Die Luftpostverbindungen von der Schweiz nach Brit. Ostafrika im 2. Weltkrieg
Ab Januar 1940 wurde der Abflug von Brindisi auf Freitag (nur bis Nairobi) und Montag (bis Kapstadt) verlegt. Die PTT gaben ab März 1940 bekannt «Die Flüge verkehren in letzter Zeit sehr unregelmässig».
Am 1. Mai 1940 erschien in den Publikationen der PTT ein neuer Flugplan. Abflüge von Brindisi wieder Donnerstag und Sonntag, die beide bis Südafrika führten, wobei aber nur bis Durban geflogen wurde. Dieser Flugplan blieb bis zum Eintritt Italiens in den Krieg (10.6.1940) erhalten, danach wurde der Betrieb auf der ganzen Linie eingestellt; der gesamte Postverkehr Schweiz-Britisch Ostafrika, See- und Luftweg, war damit unterbrochen. Im August 1940 wiesen die PTT darauf hin, dass Briefpostsendungen für Britisch Ostafrika auf dem Bahn- und Seeweg über Lissabon nach England und «weiter mit nächster Gelegenheit» befördert werden könnten. Ab September konnte die Fluglinie Lissabon-England benutzt werden, wobei eine erhöhte Zuschlagstaxe von 30 Rp für je 20g galt. Ab 1. Oktober entfiel der Seeweg über England bereits wieder; dafür erfolgte die Beförderung von Lissabon per Schiff nach der portugiesischen Kolonie Mosambik und ab Louren£o Marques «weiter mit nächster Gelegenheit»
Ab November 1940 gaben die PTT einen neuen Luftweg bekannt: mit der Air France von Marseille nach Brazzaville, und ab Leopoldville «Flüge nach Südafrika, Britisch- und Port.-Ostafrika und Ägypten». Der Flugzuschlag betrug 50 Rp für je 5g für Briefe und für je 25g für Drucksachen. Abflüge jede Woche samstags, Zuleitung mit der Bahn ab Genf nach Marseille. Lange währte diese Möglichkeit jedoch nicht, denn bereits im Dezember-Flugplan ging die Linie der Air France nur noch bis Zinder in Niger. Wieder war der Luftpostverkehr mit Britisch Ostafrika unterbrochen und blieb es bis Ende April 1941.
Im Mai 1941 gaben die PTT eine neue Luftpostverbindung nach Brit. Ostafrika bekannt: auf dem Umweg über Nordamerika und Asien. Der Zuschlag erhöhte sich damit auf Fr. 2.10 für je 5g. Sammelstelle für Sendungen nach britischen Gebieten blieb Genf 1. Beförderung erfolgte zunächst mit der Bahn bis Lissabon, ab 1. Juli bis Barcelona, von da mit der Ala Littoria oder Iberia nach Lissabon und mit der Transatlantiklinie der Pan American Airways über die Azoren und Bermuda nach New York. Nach San Francisco gab es dreimal täglich Flüge, von da einmal wöchentlich mit der Trans-Pacific-Linie der Pan American Airways bis nach Singapore und über Karachi-Baghdad-CairoKhartum nach Nairobi. Eine Beförderungsdauer wurde von der PTT nicht angegeben! Abb. l zeigt einen Brief vom 29.IX.41, der noch auf diesem Wege befördert wurde. Frankatur 30 Rp + 210 Rp Flugzuschlag war für diesen Weg korrekt. Zensur-Stempel «PASSED BY / CENSOR 292 / A» und -Streifen sind zweifellos britisch, aber von wo? Wer kann hier helfen? (Im Wolter-Katalog nicht gefunden). Der Brief hat einen Ankunftstempel von Turbo vom 24. November, er war also 57 Tage unterwegs.
Im September 1941 ging es von New York nicht mehr in westlicher Richtung weiter, sondern mit dem Schiff nach Kapstadt und mit Flug von Johannesburg nach Nairobi. Der Zuschlag betrug nur noch 90 Rp für je 5g, und die Beförderungsdauer wurde mit 36 bis 43 Tagen angegeben. Diese Verbindung über New York wurde aber schon im Oktober 1941 aufgegeben. Es ging nun direkt (von Genua?) per Schiff nach Johannesburg und weiter mit der Fluglinie nach Nairobi; Sammelstelle war Basel 2, Zuschlag im Oktober noch 20 Rp, ab November 40 Rp für je 5g. Die Beförderungsdauer ermässigte sich etwas auf 35-40 Tage.
1942: ab Januar ging es weiterhin über New York, aber dann weiter mit der PAA von Miami nach Leopoldville (via Porto Rico-Trinidad-Belem-NatalBathurst-Lagos) und mit einem Anschlussflug nach Johannesburg-Nairobi. Die Beförderungszeit betrug gemäss PTT nur noch 22 bis 26 Tage, aber der Zuschlag war nun Fr. 1.50 für je 5g. Sammelstelle war wieder Genf 1. Die kriegswichtige Linie von USA nach Afrika (F.A.M. 22) war anfangs Dezember 1941 auf Verlangen von Präsident Roosevelt eröffnet worden und erhielt später Anschluss durch die BOAC bis nach Britisch Indien. Diese Flugpostverbindung Schweiz-Britisch Ostafrika konnte während des ganzen Jahres 1942 beibehalten werden.
1943: im Januar hiess es kurz und bündig «Verkehr zur Zeit eingestellt». Der Grund war, dass die direkte Verbindung Genf-Lissabon nicht mehr möglich war. Ab 1. Februar wurde dann der Umweg über Deutschland angeordnet, also Zürich - Stuttgart - Lissabon - New York - Leopoldville. Sammelstelle war Basel 2. Der Zuschlag blieb unverändert. Angaben der PTT über Laufzeiten entfielen in den Publikationen. Nachdem im Mai dieses Jahres die Kämpfe in Nordafrika mit einem Sieg der Alliierten zu Ende gegangen waren, war der direkte Weg Europa-Afrika wieder offen. Es dauerte aber noch bis Oktober, als die PTT für Luftpostsendungen nach Britisch Ostafrika folgenden Weg bekanntgaben: Zürich - Stuttgart (Swissair), Stuttgart-Madrid (Lufthansa), Casablanca-Dakar-Brazzaville, Leopoldville-JohannesburgNairobi. Der Zuschlag von Fr. 1.50 für je 5g blieb im Oktober noch bestehen, wurde aber ab November auf Fr. 1.00 für je 5g Briefe und für je 25g Drucksachen herabgesetzt.
1944: Zunächst blieb die Verbindung des Vorjahres bestehen. Die LufthansaLinie wurde nur noch bis Barcelona benutzt (ab Juni bis Madrid), weil es von da einen Anschlussflug nach Tanger gab. Abb. 2 zeigt einen richtig mit Fr. 1.60 frankierten R-Brief vom 24.1.44, Transitstempel: Leopoldville 22.2.44, Bulawayo 28.2.44, Ankunftstempel Turbo 6.3.44, Laufzeit somit 43 Tage. Der Brief wurde aber nicht in Deutschland, sondern erst in Kenya (?) zensuriert. Abb. 3 ist ein ähnlicher Brief, aber nicht eingeschrieben. Laufzeit vom 1.5.44 bis 5.7.44 = 66 Tage. Dieser Brief wurde in Berlin und in Kenya geprüft.
Am 17. August kam das «Aus» für die Swissair-Linie nach Stuttgart (die DC-3 fiel in Stuttgart einem Bombenangriff zum Opfer), die Post ging nun per Bahn nach Stuttgart oder Berlin. Am 23. August gaben die PTT bekannt, dass auch die Lufthansa ihre Flüge nach Spanien eingestellt hatte, aber eine Woche später hiess es, dass die Flüge dennoch, aber unregelmässig, stattfänden. Am 14. Oktober erschien eine Sonderausgabe der «Postverbindungen mit dem Ausland», die Lufthansa-Linie wurde nun nicht mehr benutzt, da die PTT einen Lastwagendienst nach Port Bou an der französisch-spanischen Grenze für die Postbeförderung nach Spanien und Portugal eingerichtet hatten. Der Lastwagendienst musste jedoch nach zehn Tagen wieder eingestellt werden (Information PTT vom 24.10.44), vorläufig gab es keine Verbindung zu den Fluglinien ab Madrid und Lissabon, es sei denn über Deutschland auf ausdrückliches Verlangen des Absenders. Erst ab 11. Dezember war es möglich, Luftpostbriefsendungen für Britisch Ostafrika über England zu leiten, das mit Bahn und Schiff erreicht wurde. Der Flugzuschlag blieb unverändert; auch die Sammelstelle Basel 2. Auf ausdrückliches Verlangen des Absenders konnte auch der Luftweg über Berlin-Stockholm nach England gewählt werden. Abb. 4 zeigt einen solchen Brief, der für 10g richtig frankiert ist. Deutsche und britische Zensur, Laufzeit vom 5.12.44. bis 1.4.45 = 118 Tage! Ein anderer Brief vom 6.12.45, Abb. 5, wurde über Dieppe auf dem gewöhnlichen Weg nach England befördert, erhielt dort den roten ovalen O.A.T.-Stempel (Onward Air Transmission) und traf am 5.3.45 in Turbo ein, Laufzeit somit «nur» 90 Tage.
1945: die Leitung über England blieb auch nach Kriegsende bestehen, jedoch konnte mit Eröffnung der Fluglinien Paris-London, Zürich-London und Genf-London die Laufzeit nach England beschleunigt werden. Von England erfolgte Schiffsbeförderung bis Ägypten, von da Flugbeförderung. Der FluZuschlag von l Fr für je 5g änderte sich jedoch nicht
Die vorstehende Auflistung zeigt deutlich, wie sich die Beförderungswege den aktuellen Kriegsereignissen, die sich ja immer wieder änderten, anpassen mussten.
. Für die PTT, die als Postbehörde eines neutralen Landes die Postbezihungen mit allen Ländern aufrecht ehalten musste, war dies gewiss keine leicht Aufgabe