Union Postale Allemande (III) : Die Auslandsverbindungen des Deutsch-österreichischen Postvereins

Nach dem neuen Vertrag, der am 15.8. 1853 in Kraft trat, wurden für die aus Bremen abgehenden unbezahlten Briefe neue Stempel geschaffen. Diese Stempel, in Bruchform, entsprachen der Dollarwährung und wurden im Bremer Stadtpostamt angebracht. Der Zähler stand für das Vereinsporto, mit drei verschiedenen Beträgen: 5 Cents für die Länder, welche das Vereinsporto auf 2 Silbergroschen (= 5 Cents) ermässigt hatten (Abb. 1). Vom Stempel 5/10 gibt es vier verschiedene Typen, von 1856 bis 1865 in blauer Farbe') vom hannoverischen Postamt bekannt (Abb. 2). 7 Cents (= 3 Sgr.) galt für die restlichen Vereinsländer mit unverändertem Vereinsporto (Abb. 3, Thurn & Taxis, Baden und Württemberg). Für Oldenburg gab es eine Sonderregelung, weil für dieses Land nur ein Groschen = 3 Cents Vereinsporto fällig war (Abb. 4). Die wenigen bekannten Briefe aus Oldenburg haben den Vermerk 3/10 meist handschriftlich, mit Taxzifferstempel ist nur ein Brief bekannt.
Der Nenner stand für das internationale Porto: 10 Cents (4'/2 Silbergroschen), 5 für USA, 4 Seeporto und l für Bremen. Für die «restlichen» Vereinsländer kamen noch 5 Cents Weiterfranko hinzu: 15  2

Der Brief in Abbildung 5 wurde am 2.6.1864 in Brake aufgegeben und mit rückseitigen Stempeln «OLDENBURG» und «BREMEN» versehen (beide vom 2.6.), alsdann mit der «Hansa» der Norddeutschen Lloyd am 7.6. nach New York befördert. In Bremen wurden handschriftlich «3/10» notiert, 3 Cents Vereinsgebühr und 10 Cents Fremdgebühr. In New York wurde dieser vom Empfänger zu entrichtende Betrag mit Taxstempel «13» (Cents) bestätigt. Da die Dollarwährung in Banknoten nicht genau dem Goldwert entsprach, wurde der Umwechslungskurs der Noten zum Goldwert täglich festgelegt4). Der Umrechnungsfaktor war am 23. Juni 1864 auf seinen höchsten Stand geklettert und lag bei «2»5). New York gab den alternativen Portobetrag mit dem Stempel «US.NOTES/26» an.
Der einzig bekannte Brief mit dem «3/10»-Stempel vom Stadtpostamt Bremen (Abb. 6) wurde in Brake am 22.3.1867 nach New Orleans aufgegeben, rückseitig mit OLDENBURG (22.3.) und BREMEN (23.3.). Am 30.3. mit der «Deutschland» der Norddeutschen Lloyd (erste Samstag-Abfahrt) nach New York, dort am 9. April mit dem Landungsstempel «N.Y. AMPKT/13/APR/ 9/OR U.S.-°-NOTES» (bisher nur dieses Exemplar registriert!) versehen. Der Umwechslungskurs lag bei «1.30». Die unfrankiert eingehende Korrespondenz wurde ebenfalls mit Bruchstempeln versehen. Diese hatten im Nenner den Vereinsportobetrag in der jeweiligen Landeswährung mit dem Zusatz «AMERICA/ÜBER BREMEN». So gibt es Stempel für Länder mit der Silbergroschen-Währung «4'/2/2» (Preussen usw., zwei verschiedene Typen, Abb. 7, 8), Kreuzer Rheinisch «16/6» für Vereinsländer mit ermässigtem Vereinsporto (Abb. 9), Kreuzer Rheinisch «24/9» für die «restlichen Vereinsländer» ohne VereinsportoSenkung (zwei Typen, Abb. 10, 11), und Kreuzer Courant M. «13/6» (Österreich, Abb. 12). Von dieser Serie sind für Doppelbriefe folgende Stempel bekannt: «9/4» Silbergroschen und «48/18» süddeutsche Kreuzer (Abb. 14).


Der in Abbildung 13 gezeigte Doppelbrief aus New York nach Muskau (Preussen) wurde am 4.10.1856 mit der «Washington» der «Ocean» Linie befördert. Die «Asia» der Cunard war schon am 1.10. abgefahren. Mit New Yorker Verrechnungsstempel 2x 9 = «18» Cents US Packet (5 Cents US Inland + 4 Cents Seeporto) an Amerika zu vergüten.
Mit dem Bremenanteil von 2 x l Cents ergibt dies 20 Cents = 9 Silbergroschen, in roter Kreide notiert. Das Gesamtporto von «13» Sgr. (in blauer Tinte notiert) war vom Empfänger zu entrichten.
1857 wurde zwischen den Vereinigten Staaten und Hamburg ein Postvertrag abgeschlossen (in Kraft am 1. Juli), der nach Aussage des amerikanischen Postmasters, Aaron Brown, dem Bremer Vertrag sehr ähnelte, unter Anwendung der Bremer Portogebühren. Da Hamburg in diesem Vertrag als Grenzpostamt fungiert, gab es ähnliche Stempel wie in Bremen, in Bruchform, mit dem Vereinsporto im Nenner. Es sind bisher aber nur zwei Stempel bekannt für Briefe aus Ländern mit dem ermässigten Vereinsporto: 5/10 (Abb. 15) und für den Doppelbrief 10/20 (Abb. 16), ein Stempel der für Bremen unbekannt ist.

1852 wurde zwischen Preussen und den USA ein Vertrag geschlossen, der unter dem Namen «Prussian Ciosed Mail» (PCM) in der Postgeschichte sehr bekannt ist. Da Preussen diesen Vertrag im Namen aller deutschen Staaten abgeschlossen hatte, fungierte Aachen bzw. die Bahnpost 10 (Köln-Verviers) als Grenzpostamt zur Verrechnung der Vereinsgebühr. Die in Aachen benutzten Stempel bezogen sich bei der ausgehenden unbezahlten Korrespondenz ausschliesslich auf die von den USA zu erstattende Vereinsgebühr. Auf die von Preussen vermittelten Briefe aus dem Ausland wurde der Auslage-Betrag dem Vereinsporto hinzugefügt. Einen solchen «Gesamtbetrag» kennen wir als «8 Cts.»-Stempel (Abb. 17) nur auf Briefen aus Dänemark, 5 Cents (= 2 Silbergroschen) + 3 Cents fremdes (dänisches) Porto. Für Briefe nach den Vereinsländern gab es Stempel zu «5» und «10» Cents (Abb. 18, 19) für Einfach- resp. Doppelbriefe. Bei Briefen in höheren Gewichtsstufen, sowie solche aus dem Ausland gab es im Stempel handschriftliche Notierungen. Die Liste reicht von 12 (5 + 7, Polen und Russland) bis zu 23 (5 + 18, Norwegen) Cents.
Abbildung 20 zeigt einen unfrankierten Brief der vierten Gewichtsklasse aus Hamburg nach New York (aus dem «Lanman & Kemp»-Archiv), links oben handschriftlich «4». Vereinsporto, 4x 2 = 8 Silbergroschen, rechts oben in Blaustift notiert. Befördert über Aachen, dort wurde handschriftlich neben dem «stummen» «AACHEN/ Cts.»-Stempel die von New York zu vergütenden «20» Cents (4 x 5) handschriftlich eingetragen. Die in New York zu zahlende Gesamtgebühr betrug 4 x 30 = 120 Cents, in der Mitte oben in Tinte notiert.

1) «Bremen Listing», Richard Winter
2) Transatlantische Postverbindungen USA-EUROPA», DASV, Heft 91, 1988
3) Die Nummern in Klammern beziehen sich auf den «Catalogue des Marques de Passage, 1993, addendum 1997, Soluphil, Luxemburg.
4) Michael Krug: «Unzureichend frankierte Briefe auf den Transatlantik-Routen Deutschland-USA 1872-1875», Postgeschichte Nr. 57, 1994, S. 11
5) Charles Starnes «United States Letter Rates», Hartmann 1989, S. 71.
6) Vorlagen: Abb. 5, 6 und 13 Sammlung G.M., Bremen.