Zum Postverkehr nach Südamerika im April 1945


Diese Postkarte wurde in Locarno am 7. April 1945 an einen Empfänger in Santiago de Chile aufgegeben und an den Absender retourniert. Die Karte ist mit 20 Rappen frankiert, sollte also mit der Schiffspost reisen. Das Postamt 2 in Basel hat auf einem angeklebten Vermerkzettel folgendes erklärt:

Retour.
Postverkehr mit Südamerika und Mittelamerika über Frankreich immer noch eingestellt. Flugpostsendungen können, auf ausdrückliches Verlangen des Absenders, auf dem Weg über Deutschland-Schweden befördert werden. Briefversand Basel 2

1. April 1945 ... einen Monat vor der Kapitulation Deutschlands. Die 7. amerikanische Armee war im August 1944 in Südfrankreich gelandet und rechts und links der Rhone nordwärts vorgedrungen, hatte die Schweiz nördlich umgangen und Bayern erreicht. Es gab für die Schweiz keinen «offenen» Weg mehr nach Frankreich
Am 24. April gab das Oberpostinspektorat der Schweiz. PTT folgendes bekannt: «Postverkehr mit Spanien, Portugal, ihren Kolonien sowie Zentral- und Südamerika: Briefpostsendungen nach diesen Ländern sind über Frankreich immer noch nicht zugelassen. Immerhin hat die französische Postverwaltung soeben telegraphisch mitgeteilt, dass sie unverzüglich berichten wird, sobald die alliierten Militärbehörden den Weg freigeben.» Und am 5. Juni: «Eingeschriebene und uneingeschriebene Briefe bis 50g und Postkarten, sowie Eilsendungen aus der Schweiz nach Schweden, Griechenland, der Türkei, China (unbesetzter Teil), Zentral- und Südamerika sind nunmehr wieder zugelassen. Dagegen bleibt der Briefpostverkehr mit Spanien und Portugal weiterhin gesperrt. » Flugpostsendungen nach mittel- und südamerikanischen Ländern konnten «auf ausdrückliches Verlangen des Absenders» über Schweden geleitet werden; nur für britische Besitzungen war der Leitweg mit Bahn und Schiff über England. Der Postweg nach Schweden, der ja über Deutschland ging, musste dann aber bereits Ende April eingestellt werden.