Internationale Postverbindungen: Transatlantische Postverbindungen USA-Sachsen
Bis zur Inkraftsetzung des DeutschÖsterreichischen Postvereins-Vertrages am 1.7.1850 war neben Preussen und Österreich auch das Königreich Sachsen dem Verein beigetreten. Artikel 1. des Vertrages lautete: «Der Deutsch-Österreichische Postverein bezweckt die Feststellung gleichmässiger Bestimmungen für die Taxierung und postalische Behandlung der Brief- und Fahrpost-Sendungen, welche sich zwischen verschiedenen zum Verein gehörenden Postgebieten oder zwischen dem Vereinsgebiet und dem Auslande bewegen.» Somit waren alle Korrespondenzen nach Sachsen denen Preussens gleichgestellt, bis auf die Münzeinheit. In der Tat, mit dem Münzgesetz vom 20. Juli 1840 stellte sich Sachsen auf die Seite derjenigen, die die deutsche Münzeinheit mit dem Dezimalsystem verbinden wollten. Sachsen übernahm zwar die Einteilung des preussischen Talers in dreissig Groschen (die man «Neugroschen» nannte); es teilte sie aber in 10 Pfennige und kam damit zu einem Taler von 300 Pfennigen. Das Gesetz ordnete im einzelnen an, dass vom l. Januar 1841 an der Taler in 30 Zehnpfennigstücke oder Neugroschen eingeteilt war. Einige ausgesuchte Belege einer kleinen Korrespondenz aus den USA nach Sachsen gibt uns eine Übersicht über die Routen, Gebühren und verwendeten Stempel in der Zeitspanne zwischen 1852 und 1867. Der bei weitem am meisten gebrauchte Weg im transatlantischen Postverkehr nach Sachsen war zweifelsohne die Route über Bremen, dies seit dem Postvertrag zwischen Bremen und den USA von 1847. Die laut diesem Vertrag anfallenden amerikanischen Gebühren von 24, 29 oder 34 Cents, je nach Entfernung des Aufgabeorts von New York, wurden am 1. Juli 1851 auf einheitlich 20 Cents ermässigt. Dies veranlasste Bremen zur Anfertigung neuer Verrechnungsstempel in der Groschen- und Kreuzerwährung. Für die Groschenwährung wurde, für den einfachen Brief, ein «Bruchzahlenstempel» kreiert, wobei der Zähler mit 9l/2 Silbergroschen die an Amerika zu erstattende Gebühr von 20 Cents darstellt, der Nenner mit 3 Silbergroschen die Vereinsgebühr. Dieser Stempel war nur ca. ein Jahr in Gebrauch, weil nach dem Beitritt Bremens zum Postverein am 1. Januar 1852 eine Korrektur um ½Groschen nach unten bei der Fremdgebühr erfolgte, was die Schaffung eines neuen Stempels «9/3» verursachte.
Abbildung l zeigt einen unfrankierten Brief aus New York vom 14.5.1852 nach Limbach. In New York mit Verrechnungsstempel «NEW 20 YORK/MAY/ 15» gestempelt. Dieser New Yorker Verrechungsstempel notiert das amerikanische Guthaben und ist wegen der kurzen Gebrauchszeit (laut Angabe von R. Winter von März 1852 bis Juni 1853) recht selten. Befördert mit der «Baltic» der Collins Linie nach Bremen, wo der rote Verrechnungsstempel «AMERICA/üBER/BREMEN 9'½/ 3» (VdL Nr. 116) angebracht wurde. Weiterbefördert mit rückseitigem Bahnpoststempel «LEIPZIG-HOF/ II T/1 6 / b». Bei Ankunft wurde die Gesamtgebühr von «12 5/1o» (in Rotstift) erhoben. In Sachsen galt der halbe Silbergroschen 5 gute Pfennige.
Nachdem seit Oktober 1852 der neue Vertrag zwischen Preussen und Nordamerika, die «Prussian Ciosed Mail» (PCM), einen einfachen Brief für 30 Cents bzw. 13 Silbergroschen auf dem schnellsten Weg über England nach Deutschland brachte, wurde am 15. August 1853, zur Bremischen Postkonvention von 1847 ein Zusatzvertrag in Kraft gesetzt. Briefe nach Bremen kosteten nur noch 10 Cents, nach den Vereinsländern (mit Ausnahme von Baden, Thurn & Taxis und Württemberg) 15 Cents (die Hälfte der PCM-Gebühr!). Die 10 Cents wurden wie folgt verteilt: USA Inland 5, Seeporto 4 und Bremen l Cent. Dies war Veranlassung zur Anfertigung eines neuen Stempels für das Talergebiet. Im Zähler diesmal mit 4Vz Silbergroschen für die an Amerika zu erstattende Gebühr von 10 Cents und im Nenner 2 Silbergroschen, das herabgesetzte Vereinsporto (= 5 Cents).
Auch in New York wurden für unfrankierte Briefe, zur Anpassung an den neuen Tarif, neue Einkreisstempel angefertigt. Die Taxzahl mit der von Bremen zu vergütenden Gebühr oben. Für die Beförderung mit Bremer Paketbooten: 5 Cts. US Inlandsgebühr «5/ N. YORK BREM PK», nachgewiesen vom 19.9. 1853 bis 17.10.1854. Für die Beförderung mit amerikanischen Paketbooten: 5 Cts. US Inland + 9 Cts. Seegebühr «14 / N. YORK U.S. PKT» vom 28.1.1854 bis 30.10.1858.
Abbildung 2 zeigt einen unfrankierten Brief aus New Orleans vom 10.9.1853 nach Limbach mit Aufgabestempel «NEW ORLEANS LA/SEP/11» sowie «PAID/5» (überflüssig bezahltes Teilporto weil Vertragsbrief), beide in rot. Befördert über New York mit Verrechnungsstempel «5/ SEP/ 197 N. YORK BREM. PK» (entspricht dem von R. Winter registrierten ersten Datum) mit der «Germania» der W.A. Fritze & C'e Linie. Frühester bekannter Vertragsersttagsbrief mit der Jungfernfahrt der Fritze Linie, welche im Ganzen nur 8 Überfahrten in zwei Jahren vollbrachte.
Nachgesandte Drucksache in den 1. Briefkreis
Korrektur zu S. XXI, PG65. Richtige Legende sollte heissen: 29. Juli 1851, Lokaldrucksache korrekt mit Poste Locale frankiert, jedoch unfrankiert nach St. Prex sur Morges nachgesandt und daher mit dem Briefporto von zwei Kreuzern für den 1. Briefkreis belastet. Der Empfänger bezahlte die zwei Kreuzer.
Art. 7 des Bundesgesetzes über die Posttaxen 1849 bestimmte:
Drucksachen im 1. Briefkreis
5.8.1850 Aarau-Gallenkirch: l Kreuzer Barfrankaturfür Drucksache im 1. Briefkreis.
Barfrankatur der Drucksachen vor Erscheinen der Briefmarken Lt. Posttaxengesetz von 1849 war für die Taxermässigung als Drucksache die Frankatur vorgeschrieben, die Briefmarken erschienen jedoch erst l Jahr später! In der Zwischenzeit musste die Drucksachenfrankatur bar bezahlt werden und wurde rückseitig in Kreuzern notiert.
6. Februar 1851 Bern-Burgdorf: Drucksache in den 1. Briefkreis und als solche mit einer Ortspost frankiert. Es ist eine Besuchsanzeige mit handschriftlichen Vermerken wie Ort, Datum und Unterschrift. Daher wurde diese Drucksache als Brief behandelt, der fehlende Kreuzer mit Rotstift vermerkt und als zusätzliche Taxe vom Empfänger eingezogen. Dies muss öfters vorgekommen sein, auf jeden Fall wurden die Weisungen für Drucksachen mit einer neuen Weisung (siehe S. XXVII) gelockert.
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An dieser Stelle hätten wir (aus der Periode 1.10.1850-31.12.1851) auch gerne eine Drucksache der 1. Gewichtsstufe (bis 2 Loth = 31,2 gr) im 4. Briefkreis (über 192 km) gezeigt, welche mit ganz gewöhnlichen 10 Rp hätte frankiert werden müssen. Trotz intensiver Suche, auch im Postmuseum, ist es uns nicht gelungen, einen solchen Beleg aufzutreiben. Sollte einer unserer Leser einen besitzen, so würden wir dieses seltene Belegstück gerne in der nächsten Nummer vorstellen. -
Übrigens ist dies wieder ein gutes Beispiel für die altbekannte Tatsache, dass auch eine (scheinbar) unbedeutende Frankatur oder Marke - im obigen Falle 10 Rp, zu decken mit einer gewöhnlichen Rayon II-Marke - bei einer ungewöhnlichen Sendungsart sehr selten sein kann.
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Drucksachen-Nachnahmen
Wenn man die Nachnahmezuschläge mit den Drucksachenporti kombiniert, gibt es eine Unmenge von Möglichkeiten. Doch hier zeigen wir zweimal die gleiche Frankatur von 7½ Rp von Frauenfeld. - Die Ortspost, die Poste Locale, die Rayons I und II wurden in Vierziger-Bogen gedruckt. Aus Bern versandt wurden sie jedoch in halben Bogen, mit Ausnahme der ersten Lieferung der 2½ Rp-Marken. Aus diesem Grund kommen bei den Rayons nie (mit Ausnahme des Mirabaud-Bogenteils im Postmuseum) Einheiten vor, die über die Bogenmitte geschnitten sind. Anders bei den 2½ Rp. Dort erfolgte der erste Aussand im Frühjahr 1850 in ganzen Bogen und deshalb gibt es einige wenige Einheiten.
Letztes Quartal 1850 (?), Frauenfeld-Diessenhofen, Drucksachennachnahme im 1. Briefkreis, Porto 2½ + 5 = 7½ Rappen, Poste Locale Typen 28-M-29-30.
72. Februar 1851, Frauenfeld- Weinfelden, Porto wie oben, Ortspost Typen 35-36-M-37.
Von den beiden früheren Fahrten der «Ocean Linie», ab New York am 13.8. und 10.9. sind keine Belege bekannt. In Bremen mit rotem Bruchzahlenstempel «4'/2/2 Sgr. AMERICA/üBER/BREMEN» (VdL Nr. 3266) gestempelt. Die Gesamtgebühr wurde irrtümlich als «9'/2» Silbergroschen notiert, durchgestrichen und berichtigt mit «6'A» Sgr., schliesslich wurde der Betrag als «6 5/10» Neugroschen vermerkt, alles in blauer Tinte. Die Weiterbeförderung ab Bremen über die Bahnposten l und 7, mit rückseitigen Streckenstempeln: MINDEN/BERLIN vom 9.10., MAGDEB:/LEIPZIG, LEIPZIG DRESDEN und CHEMNITZ-RIESA, vom 10.10.
Ein sehr frühes Datum des 14 CentsStempels von New York finden wir in Abb. 3 auf einem Brief aus New York vom 8.10.1853 nach Limbach. Er hat den Verrechnungsstempel «14/ OCT/ 8/ N. YORK U.S. PKT». Bei Winter unter der Nummer 153 erst ab 28.1.1854 notiert. Befördert mit der «Washington» der Ocean Linie, in Bremen mit rotem Bruchzahlenstempel «4½ 2 Sgr. AMERICA/ ÜBER/ BREMEN» gestempelt. Dies war die zweite Reise nach dem 1853er Zusatzvertrag. Die Gesamtgebühr wurde als «65/10» Neugroschen in Rotstift vermerkt. Die Weiterbeförderung ab Bremen über die Bahnposten lund 7, mit rückseitigen Streckenstempeln MINDEN/BERLIN vom 25.10., LEIPZIG DRESDEN und CHEMNITZ-RIESA, vom 26.10.
Im November 1858 wechselte Bremen die Stempelfarbe, statt rot wurde blau verwendet. Im Februar 1859 wurden die Bruchzahlenstempel von Doppelkreisstempeln abgelöst. In dieser Zwischenzeit gab es nur drei Postschiffsladungen aus New York. Das erklärt die Seltenheit der blauen Bruchzahlenstempel, von denen bisher nur vier Verwendungen in drei Typen bekannt sind. Einer der vier bekannten Belege mit blauem Eingangsstempel «4½/2 Sgr. AMERICA/üBER/BREMEN», ist in der Abbildung 4 auf Brief aus New York vom 20.11.1858 nach Limbach zu sehen. Er wurde befördert mit der «New York» der Norddeutschen Lloyd, mit Verrechnungsstempel «3 /NOV 20/1858/ N. YORK BREM. PK». Bei Winter unter der Nummer 52 am 11.9.1858 registriert. Dieser Stempel wurde notwendig, weil das den USA zu vergütende Inlandsporto im September 1858 von fünf auf drei US Cents gesenkt wurde. Ankunft in Bremen am 5.12.1858, in Limbach wurde die Gesamtgebühr von «65/10» Neugroschen (in blauer Tinte) erhoben.
1863 erschien in Bremen eine neue Type Taxstempel mit grossen Ziffern. Die Fremd- und Vereinsgebühr wurden in einer Zahl zusammengefasst, dies ergab für das Groschengebiet «6½». Der Stempel wurde entweder zusammen mit dem Doppelkreisstempel «AMERIKA/ über Bremen» ohne Taxzahl, oder mit dem Zweizeiler «AUS AMERICA/ ÜBER BREMEN» verwendet.
Ein Frühdatum dieses Stempels zeigt die Abbildung 5, auf unfrankiertem Brief aus New York vom 24.4.1863, befördert mit der «Bremen» der Norddeutschen Lloyd, mit Verrechnungsstempel «3/ APR/25/ N. YORK BREM. PK». Nach der Ankunft in Bremen am 9.5.1863 mit Doppelkreisstempel «AMERIKA/ über Bremen.» (Rundumschrift mit blanko Mittelstück) und mit Gebührenstempel «6V2» (VdL Nr. 3079) gestempelt (beide in blau). In Limbach wurde im Bremer Stempel der Zusatz «½» mit «5/10» (10 Neupfennige statt 12 in Groschen) mit Blaustift überschrieben.
Hamburg hatte sich seit 1856 dem Bremischen Vertrag mit den USA angeschlossen und hatte daher dieselben Gebührensätze. Nachdem 1862 ein kleiner Taxstempel verwendet wurde, kam 1863 ein in der Grosse ähnlicher Stempel wie in Bremen («6½») in Gebrauch.
So auf Brief aus New York vom 18.1.1867 (Abbildung 6), befördert mit der «Saxonia» der HAPAG, mit Verrechnungsstempel «3/JAN/19/ N. YORK HAMB. PKT». Ankunft in Hamburg am 2.2.1867, mit Gebührenstempel «6½» (VdL Nr. 3098),rückseitig der Doppelkreisstempel HAMBURG ST.P./ 2.2167/5-6 N» vom Hamburger Stadtpostamt, beide in blau.
Auch in Aachen wurden ab 1865 grosse Taxzifferstempel verwendet. Da für unfrankierte Briefe aus den USA mit der geschlossenen preussischen Post die Gebührensenkung von 1861 um einen Silbergroschen nicht berücksichtigt wurde, gab es einen Taxstempel «13» für die zu zahlende Gebühr von 13 Silbergroschen.
Der unfrankierte Brief aus New York vom 10.5.1865 (Abbildung 7) ist dafür ein Beispiel. Er wurde mit Verrechnungsstempel «237 M AR/ ll/ NEW YORK AM. PKT», mit der «New York» der Norddeutschen Lloyd über Southampton (23.3.) nach Aachen befördert. Dort wurde der Taxstempel «13» (VdL Nr. 3145, erst ab 1867 registriert)sowie rückseitig der Doppelkreis «AACHEN/ 24/3», beide in blau, aufgesetzt. Von diesen 13 Silbergroschen entfielen zwei auf den Postverein und 11 Sgr. (= 23 Cents) auf die USA.
Einen dritten, etwas umständlichen Korrespondenzweg nach Sachsen gab es über Frankreich. Das Porto für Briefe aus USA nach Preussen (und die Postvereinsländer) über Frankreich betrug 21 Cents nach dem Postvertrag USA - Frankreich vom 1.4.1857. Davon wurden je nach Schiffsbeförderung drei, sechs oder neun Cents den USA vergütet.
Der bis jetzt einzig bekannte unfrankierte Brief (Abbildung 8) über diese Route aus New Orleans vom 27.11.1862 hat den Aufgabestempel «NEW ORLEANS/ NOV/ 2911862/ LA» (Doppelkreis)und handschriftlich «21» (Cents). Befördert über New York, mit Verrechnungsstempel «NEW 9 YORK/DEC/13» per «Saxonia» der HAPAG, am 25.12. in Southampton, weiter über Calais und Paris, dort mit rotem Eingangsstempel «ETATS-UNIS/ 267 DEC./621 3 SERV. AM. CALAIS» (Salles Nr. 1783) und mit Verrechnungsstempel «F. l 38» (VdL Nr. 1173) versehen, weiter über Aachen mit rotem Eingangsstempel «AUS FRANKREICH PER AACHEN/ 267 127 3» (VdL Nr. 259). Die Abrechnung zwischen Frankreich und Preussen verlief nach dem Vertrag vom 1.7.1858. Laut Artikel 38 wurden von Preussen je 7'/2 Gramm Briefgewicht 6 Silbergroschen und 9 Pfennige vergütet. Mit 3 Silbergroschen preussischem Inlandsporto ergibt das aufgerundet «10» Neugroschen, in Blaustift notiert.
Quellen und Literatur
Vorlagen: Fa. Sellschopp, Hamburg. Herbert Rittmann: «Deutsche Geldgeschichte 1484 - 1914», Battenberg George Kargest: «History of Letter Post Communication between the United States and Europe» Walter Hubbard & Richard Winter: «North Atlantic Sailings 1840 - 75» Raymond Salles: «La Poste Maritime Francaise», Tome VIII James Van der Linden: «Catalogue des Marques de Passage», Soluphil 1993 James Van der Linden: «Transatlantische Postverbindungen», DASV-Heft 91, 1988.