Katapult-Flugpost - ein Kapitel (Luft-)Postgeschichte?

Zur Debatte steht die Katapultpost aus den Jahren 1925 bis 1935, befördert von Wasserflugzeugen, die etwa 400 km (oft auch mehr, selten weniger) vor der Küste von den deutschen Amerika-Schiffen «Bremen» und «Europa» mittels LuftdruckKatapult „abgeschossen" wurden was einen Zeitgewinn von einem halben Tag brachte. Wenn wir anders fragen: „Hat die Katapultpost zum Fortschritt bei der Luftpostbeförderung beigetragen?" so ist diese Frage zweifellos mit JA zu beantworten, konnte doch eine gewisse Beschleunigung der Postbeförderung erreicht werden und das lag und liegt immer noch im Interesse der Postverwaltungen.
Wenn wir uns aber ein Exponat „Katapultpost" in einer Ausstellung anschauen, so werden wir fast ausschliesslich Sammlerbriefe sehen. Gibt es denn keine Bedarfsbriefe, also nicht-philatelistisch inspirierte Katapultbriefe? Hat die Geschäftswelt gar keinen Gebrauch von der Möglichkeit gemacht, ihre Post nach den USA etwas schneller ans Ziel gelangen zu lassen? Es muss wohl so sein, denn man findet tatsächlich kaum jemals einen bedarfsmässig gelaufenen Katapultpostbrief. Oder sind diese Briefe alle in den Papierkorb gewandert? Das ist kaum anzunehmen, waren sie doch immer von einem (mehr oder weniger) schönen Sonderstempel verziert, der auch einem Nicht-Sammler ins Auge springen musste. Die besondere Gebühr für diese Beförderungsart war allerdings mit 50 Pf ziemlich hoch und wurde erst 1935 auf 25 Pf herabgesetzt, in der Schweiz anfangs gar Fr l .75 allerdings kombiniert mit einem „Nachbringeflug", auf den wir später noch zu sprechen kommen.
Die immer wechselnden Sonderstempel, welche die Katapultbeförderung bestätigen, haben natürlich die Sammler auf den Plan gerufen. Briefe mit deutschen oder amerikanischen Frankaturen sind immer noch preisgünstig zu haben. Da sind Frankaturen anderer Länder eher gefragt, und von denen gibt es eine ganze Menge, denn die deutsche Reichspost hat mit vielen Ländern Verträge abgeschlossen, um deren Post ebenfalls auf den Katapultpostflügen befördern zu können. Aber auch von diesen Vertragsstaaten gibt es kaum Bedarfsbriefe. Auch hier waren es die Philatelisten, die mit bunten Frankaturen hübsche Sammlerstücke herzustellen wussten.
Unter diesen Umständen muss man sich fragen, warum die Reichspost diesen Service so lange aufrecht erhielt, doch sicher nicht der Sammler wegen. Die Flüge waren nicht ungefährlich. Das Wetter über dem Atlantik war auch im Sommer mehr oder weniger unfreundlich und im Winter wurde der Katapultdienst ganz eingestellt. Tatsächlich sind ein paar Unfälle vorgekommen. Das Katapultflugzeug, das am 5. Oktober 1931 von der «Bremen» abgeschossen wurde, ist über der Cobequid-Bay (Neuschottland) verunglückt und wurde nie aufgefunden. Einige Male musste der Start, wegen Beschädigung des Flugzeuges, abgesagt werden. Die beschleunigte Postbeförderung musste teuer erkauft werden, denn ein Reingewinn aus den Luftpostzuschlägen hat sich sicher nicht ergeben.Die Flüge müssen also noch einen anderen Sinn und Zweck gehabt haben. Auch die Franzosen haben sich mit Katapultflügen von der «Ile de France» versucht, aber nach wenigen Flügen aufgegeben. Man kann da nur Vermutungen anstellen, aber es liegt nahe anzunehmen, dass die Lufthansa Erfahrungen sammeln wollte, für einen zukünftigen Katapultpostdienst über den Südatlantik, der dann auch 1934 verwirklicht wurde.
Gehören also die Katapultpostbriefe zur Luftpostgeschichte? Darüber besteht wohl kein Zweifel. Nur sollte ein Sammler vorsichtig sein, wenn er seine Sammlung einer strengen Jury von heute präsentiert. Ich habe Exponate gesehen, wo in 10 Rahmen zu je 16 Blättern, aufjedem Blatt (ohne Titelblatt) zwei Briefe gezeigt wurden - total 318 Briefe. Da verschlägt es doch einem Juror den Atem! Hier muss sich der Aussteller beschränken und nur die wirklich interessantesten Belege zeigen und entsprechend auf die postalischen Gegebenheiten hinweisen. Dass die Posttaxen aufgeschlüsselt werden müssen, ist heute eine Voraus-setzung für eine gute Bewertung. Die Frankatur muss stimmen. Aber bei Belegen aus gewissen „unerforschten" Ländern konnten diese Posttaxen bis heute nicht ermittelt werden. Dafür sollte dann auch der Juror Verständnis haben.
Einen grösseren Zeitgewinn ermöglichten übrigens die sogenannten Nachbringflüge der Deutschen Reichspost, die am Tage der Abfahrt des Schiffes von Cherbourg einen Postflug von Köln nach Cherbourg einrichtete, um die Post, die das Schiff in Bremerhafen nicht mehr erreicht hätte, noch dem Schiff zubringen zu können. Die Gebühren für diesen Dienst waren erheblich niedriger,erst 30 Pf, ab 1935 15 Pfund ab 1938 10 Pf. Jedoch wurde auch von diesem Service von der Geschäftswelt wenig Gebrauch gemacht. Die Beförderung Köln - Cherbourg wurde auf den Briefen mit einem kleinen Stempel bestätigt. Diese Nachbringflüge wurden auch bei den Parten der «Columbus» des Norddeutschen Lloyd durchgeführt, die aber keine Katapulteinrichtung besass.

Abbildungen von ungewöhnlichen Katapultpostbriefen:

1. Erster Katapultflug von der «Europa» am 15.9.1930. Brief mit canadischer Frankatur, der an Bord der «Europa» mit dem amerikanischen Seepoststempel entwertet wurde, entgegen aller Vorschriften, aber auf Verantwortung des Postinspektors Reineke. (Wer kennt die richtige Posttaxe??)

2. Postkarte mit den 2 verschiedenen Ausfallstempeln (1931, Ausfall wegen Beschädigung des Flug zeuges). Der Flugpostzuschlag von 50 Pf wurde von der Post nicht erstattet.

3. Endlich ein Bedarfsbriefaus der Schweiz! 1933, Brief 30 Rp, Zuschlag 50 Rp für je 10 g.

4. Drucksache aus der Schweiz. 1934., Drucksache 5 Rp, Zuschlag 60 Rp. Sie wurde versehentlich nicht bei der Aufgabe entwertet sondern erst von der Smmel stelle in Basel 2 mit dem Stempel „BALE2OUTREMER"

5. Brief aus Guatemala mit Katapultflug vom 16.8.1934 nach Southampton und mit der Flugpost von London nach Hamburg befördert. (Wer kennt die richtige Posttaxe??)

6. Brief aus der Schweiz September 1934 mit 50 Rp zuwenig für den Katapultflug frankiert, was erst an Bord bemerkt wurde. Der Sonderstempel wurde ungültig gemacht. Die Frankatur reichte aber für den Nachbringeflug Köln - Cherbourg.

7. Ein Bedarfsbrief aus Deutschland vor 1934, ohne Verlangen desAbsenders mit dem Nachbringeflug Köln - Cherbourg zum Dampfer «Columbus» befordert.