SCADTA- Briefe aus Österreich

Die Sammler von SCADTA- Briefen haben Glück. Ihr Sammelgebiet besteht fast ausschliesslich aus Bedarfsbriefen. Nur ganz vereinzelt haben damals Sammler philatelistische Briefe geschaffen. Die Jurorenhaben ihre Freude daran, und „Gold" ist den Ausstellern ziemlich sicher, wenn es sich um ein einigermassen gutes Exponat handelt. Zugegeben, diese SCADTA-Briefe sind in der Tat selten, und man muss schon viel Geduld aufbringen, um eine Sammlung zusammenstellen zu können.
Besonders interessant (und beliebt) sind Briefe, die in europäischen Ländern aufgegeben wurden und mit den SCADTA-Marken mit Länderaufdruck frankiert sind. Die Aufdrucke, zunächst (1923) in Kolumbien von Hand hergestellt, sollten Währungsspekulationen vermeiden helfen und dienten auch zu statistischen Zwecken. Belege mit diesen Handaufdrucken sind äusserst selten. Dann, 1924, wurden die Länder-Bezeichnungen in Berlin maschinell aufgedruckt und den Konsulaten und Agenturen in Amerika und Europa geliefert. Die Korrespondenten konnten sich dort die SCADTA-Flugpostmarken in der Währung ihres Landes beschaffen. Dieses Verfahren wurde durch gegenseitige Abkommen mit den verschiedenen Postverwaltungen abgelöst, die vereinbarten, dass auch die Flugposttaxe mit Marken des betreffenden Landes entrichtet werden konnte. In Österreich trat diese Bestimmung am 1. Juni 1929 in Kraft; es wurden aber auch weiterhin Frankaturen toleriert, die für die Flugposttaxe SCADTA-Marken aufwiesen.
Österreich war eines der Länder, die SCAD TA-Marken mit Aufdruck verwendeten. Der (maschinelle) Aufdruck mit Buchstabe „A", der wohl für „Austria" stehen könnte, was aber nicht der Fall ist. Dieses „A" steht für „Alemania", und die Marken konnten zunächst nur bei der SCADTA-Vertretung in Berlin, ab 1925 auch in Wien, bezogen werden. Belege aus Österreich mit dem Hand -Aufdruck „A" sind mir nicht bekannt. Dagegen wurde mir ein Brief vom Febr. 1922 gemeldet, der mit einer SCAD- TA-Marke von 1821 frankiert ist. Der Brief muss von einem „Insider" stammen, denn er ist an einen der Gründer der SCADTA, Dr. Peter von Bauer, gerichtet (Abb.l). Weitere interessante Belege aus Österreich zeigen die folgenden Abbildungen.

Abb.l

Der Brief muss zwischen 20 und 40 Gramm gewogen haben, dann ist er mit 37 ½ Kronen richtig frankiert.

£/«e Drucksache vom März 1925, mit 800 Kronen noch zum Vor—Währungsreform-Tarif richtig frankiert (800 Kronen wurden am 1.3.25 zu 8 Groschen abgewertet; die Kronen-Marken waren noch bis 1.8.25 gültig).Die Flugposttaxe ist mit30centavos ebenfalls korrekt. (Für Drucksachen galt die halbe Brieftaxe).

Ein« R-Briefvom Dezember 1926. Österreichische Frankatur (40 Gr. Brief + 60 Gr. Einschreiben) ist richtig. Flugpottaxe ebenfalls richtg: 30 centavos + Einschreibmarke zu 20 centavos.

Die Scadta-Marken wurden nicht wie sonst üblich in Barranquilla, sondern in New York entwertet. Für die Flugpostbeförde- rung in Kolumbien bestimmte Sendungen wurden in Wien 101 (Westbahnhof) gesammelt und nach Hamburg geleitet, wo sie den Schiffen nach Barranquilla oder auch nach New York mitgegeben wurden.

Ein interessanter Brief aus Innsbruck vom Mai 1927 an ein Mitglied der Schweizer Militärmission in Kolumbien. Wohl deshalb mit einer in der Schweiz erworbenen SCADTA-Marke (Aufdruck „S" für Suiza) frankiert. Der Brief muss 60 gr. schwer gewesen sein, österreichische Taxe 40+24+24+88 Gr. + 60 Gr. Einschreiben gibt 148 Gr. Der Brief ist also richtig frankiert. Die Flugposttaxe war 3+30 = 90 cen- tavos + Einschreibmarke zu 20 centavos, gibt 110 centavos; es fehlen also 80 centavos, die der Taxvermerk dann auch angibt.

Ein Brief vom Juni 1928, mit 40 Gr. + 30 centavos richtig frankiert. Die SCADTAMarken wurden in New York entwertet, der Brief also auf dem Umweg über New York nach Barranquiüa befördert. Offenbar gelangte er auf diesem Weg früher nach Kolumbien, als wenn er auf den nächsten Dampfer gewartet hätte, der von Hamburg direkt nach Barranquilla fuhr.

Dieser Brief vom Juni/Juli 1929 bringt nichts Neues - ausser, dass die SCADTAMarken mit einem seltsamen Nummernstempel entwertet wurden, der sonst auf keinem Beleg bekannt ist. Er zeigt die Nummer 1405 im Oval. Vielleicht kann ein Leser der POSTGESCHICHTE helfen?

Ein eingeschriebener Brief vom Februar/März 1929. Österreichische Frankatur 40 Gr. Brief + 60 Gr.Einschreiben = 100 Gr., ist richtig; bei der Flugposttaxe fehlt die für Einschreibsendungen vorgeschriebene R-Marke zu 20 centavos, deshalb der Taxvermerk.

£/« Brief vom November 1928, also nach der Verfügung, dass für die Flugpostbeförderung in Kolumbien österreichische Wertzeichen zu verwenden waren. Wie schon erwähnt, wurden aber Frankaturen mit SCADTA-Marken weiterhin toleriert. Für diesen Brief wurden die neuen, am 1. Juni 1928 erschienenen sog. Gold-Dollar-Marken der SCADTA verwendet, die die Marken mit den Leander auf drucken ablösten. Im übrigen ist der Brief richtig frankiert: österreichische Taxe 40 + 60 Gr. Einschreiben, SCADTA: 30 centavos + 20 centavos für Einschreiben. Der Brief ist nach Ecuador adressiert; die SCADTA hatte ihren Flugdienst im Juli 1928 bis Guayaquil ausgedehnt.

Die Briefe aus Österreich mit SCADTAFrankaturen sind in dem neuen FlugpostHandbuch / Katalog von Österreich ausführlich behandelt und bewertet. Im Verlag Pollischansky, A-1140 Wien, ist das Buch mit dem Titel: „Die Flugpost von Österreich (Kaiserreich und Erste Republik)" im Februar 1998 erschienen für AST 590 (CHF 60) plus Porto.