Union Postale Allemande: Die Auslandsverbindungen des Deutsch-österreichischen Postvereins (II)
Im Vertrag zwischen Bremen und den Vereinigten Staaten waren bei der Vorauszahlung der Briefgebühr zwei Möglichkeiten vorgesehen, entweder voll bezahlt, d.h. bis zum Bestimmungsort, oder Teilzahlung bis Bremen. Im letzteren Fall war die Postvereinsgebühr vom Empfänger zu entrichten. Dieses Vereinsporto wurde auf Briefen nach dem süddeutschen Raum (Kreuzergebiet) von Hannover mit 9 Kreuzern vermerkt, handschriftlich bzw. mit Stempel «9» (Abb. la). Diese Briefe waren für das Hannoversche Amt deutlich erkennbar, weil sie in New York mit «PAID PART» (Teilzahlung) gestempelt wurden.
Beim Frankobrief wurde die Gebühr in den Staaten entrichtet. Amerika behielt das Inlandsporto und vergütete die Fremd- inklusive Vereinsgebühr. Nach der einheitlichen amerikanischen Gebühr von 20 Cents ab 1.7.1851 gab es für Briefe nach den deutschen Staaten verschiedene Porti, nach Sachsen und dem Thurn und Taxisgebiet 20 + 12 Cents, nach Oldenburg 20 + 2 Cents, nach Preussen, Braunschweig und Württemberg 20 + 7 Cents*1'. Es waren kurzlebige Portosätze, weil am 15.8.1853 ein Zusatzvertrag eine neue Gebührensenkung brachte. In dieser kurzen Zwischenperiode finden wir auf Briefen nach Württemberg einen roten Frankostempel «Fr. 25/12.» (Abb. Ib) vom Hannoverschen Postamt in Bremen, die Gutschrift des Vereinsportos von 3 Sgr. in Gutegroschen*2*.
Die Abb. 2 zeigt einen Brief aus Green Bay vom 10.5.1852 nach Württemberg, vorausbezahlt mit 32 Cents (nach dem 1851er Tarif hätten 27 Cents genügt!). In New York wurde die Gebühr mit rotem Langstempel PAID ALL bestätigt, der Brief am 22.5.1852 befördert (mit der Washington). In Bremen mit rotem «AMERICA/ÜBER BREMEN» gestempelt als Frankobrief ohne Wertbezeichnung (der Bremer Frankostempel erscheint erst 1854). Das Hannoversche Postamt in Bremen setzte in einer kräftig roten Farbe den Vereinsporto-Stempel «Fr. 2 5/12» auf. In Hannover wurde die Verrechnung mit dem Taxispostamt bei der Weiterbeförderung mit «3» Silbergroschen in roter Tinte vermerkt, dies wiederum in brauner, Tinte mit «7» Kreuzer. Der Stempel liegt wegen der kurzen Laufzeit nur in ca. 4 Exemplaren vor, alles auf Belegen nach Württemberg.
Ende 1852 wurde ein neuer Stempel «Fr.3.» (Abb. Ic), diesmal in Silbergroschen-Währung, verwendet. Er wurde bisher in drei Farben vorgefunden: schwarz (ab 1852), rot und blau (ab 1853).

Der schwarze Abschlag kommt am häufigsten vor und stammt von der Bahnpost Nr. 8, Deutz-Minden. Abbildung 3 zeigt einen Brief mit dem frühesten bekannten Abschlag dieses Stempels, aus New York vom 14.8.1852 vorausbezahlt mit «27» Cents, bestätigt mit Langstempel PAID ALL mit danebengesetztem Verrechnungsstempel «7» (7 Cents Fremdporto an Bremen), mit der «Hermann» der Ocean Linie nach Bremen^3), dort mit rotem «AMERICA/ÜBER BREMEN» gestempelt als Frankobrief ohne Wertbezeichnung (wie der vorige Brief). Mit der Bahnpost Deutz-Minden befördert, wo der schwarze «Fr. 3.» (als Weiterfranko von 3 Silbergroschen) gestempelt wurde.
Der Zusatzvertrag vom l .8.1853 kam unter Druck zustande, verursacht durch den Preussisch-Amerikanischen Vertrag von 1852, die «Prussian Ciosed Mail», welche ernsthafte Konkurrenz für Korrespondenzen nach den Deutschen Staaten darstellte, mit der schnelleren Verbindung über England und Belgien.
Nach diesem Vertrag senkten einige deutsche Staaten die Vereinsgebühr auf 2 Silbergroschen = 5 Cents. Hierfür verwendete Bremen einen neuen Stempel «Fr. 2.» in blau (Abb. Id). Von diesem Stempel ist nur ein Abschlag auf Brief von San Francisco nach Herford bekannt.
Die «Fr. l »-Stempel wurden weiter verwendet auf Korrespondenz nach den deutschen Staaten, welche das volle Vereinsporto beibehielten, so z.B. Württemberg. Es wurde weiterhin in der preussischen Bahnpost in schwarz gestempelt. Es kommen aber auch einige wenige Abschläge in rot und blau vor (vermutlich aus den Postämtern Bremen und Hannover).
1) Charles J. Starnes: «United States Letter Rates to Foreign Destinations», S. 67
2) Werner Steven: «Zusammenstellung der Portosätze für die Korrespondenz mit dem Ausland», S. 80
3) Richard Winter: North Atlantic Mail Sailings 1840-75»
Vorlagen: Sammlung G.M., Bremen; Referenzkartei.