zwei 20-Rappen-Ausgaben fest, da der F-Wert lediglich als Papierabart des B-Strubels angesehen wird. Bei Greti Kuisel sind dies die beiden 20-RappenNummern 14 (25B) und 24 (25G) sowie die Seidenpapierabart 14c. (4) Blicken wir noch weiter zurück und konsultieren das Zumstein-Handbuch von 1924, so sehen wir, dass bereits dazumal für die 20-Rappen-Strubel eine Zweiteilung angeführt wird: Es sind dies die Nummern 38 und 53. (5)
Erstaunliches findet sich jedoch in der /. Auflage des Handbuches von 19091 Übersichtlich dargestellt ergibt sich hier für die 20-Rappen-Werte das folgende Bild (siehe S. 21 unten). (6)
Diese Dreiteilung entspricht jedoch nicht der aktuell Geltenden. Der «Seidenpapier-Strubel» 25 F wurde in diesen philatelistischen «Urzeiten» noch nicht separat katalogisiert. Die KatalogNummer 175 gehört gemäss der I. Auflage des Handbuches zu den Berner Drucken auf Papier mit verschiedenfarbigen Seidenfäden. Diese Nummer 175 ist somit nichts anderes als der «neuentdeckte» 25-D-Strubel! Wenn wir seine oben angeführten Merkmale mit meiner Detail-Darstellung in der letzten POSTGESCHICHTE (7) vergleichen, finden wir nur bei den Verwendungszeiten Abweichungen. Ernst Zumstein setzt das Frühdatum bereits mit April 1856 fest. Moderne Papieruntersuchungen zeigen jedoch klar, dass die 20-Rappen-Werte auf Zürcher Papier frühestens ab Ende 1857 vorkommen.
Ernst Zumstein kann die Entdeckung des 25D-Strubels jedoch nicht für sich beanspruchen. Er selbst hat diese Einteilung nämlich aus dem Werk von Mirabaud und Reuterskiöld übernommen. Diese einzigartige Forschungsarbeit zur Altschweiz-Philatelie bringt uns Strubelsammlern auch heute noch äusserst wertvolle, durch Quellenangaben belegte und mit wissenschaftlicher Systematik geordnete Informationen. Die Strubel-Übersichtstabelle von Mirabaud und Reuterskiöld verdient eine ungekürzte Wiedergabe (siehe S. 22). (8) Für den 20er-Wert werden somit drei Ausgaben unterschieden, die sich aufgrund weiterer Angaben dieses Werkes folgendermassen charakterisieren lassen (siehe S. 23 oben).
Wenn wir noch den dünnpapierigen 25F-Wert hinzufügen, sind wir in der Tat nicht mehr weit entfernt von meiner Darstellung in der letzten Postgeschichte-Nummer. Die eher unwesentlichen Differenzen bei einzelnen Abgrenzung kriterien lassen sich durch die Verbesserung des heutigen Forschungsinstrumentariums leicht erklären.
In der kommenden POSTGESCHICHTE werdeich auf die entscheidende Frage eingehen, ob sich eine differenzierte Darstellung des 20-Rappen-Strubels tatsächlich aufdrängt, oder ob durch die Einführung eines 25D-Strubels die Abgrenzungs- und Bestimmungsproblmatik nur noch zusätzlich erschwert wird. Natürlich würde mich Ihre Menung hiezu lebhaft interessieren! (9)
(1) Vgl. Max Hertsch, Spezialkatalog über die Briefmarken der Schweiz 1992, XXIV. Auflage, Bern 1991, Seite 47 ff
(2) Für die gelborangen und orangegelben B-Strubel nennt er eine prozentuale Häufigkeit von je 40 %, für die blassorangegelbe Variante 20 %. Vgl. Hans F. Hunziker, Strubel 1854 - 1862, Bern 1986, Seite 43
(3) Vgl. Walter dAujourd'hui, Schweiz Neuklassierung der Ausgaben sitzende Helvetia ungezähnt. 1854 - 1862, Basel 1982, Seite 26 ff
(4) Vgl. Greti Kuisel, Schweiz Schweiz 1854 bis 1862, Zürich 1943, Seite 12
(5) Ernst Zumstein, Spezial-Katalog und Handbuch über die Briefmarken der Schweizerischen Eidgenossenschaft, III. Auflage, Bern 1924, Seite 62 ff
(6) Vgl. Ernst Zumstein, Spezialkatalog und Handbuch über die Briefmarken der Schweiz, Bern 1909, Seite 52 ff
(7) Vgl. Urs Hermann, 25D - eine Strubel-Neuentdeckung? (I), in: POSTGESCHICHTE Nr. 63, August 1995, Seite 16
(8) P. Mirabaud - A. de Reuterskiöld, Die Schweizerischen Postmarken 1843 - 1862, Paris 1899, Seite 138
(9) Ihre geschätzte Mitteilung erreicht mich unter der Adresse: Urs Hermann, Postfach 477, CH - 4410 Liestal.