Der kleine Schweizer Transit Teil II
In der Postgeschichte Nr. 73 ging ich auf die Behandlung der geschlossenen Briefpakete des DÖPV durch die Schweiz ein. Als Ergebnis davon bekam ich die Kopien mehrerer Briefe aus Bayern, welche mit 9 Kr. frankiert waren und allen Anschein nach über die Schweiz liefen. Ich will heute zwei davon abbilden und versuchen, eine tragfähige Theorie dazu zu liefern.
Beide Briefe sind vor dem 1.10.1852 nach Chiasso in die Lombardei gelaufen. Demzufolge müßten eigentlich alten die Vertragverhältnisse gültig gewesen sein, doch die fanden in keinster Weise Anwendung. Aber schauen wir uns doch beide Briefe genauer an. Der erste Brief (Abb. l a und b) stammt aus Memmingen und wurde am 3. März auf die Reise geschickt.
Er trägt links unten den Vermerk über Chur undfrey. Der Absender hatte sich also etwas dabei gedacht als er diesen Leitweg angab. Wie aus der Rückseite zu ersehen ist wurde der Brief jedoch zuerst auf Füssen instradiert dem Grenzpostamt nach Tirol (Fingerhutstempel). Der dortige Postbeamte schickte den Brief jedoch wieder Richtung Westen so dass er über Feldkirch nach Chiavenna gelangte. Der zweite Brief (Abb. 2) ging vonAugsburg am 14. Juli ab und erreichte Chiavenna bereits am 16. Juli, wie der Ankunftsstempel beweist und er trägt ebenfalls den Durchgangsstempel von Feldkirch. Sowohl von der Abstempelung als auch von der Laufzeit kann man davon ausgehen,dass die Briefe über Graubünden gelaufen sind. Was allerdings fehlt sind alle Anzeichen einer Behandlung der Briefe durch die eidgenössische Post. Was wiederum den Schluss nahelegt, dass beide Briefe in einem geschlossenen Paket durch die Schweiz gelaufen sind. Guter Rat war teuer und in den bayerischen Verordnungsblätter konnte ich nichts finden, was auf diesen Leitweg verwiesen hätte.
Die Rettung kam aus Österreich in Form des Postvertrages zwischen Österreich und der Eidgenossenschaft 1849. Darin wird ein geschlossener Transit über Lindau nach Mailand über die Grenzpostämter Feldkirch und Chiavenna eingerichtet. Die Transitgebühren wurden geteilt. Für die Strecke Feldkirch - Chur erhob Österreich 2 Kr. und für Chur - Chiavenna die Schweiz 2 Kr. Aber wie kam Österreich nun zu seinem Geld? Die Schweiz wird ja auf seiner Transitgebühr bestanden haben.
Da beide Briefe keinen N ach tax vermerk haben, bekam Österreich offensichtlich nichts. Die Überlegung dabei war wohl folgende: würde der Brief nicht über die Schweiz laufen, sondern den normalen Weg auf dem Postvereinsgebiet nehmen, wäre es doch teuerer als über die Schweiz mit 2 Kr. Transitgebühr pro Loth.
Vielleicht finden sich noch Quellen, die diese Verfahrensweise eindeutig belegen. Bis dahin jedoch lässt das Briefmaterial nur wenig Interpretationsspielraum.
Quellen: DÖPV Vertrag 1850, revidierter Postvereinsvertrag 1851, PV Österreich Schweiz 1849