Union Postale Allemande (V) „Aus dem Postverein"

Die Auslandsverbindungen des Deutsch- Österreichischen Postvereins.

Die Verrechnung der Vereinsgebühr mit dem Ausland wurde, wie wir schon früher gesehen haben, über die Grenzpostämter abgewickelt. Sie bezog sich hauptsächlich auf die Überseekorrespondenz mit den Vereinigten Staaten und wurde ab 1851(1) mittels Gebührenstempel, unter Aufteilung von Vereins- und Fremdgebühr, auf den Briefen ausgewiesen. Gleichlaufend zu dieser Handhabung gab es auch Stempel mit namentlichem Bezug auf den Postverein. Die erste Verwendung eines solchen Stempels kennen wir vom dänischen Oberpostamt in Hamburg und zwar, nach den bisher gefundenen Daten, zwischen 27.Juli und 26. Dezember 1851. Es war ein Kastenstempel mit der Inschrift "Aus dem / PostVerein" (Abb. l, Katalog Nr. 250). Die Abschläge sind nur in blauer Farbe, wie sie das dänischen Postamt verwendete, bekannt.

Die Begrenzung der Daten liegt im Zeitraum zwischen dem 1.5.1851, Zutritt der ThurnundTaxisschen Postverwaltung Hamburg zum Postverein, und dem 1.1.1852, Zutritt der freien und Hansestadt Hamburg.
Keiner der vorliegenden Belege aus Frankreich oder Belgien zeigt einen Transitstempel von Preussen, deshalb ist anzunehmen, dass die Briefe im direkten Kartenwechsel mit dem taxisschen OPA. Hamburg ausgewechselt wurden. Direkte Postverbindungen zwischen Belgien und Thurn und Taxis für Briefe nach den dänischen Staaten und den Gross- herzogtümer Mecklenburg - Schwerin und Strelitz sind belegt im Zirkular Nr. 33 der belgischen Postverwaltung vom 27.5.1851 (2). Daraus können wir entnehmen, dass für Briefsendungen aus Belgien und Frankreich durch den Postverein, das taxissche OPA. in Hamburg im Korrespondenzwechsel mit dem dänischen Postamt stand.
Der Brief in Abbildung 2 verdeutlicht die Portoberechnung für Briefe aus Frankreich. Aus Bordeaux nach Elseneur vom 13.9.1851 wurde er über das Taxisamt zum dänischen OPA. befördert. Dort mit dem blauen Rah- menstempel, "Aus dem / PostVerein" und rückseitigem Tagesstempel "KDOPA. HAMBURG/ 17/97 5-6" versehen.
Das Porto aus Frankreich inclusive Belgien betrug 3 !/2 Groschen. Weitere 3 Groschen Vereinsporto ergeben "6 'A" Silbergroschen, rückseitig in Tinte notiert. Das sind umgerechnet "9" Schilling (auf der Vorderseite in roter Kreide), vom dänischen an das Taxisamt zu vergüten: 5 Schilling französische Gebühr (3 V2 Sgr.) + 4 Schilling (3 Sgr.) Vereinsgebühr.
Hamburg war ein souveräner Staat und seine gesetzliche Währung war die Mark/ Schilling Währung im 34-Mark-Fuss (ab 1856 in 35-Mark-Fuss).

Zu den neun Schillingen Hamburger Währung kam noch das Porto von Hamburg nach Elseneur (Helsingör) von 4 Hamburger Schilling hinzu, zusammen 13 Schilling = 42 Skillinge dänische Reichsmünze, die der Empfänger zu zahlen hatte.

Abb.3
Belgien wechselte direkt mit dem Taxisamt in Hamburg aus. In der Abbildung 3 ein Brief aus Brüssel nach Kopenhagen mit Aufgabestempel vom 26.12.1851. Befördert zum Hamburger Taxisamt. Oben links ist das Gewicht mit"77" (Gramm) angegeben. Nach der belgischen Verordnung Nr. 44 vom 29.7.1851 wurde das Gewicht für den einfachen Brief auf 15 Gramm festgelegt. Für Briefe von und aus jeglichem Ort in Dänemark waren 40 Centimes zu vergüten. Zu den 40 Cts. oder 4 Decimes kamen 2 Decimes Inlandsgebühr (im zweiten Rayon), was von Belgien mit „6" in braune
Tinte notiert wurde. Diese 6 Dezimen sind umgerechnet 4 % Groschen, dazu kamen weitere 4 Groschen für die Strecke: belgische Grenze bis Hamburg. Das ergibt "8 % " Silbergroschen, rückseitig in Rotstift notiert. Das wiederum umgerechnet in "77" Schilling vom dänischen an das Taxisamt zu vergüten, wurde auf der Vorderseite in roter Kreide geschrieben. Weiterhin mit blauem Rahmenstempel "Aus dem / Post-Verein" (letzt bekanntes Datum), und rückseitigem Tagesstempel "KDOPA. HAMBURG/ 28/127 3- 4" versehen.
Elf Schillinge Hamburger Währung entsprachen 35 Skillinge dänische Reichsmünze. Dazu kam noch das Porto von Hamburg nach Kopenhagen von 13 Skillinge. Beide Zahlen sind in Bruchform, rückseitig als „35/13" in brauner Tinte in Kopenhagen notiert. Die Gesamtsumme von 48 dänische Skillinge wurde vorderseitig mit "3/T (3 Mark, 3x16 Skillinge) notiert, und nach Zahlung durchgestrichen

Abb. 4

Preussen wechselte seine Briefe nach Dänemark über das preussische Postamt in Hamburg aus. Dazu in Abbildung 4 ein Brief aus Aachen (Bahnhof) mit Aufgabestempel "AACHEN/29 11/3 6/B"(Bruns A52) ebenfalls nach Kopenhagen. Das Vereinsporto ist mit "3" Silbergroschen in blauer Tinte notiert und mit "4" Schillinge (in rot) übersetzt, dazu der Stempel "Aus dem / Post-Verein". Rückseitig mit Durchgangsstempel vom preussischen und dänischen Postamt gestempelt, beide vom 30.11., im preussischen zwischen l - 2, im dänischen zwischen 3- 4 Uhr abgefertigt. Das in Kopenhagen zu zahlende Porto von "13/13" dänische Skillinge rückseitig notiert: 13 für 4 Hamburger Schillinge Auslage + 13 dän. Skillinge für die Strecke Hamburg - Kopenhagen.
Der Brief in Abbildung 5 hat einen interessanten Postlauf. In Koblenz (Preussen) aufgegeben am 27.7.1851 und nach Frankfurt (freie Stadt) befördert. Beide waren Mitglied im Postverein, aber Nassau und Hessen-Darmstadt noch nicht (erst am 1.10.1851), es war also Transitgebühr zu zahlen, daher als "Portobrief' mit "9" Kreuzer Frankfurter Währung belastet. Diese waren vom Empfanger zu entrichten und enthielten einen Zustell-Kreuzer, da dieser nicht wie sonst üblich durch einen senkrech- ten Strich auf der Vorderseite angezeigt ist. Der rückseitige Bestellgangsstempel "D 4/ 28 7" zeigt, daß es kein "Abholbrief' war.
Vom Empfänger wurde die Anschrift geändert, "Copenhagen" angegeben, als Portobrief aufgegeben und mit "9" Kreuzer taxiert. Am 9.7. im Thurn und Taxisamt, mit rückseitigem Durchgangsstempel, wurden diese umgerechnet in 4 Hamburger Schillinge, notiert und weitere 4 Schillinge (3 Sgr.) hinzugerechnet. Die Gesamtsumme des deutschen Portos ist in Rotstift rückseitig mit "6" (Silbergroschen), und vorderseitig mit "8 " (Hamburger Schillinge), notiert..

Abb. 5
Diese 8 Schillinge entsprechen 26 dänischen Skilling + 13 dän. Skillinge für die Strecke Hamburg - Kopenhagen und sind rückseitig mit "26/13" notiert.

Briefe mit dem Stempel "Aus dem / PostVerein" sind nicht häufig. Zwei Archiv- Funde haben einige Belege zu Tage gebracht, überwiegend aus Frankreich. Als viel seltener sind Belgien, Bayern und niederl. Indien einzustufen. Aus diesen Ländern sind nur sehr wenige, oft nur ein Beleg bekannt.
Vorlagen: Auktionen: Baeten, Bruxelles, Feuser Stuttgart, Thomas Hoiland Frederiksberg (DK) Abb. 5 : Volker Mehrmann, Dormagen.

1 Die im "Handbuch der Poststempel von Hamburg" erwähnten Daten 1850 bis Nov. 1852 sind nicht korrekt.
2 Recueil 33 Postes. "Modifications aux stipulations qui reglent les relations postaies entre les Offices de Belgique et de la Tour et Tassis", Bruxelles le 27 mai 1851