Inlandspost über das Ausland - zwei Beispiele aus den Deutschen Kolonien

Anhand von zwei Beispielen soll gezeigt werden, welche Schwierigkeiten zuweilen die Postbeförderung innerhalb der Deutschen Kolonien noch Jahre nach ihrer Gründung und der Eröffnung der ersten Postanstalten machte. Insbesondere der Transport aus dem Inneren und ins Innere des Landes bereitete oft grosse Probleme. Dies führte sogar dazu, dass Inlandspost über ausländisches Gebiet befördert werden musste, um Zeitgewinn zu erzielen, bzw. weil ein anderer Postweg überhaupt nicht zur Verfügung stand. Zwei Poststücke sollen dies belegen:
Zuerst ein Beispiel aus Kamerun (auch wenn die Karte nicht aus Kamerun stammt): Sie wurde nämlich am 24.10.1901 beim Deutschen Postamt in Shanghai aufgegeben und sollte einen Stabsarzt Dr. Hoessmann in Kamerun (als Ortsangabe ist natürlich Duala gemeint) erreichen. Dieser jedoch war (wie aus dem Text hervorgeht) «zur Grenzkommission den Kongo hinauf» delegiert und bei Ankunft der Karte (siehe Stpl. «DUALA» v. 5.2.02) abgereist.


Daher wurde diese dorthin (und zwar nach «Ssanga-Ngoko» nachgesandt. Nun war jedoch Ssanga-Ngoko eine seit etwa 1900 existierende Station im äussersten Südosten des damaligen Kamerungebiets, die äusserst abgelegen war und bereits 1905 wieder aufgegeben wurde. Sie war über deutsches Gebiet praktisch nicht zu erreichen, sondern nur über das Ausland. Die Post - so auch unsere Karte - wurde per Schiff die Küste entlang nach Süden bis zur Kongo-Mündung und von dort den Kongo hinauf über Matadi bis Leopoldville befördert (Durchgangsstempel vom 24. und 26.4.1902). Von dort nun gelangte die Post entgegenkommenderweise mittels Frachtdampfern der «Gesellschaft Süd-Kamerun» in 18-tägiger Flussfahrt auf dem Ssanga und dem Ngoko durch den französischen Kongo ins südl. deutsche Kamerun-Gebiet. Von dort aus stellte die «Gesellschaft Süd-Kamerun» die Poststücke mit gelegentlicher Karawanenpost den Adressaten zu. So ist es verständlich, dass die Beförderungsdauer von Duala nach Ssanga-Ngoko (und umgekehrt) etwa 5 Wochen betrug. Unsere Karte aus Shanghai dürfte daher für die gesamte Strecke etwa 5 Monate benötigt haben. Die Beförderung über den Kongo (also das Ausland) war somit die einzig mögliche und die Karte ist - dies am Rande vermerkt - in der Tat «irre» aber durchaus kein «Irrläufer», wie im Auktionskatalog seinerzeit beschrieben, als ich sie erwarb.

Beim zweiten Beispiel (aus DeutschOstafrika) handelt es sich um eine Ganzsachenpostkarte vom 2.5.1908, die aus Bukoba am Victoriasee nach Tanga an der Deutsch-Ostafrikanischen Küste gerichtet ist. Da nun aber die deutsche Mittellandbahn (Tanganjikabahn) von Daressalam nach Kigoma am Victoriasee noch nicht gebaut war, wurde die Karte mittels der britischen Ugandabahn von Kisumu, dem Endpunkt am Victoriasee, nach Mombasa (also über das Ausland) befördert. Von dort erreichte die Karte wieder die Küste entlang in Tanga deutsches Gebiet (per Dampfer). Dies dokumentieren die beiden britischen Durchgangsstempel von Kisumu und Mombasa.