Sachsen - Auslandsbriefe
Da unseren Lesern die Artikel von James v.d. Linden „Union PostaleAllemande" hinlänglich bekannt sind, erübrigt es sich wohl, den folgenden Briefen einen ausführlichen Vorspann voranzuschicken.
Sachsen ist als Postgebiet mit weitverzweigten und intensiven ausländischen Kontakten bekannt. Wir finden hier Destinationen, die von anderen Postgebieten nur erträumt werden können. Einige Beispiele sind zusammengestellt, deren Gebührenkonstellation durchaus interessant ist, obwohl sie alle aus der Zeit des DÖPV. stammen.
Abb. l Leipzig 3.Juli 1862 nach Malta
Abb. l Für den Brief aus Leipzig vom 3.7.1862 nach Malta standen zwei Wege zur Verfügung. Neben dem Postweg über Wien -Triest, für den das Posthandbuch die Gebühr von 6 9/10 Ngr. ausweist, war noch der Leitweg über Baden und Frankreich möglich.
Der Absender hat mit seinem Vermerk „via Marseille" diesen letzteren Weg vorgeschrieben. Die Gebühr setzt sich zusammen: aus 3 Ngr. für den DÖPV. und 6 9/10 Ngr. Weiterfranko (in blauer Tinte vorgemerkt). Der rote Stempel P.D. bedeutet „Paye destination" und bestätigt die vollständige Frankatur, die mit der 10 Ngr. Marke (Mi. Nr. 13b) erledigt ist.
Abb. 2 Sachsen - Algerien
Der Brief aus Dresden-Neustadt vom 13.2. 1859 ist mit 5 1/2 Ngr. freigemacht (Mi. Nr. 8, lOa, 11). Da aber Algerien zu Frankreich gehörte, hätte die Gebühr für Frankreich, gültig ab l. 10.1857, von 4 Ngr. 8 Pfg. genügt, zusammengesetzt aus 3 Ngr. für den DOP V. bis ein Loth und 18/10 Ngr. Weiterfranko bis 1/2 Loth. Auf dem Brief ist dieses korrekte Weiterfranko denn auch vermerkt. Die überschiessende Frankatur ist demnach entweder in Unwissenheit der tatsächlichen Gebühren Verhältnisse vom Absender so vorfrankiert worden oder der Schalterbeamte hatte keine Kenntnis davon, dass Briefe nach Algerien wie nach Frankreich zu behandeln waren; vielleicht hielt er sich an die geographische Zugehörigkeit und verlangte die „Afrikataxe" von 55/10 Ngr. (3 Ngr. DÖPV. und 2 1/2 Ngr. Weiterfranko)
Abb 3 Sachsen - USA
Dresden 1857 nach Fort Pierre in Nebrasca. Der Absender vermerkte „franco" und zusätzlich steht der Stempel „PAID". Als Leitweg ist Bremen angegeben- Die Frankatur setzt sich zusammen aus 2 Ngr. Vereinsgebühr und 4 1/2 Ngr. Weiterfranko, dargestellt durch die Makrae lxl/ 2 Ngr. (Mi. Nr. 8) und 2x 3 Ngr. (Mi. Nr. 11)
Interessant ist der Vermerk „to be forwarded". Da als Empfänger ein L.M. Wiessner Corp. A. 2 nd. Inftry Regiment genannt ist und das Fort im Nebraska Territory wohl nicht an einer Postroute lag, dürfte der Hinweis sich auf die Weiterbeförderung in den USA beziehen
Abb. 4 Dresden 5.9.1864 nach Puebla Mexiko. Üblicherweise hätte die Briefgebühr zu dieser Zeit 28 Ngr. betragen. Ab 1864 gab es jedoch auch die Möglichkeit der wesentlich billigeren Beförderung über das englische Postsystem. Die Gebühr setzt sich zusammen aus 3 Ngr. Postverein und 11 3/ 10 Ngr. Weiterfranko (angeschrieben)
Der Absender hat als Leitvermerk „par St.Nazaire" angegeben. Damit wollte er die Benutzung der französischen Postdampferlinie „ St. Nazaire - Veracruz" benutzt wissen. Diese Linie war 1862 infolge des Krieges eingerichtet worden, als Napoleon III ein Expeditionskorps schickte, um den mexikanischen Widerstand zu brechen. Durch diese Dampfer wurde auch Post befördert, aber es gab 1864 dafür noch keinen offiziellen französischen Posttarif, so dass der Brief nach der englischen Gebühr berechnet wurde.