Portobriefe der österreichischen Levante

Nach Inkrafttreten des Vertrages des Allgemeinen Postvereins (später Weltpostverein) am 1. Juli 1875 waren mit einem Schlag teilfrankierte oder unfrankierte Briefe zwischen den Vertragsstaaten verschwunden. Der günstige Tarif für Vorausfrankierung wurde weitgehend wahrgenommen, verdoppelte sich doch die Gebühr bei unfrankierten oder teilfrankierten Briefen.

Hier sollen zwei nach dem 1. Juli aufgegebene Briefe vorgestellt werden. Der erste Brief (Abb. 1) vom 28. August 1875 ging von Meteline nach dem Stadtteil Galata in Constantinopel. Die Aufgabe erfolgte durch den Absender bewusst unfrankiert, was der Vermerk besagt. Vom Absenderbüro wurde der relativ seltene T-Stempel für Taxe angebracht und die doppelte Gebühr von 20 statt 10 Soldi in Constantinopel aufgeschrieben und eingezogen.
Die Ankunft beim Lloyd Büro in Constantinopel war am 31. August 1875. Portomarken gab es zu dieser Zeit in der Levante noch nicht.

Der zweite Brief (Abb. 2), geschrieben im türkischen Tschesme (Cesme), wurde - ebenfalls unfrankiert - am 11. Januar 1878 aufgegeben, wohl (in Ermangelung einer 10-Soldi-Marke beim Absender) durch einen fremden Boten in der Aufgabestelle auf der Insel Scio. In Syra wurde der Brief mit der doppelten griechischen Auslandstaxe von 60 Lepta nachbelastet und mit Portomarken verrechnet. Solche unfrankierten Briefe von einem Levante-Postamt an ein griechisches Postamt nach dem 1. Juli 1875 sind ausserordentlich selten.