Vom Taler und Gulden zur Mark (III)

Geldgeschichtliche Nachrichten für Postgeschichtler

Floren.
Der Floren - Fioreno d'oro, Floreno - war die bedeutendste Goldmünze des Mittelalters. Mit ihm nahm Florenz 1252 die Goldprägung auf. Die Münze bestand aus 3,54 g reinen Goldes, war also 24 Karat, und Rauh- und Feingewicht waren gleich. Auf der Vorderseite zeigt der Floren das Wappen der Stadt, eine Lilie, und die Umschrift FLORENTIA, auf der anderen Seite das Bildnis Johannes des Täufers sowie die Umschrift S. IOANNES B(aptista). In Deutschland, wo das Prägen von Goldmünzen königliches Privileg war, erhielt Lübeck als erste Stadt 1340 vom König Ludwig d. Bayern das Recht, Goldmünzen zu prägen, und zwar Florene, die in Aussehen, Gewicht und Reinheit den Originalen von Florenz glichen. Das Reichsgrundgesetz, die Goldene Bulle, vom Kaiser Karl IV. am 10. Januar 1356 auf dem Reichstag zu Frankfurt erlassen, erteilte im Kapitel X allen Kurfürsten das Recht zur Goldmünzenprägung.

Dukat-Zecchine
Im Jahre 1284 wurde in Venedig unter dem Dogen Giovanni Dandolo (1280- 1289) eine weitere Goldmünze geschlagen, welche auf der Vorderseite den vor St. Marcus knieenden Dogen, auf der Rückseite das Bild Christi mit der Umschrift «Sit tibi Christe datus, quem tu regis, iste ducatus» (= Dir Christus sei das Herzogtum geweiht, das du regierst) zeigte. Gewicht und Reinheit (24 Karat) waren dem Floren gleich. Nach dem letzten Wort der Umschrift «ducatus» bekam die Münze ihren Namen, indem aus ducatus der Dukat wurde, wie ja auch aus advokatus der Advokat geworden war. Dieser Dukat wurde eine der Hauptmünzen der damaligen Welt und wurde durch die Jahrhunderte fortgeprägt, so schlug z.B. Hamburg allein in den fünf Jahren 1868-1872 136.700 Dukaten in 23!/2 Karat und einem Feingewicht von 3,49 g. Im Vorderen Orient hiess der Dukat allerdings Zecchino/Zecchine, benannt nach dem Haus in Venedig, la Zecca, in welchem sich die Münzstätte befand.

Rheinischer Goldgulden.
Die Kurfürsten von Köln, Trier, Mainz und der Pfalz, die schon früher auf Grund von Einzelprivilegien Goldmünzen geprägt hatten, regelten ab 1372 die Ausgaben der sog. Rheinischen Goldgulden gemeinsam, gelegentlich auch mit den Städten Köln, Jülich, Münster und anderen Münzberechtigten zusammen. Diese Münzen glichen zu Anfang in Feingewicht und Gehalt der Florene. Aber schon bald verschlechterten sich die Stücke und um 1419 galt der Rheinische Goldgulden nur noch drei Viertel der Florene. Etwa um 1500 war er im Durchschnitt von 24 auf 18!/2 Karat abgesunken. Die «Goldgulden nach rheinischem Schlag» hatten zu Anfang des 16. Jahrhunderts ihre grosse Zeit hinter sich. Köln prägte die letzten Stücke 1634. In Bayern kam es um 1700 und in Hannover 1749 nochmals zu kleinen Neuauflagen, aber dabei blieb es.

Guldengroschen.
Herzog Sigismund von Österreich (1427-1496), ab 1475 Erzhzg., Herr der gefürsteten Grafschaft Tirol, die er wegen Misswirtschaft 1490 an seinen Vetter Maximilian I. abtreten musste, hatte bei Schwaz grosse, ertragreiche Silbergruben. Nachdem er seine Münzstätte von Meran nach Hall bei Innsbruck verlegt hatte, fing er auch hier mit der Münzprägung an. Ein Berater hatte ihm vorgeschlagen, auf Grund des reichen Silbersegens müsse es möglich sein, grosse Silbermünzen zu schlagen, im Wert der damaligen Goldgulden. 1484 erschienen die ersten Halbstücke, mit denen man angefangen hatte, und 1486 folgten dann die ganzen «Guldengroschen». Dieser Name soll ursprünglich gemeint haben: Dieser silberne Groschen (= Grossmünze) gilt für einen Goldgulden. Sigismund, der von Zeitgenossen den Beinamen «der Einfältige» bekommen hatte, Hess jedoch gar kein «Geld» prägen, sondern offensichtlich nur Schauund Repräsentationsstücke zum Protzen und Verschenken. Denn diese grossen Silberstücke sollten ISlötig oder 937,5/1000 fein sein und nicht ganz 32 g wiegen, um den Wert eines damaligen Goldguldens zu erreichen. Das taten sie aber nicht. Die überkommenen Stücke differieren stark, beim Gewicht allein um fünf Gramm. Sie wurden verschenkt und gelegentlich auch nachgeprägt. Richtig Schwung bekam die Sache 1500 in Sachsen. Nach einer Münzreform wurden die sächsischen Guldengroschen nach dortigem FUSS geschlagen. Sie wogen 27,4 g fein und gingen als sog. «Klappmützentaler» in die Münzgeschichte ein. Ab 1517 wurden sie nur noch 141ötig oder 875/1000 fein ausgebracht. Durch Vereinbarungen mit den Grafen von Mansfeld, dem Erzstift Magdeburg und dem Hochstift Halberstadt erhielten sie in Mitteldeutschland ein grosses Umlaufgebiet. Während die Sachsen die Lagerstätten in Annaberg, Schneeberg, Buchholz auf der Nordseite des Erzgebirges ausbeuteten, waren auf der anderen, südlichen Seite die böhmischen Grafen Schlick fündig geworden. Sie erhielten 1489 das Münzrecht, gründeten 1516 «S. Joachims Thale» und fingen dann 1519 an Guldengroschen zu prägen, die in Gewicht und Feingehalt weitgehend den sächsischen Stücken glichen. Die Münzen hatten auf der einen Seite das Bild des Ortsheiligen, hinter dem Wappen der Grafen Schlick stehend, auf der anderen Seite den ausschreitenden böhmischen Wappenlöwen und die Umschrift «LUDOVICUS PRIM D GRACIA REX BÖ» = Ludwig'L von Gottes Gnaden König von Böhmen. Diese Guldengroschen, die in sehr grosser Zahl gepägt wurden, erhielten im Volksmund den Namen «Joachimsthaler», woraus im Laufe der Zeit dann «THALER» wurde.

Gefürstete Grafschaft Tirol. Guldengroschen von 1486. Das Münzbild zeigt den Fürsten in vollem Ornat mit der Umschrift «Sigismundus Erzherzog von Österreich» und auf der anderen Seite einen Turnierreiter im Wappenkranz und der Jahreszahl 1486.
Kurfürstentum Sachsen. Guldengroschen etwa 1500-1525. Die Vorderseite zeigt Kurfürst Friedrich HL, der Weise, die Rückseite die Herzöge Johann und Georg. Die Numismatiker gaben diesen Münzen nach den Kopfbedeckungen der Fürsten den Namen Klappmützenthaler.