Spekulationen über eine vom Brief gelöste Zürich 4
Vermisst wird eine
ZÜRICH 4, Type II, gestempelt
Anordnung der Untergrundlinien nicht bekannt.
Die genaue Position der fast zentrisch geschlagenen roten Rosette zeigt das «Phantombild»
Auftraggeber dieser Vermisstmeldung ist ein kleiner Faltbrief, den ich in einem Briefposten vorfand. In diesem Schreiben vom 28. April 1849 ersuchte der Gemischtwarenhändler Heinrich Wydler von Außer Sihl das Gemeindeammannamt von Altstetten um die Betreibung von «Rudolf Schwarz und dessen Ehefrau am Bach hinter der Schmiede für 25 Batzen als Betrag für ein Pfund Anken und ein Halstuch.»
Die Abbildung der Brief-Vorderseite zeigt rechts der fehlenden Marke das Prüfersignum Cueni. Auf der Rückseite ist handschriftlich der Vermerk «No. l Type II» angebracht.
Da die Gemeinde Altstetten (im Gegensatz zu Aussersihl) in dieser Zeit nicht im K Z/, direkten Postaustausch mit dem Hauptpostamt Zürich stand, hätte der Brief mit der Kantonal-Taxe von 6 Rappen frankiert werden müssen. Der Brief mit dem ungenügenden Lokal-Porto von 4 Rappen wurde somit ganz richtig mit 2 Rappen nachtaxiert (vgl. den Tintenvermerk «noch 2» über Altstetten).
Wohl jeder wahre Philatelist wird sich an den Kopf greifen und fragen, wie es möglich sei, dass der Besitzer eines solch interessanten Portobeleges die Marke vom Brief trennen konnte. Schon allein der gegenüber der losen Marke doppelt so hohe Katalogpreis für Briefe spricht Bände. Wenn man noch bedenkt, dass sich die Nachtaxierungsbelege mit Zürcher Kantonalmarken wohl an einer Hand abzählen lassen, wird diese Ablösung noch unverständlicher
Eine vordergründige Antwort mag im Umstand liegen, dass dem Brief- und Porto-Sammeln zur Trennungszeit vielleicht noch nicht so grosse Bedeutung beigemessen wurde. Und so wurden früher noch oft Marken von Belegen abgelöst, weil im Vordruckalbum eben nur Platz für eine lose Marke vorgegeben war. Und das grosse Ziel des Sammlers war es ja, diese Lücken zu schliessen ... Ein genaueres Studium des Briefes liefert uns eine zweite Erklärung dieser «philatelistischen Todsünde»: Das Briefchen weist ein horizontale Bugspur auf, die auch den oberen Rand der Zürich 4 trifft. Vielleicht hat der frühere Besitzer die Marke abgelöst, gepresst und damit die Bugspur beseitigt.
Faltbriefchen von Aussersihl nach Altstetten ohne die vermisste Zürich 4
Faltbriefchen von Aussersihl nach Altstetten mit einer rekonstruierten Zürich 4
Es bleibt offen, welche der beiden Hypothesen zutrifft. Ich persönlich tendiere eher zur ersten Annahme. Im zweiten Fall hätte der «Täter» den Brief als «corpus delicti» seiner Manipulation verschwinden lassen. Wie dem auch sei, aus heutiger Sicht kann man die Separation nur bedauern. Deshalb erlaube ich mir den Aufruf zur Wiedervereinigung. Ich bin überzeugt, dass die gesuchte Marke in irgend einer grossen AltschweizSammlung schlummert. Ob im Zeitalter der Mega-Fusionen auch diese Zusammenfügung gelingt? Die beschriebenen Synergiewirkungen sprächen dafür.