Union Postale Allemande (VI) „Aus dem Postverein"

In Ergänzung zur Nr. V der gleichnamigen Artikelserie (POSTGESCHICHTE Nr. 74) folgen hier noch einige aussergewöhnliche Briefe in Bezug auf Datum und Destination. Abb l zeigt einen Brief vom 1.5.1851 aus Bandong (Insel Java) nach Kopenhagen. Er lief über Singapore durch einen Beförderer, mit Leitvermerk „ Via Marseilles ". Die Weiterbeförderung übernahm die „East India Company-Steamers-Linie am 7.6. von Bombay mit der „Sesotris" bis Aden (17. 6.), dort per „Orient" (Peninsular & Orient-Linie) am 25.6. nach Suez, Ankunft am 2. 7. Weiter über Land mit Ankunft in Alexandrien am 6.7. (1) Dort mit „2/-" (2 Shilling) Porto belastet (3/4 Unze) und rückseitig mit Durchgangsstempel „ALEXANDRIA/ JY 6/ 1851" gestempelt. Weiterfahrt per „Nil" am 7.7. mit der französischen Ägypten/Syrien Linie (Beirut-Alexandria-Marseille). In Paris mit Eingangsstempel „2 INDES OR 2l 15/ JUL./ 5l/ MARSEILLE" versehen.

Zur Beförderung der Korrespondenzen zwischen den französischen Departements und den nordischen Ländern wurde im Additionalvertrag Frankreich - Thurn & Taxis von 1847 Lyon als neues Auswechslungsamt in Verbindung mit Frankfurt gesetzt. Die Route lief über Strassburg und das badische Postamt Kehl. Die Transportkosten gingen zu Lasten der französischen und badischen Postverwaltungen. Von Frankfurt ging es weiter nach Hamburg zum TT. OPA., Stempel vom 17.7.
Artikel 44 des Additionalvertrages Frankreich - Thurn & Taxis von 1847 regelte die Übernahme der unbezahlten Briefe aus Ostindien im Transit durch Frankreich: Taxis bezahlte für das Seeporto zwischen Alexandria und Marseille für je 30 Gramm netto drei Franken und sechzig Centimes. (Im Durchschnitt 90 Centimes für einen einfachen Brief). Das sind umgerechnet 7 3/4 Sgr., dazu das Auslageporto von 20 Sgr. für 2 Shilling britisch. Das war das zu vergütende englische Porto bis Alexandria für 3/4 Unze Briefgewicht und 20 Sgr. preuss. gleichgestellt: l Penny hat genau 10 preuss. Silberpfennige, l Shilling mit 12 Pencehat daher 120 preuss. Pfennige, und das sind genau 10 Sgr. Dazu kamen 3 Sgr. Vereinsporto, sind zusammen 30 3/4 Sgr., rückseitig und umgerechnet, vorderseitig mit 41 Shillinge Hamburger Courant in Rotstift notiert. Dies waren 131 dänische Rigsbankschillinge, die Thurn und Taxis vom dänischen OPA. Hamburg zu bekommen hatte. Dieses stempelte den Rahmenstempel .,Aus dem/ Post- Verein" mit rückseitigem Datum- Stempel vom 17.7. Für den Empfänger kamen noch 2x13 Rigsbankschillinge dazu (l 1/2 Lod) Beide Beträge sind rückseitig in Bruchform notiert: „131/26" Ein zweiter (Abb. 2) Brief kommt aus Malta vorn 15. 9. 1851 mit rückseitigem Aufgabestempel „MALTA" des britischen Postamts, adressiert nach Lund (Schweden!). Er trägt die handschriftliche Notiz „pmarseille"und wurde befördert mit der „Alexandre" der „Paquebots de L'Administration des Postes" ab Alexandria 22. 9. mit Ankunft am 30. 9. in Marseille.
Seit 1848 lief die Ägypten/Syrien Linie (Beirut-Alexandria-Marseille) den Hafen von Malta an und musste dort u.a. die Korrespondenzen aus Indien übernehmen. Dieses war die vorletzte Fahrt dieser Route, denn ab 1. Oktober 1851 wurde die Post aus Malta von der „Ligne du Levant" (Konstantinopel-Syra-Malta-Marseille) befördert. Bei Ankunft in Marseille wurde der Brief mit dem französischen Eingangsstempel „POSS.ANGL./ l/ OCT./ 5l/ MARSEILLE" versehen. Salles (2) registriert diesen Stempel, ohne „Echelon-Nummer", von 1846 nur bis 1849, in rot unter der Nr. 743 mit vereinzelten Verwendungen. Der Leitweg über Frankreich nach Hamburg ähnelt dem des obigen Briefes mit Ankunft im taxisschen OPA. am 3.10. Laut Artikel 39 des Additionalvertrages Frankreich - Thurn & Taxis von 1847 bezahlte Taxis für die Übernahme der unbezahlten Briefe aus Malta, zwei Franken und 20 Centimes je 30 Gramm netto, im Durchschnitt 55 Centimes für einen einfachen Brief.
Diese 55 Centimes sind umgerechnet 4 l/ 4 Sgr. Dazu kamen weitere 4 Sgr. für die Strecke bis Hamburg, das ergibt eine Ausläge von „8 1/4" Sgr., die rückseitig in Rotstift notiert wurden, umgerechnet „11" Schillinge Hambugrer Courant, die vom kgl. dänischen OPA. an das Thurn und Taxissche OPA. zu vergüten waren. Sie sind vorderseitig mit „11" in brauner Tinte über den blauen Rahmenstempel „Aus dem/ Postvereirt' notiert, und in Rotstift in der Mitte wiederholt.
Elf Schillinge Hamburger Courant = 35 dänische Reichsbankschillinge. Das Porto von Hamburg nach Kopenhagen kostete weitere 13 Schillinge. Das ergibt die rückseitige Notierung in Dänemark „35/13". Mit Übergang nach Schweden über das Grenzpostamt HELSINGBORG und dort mit blauem Datumstempel vom 6. 10 gestempelt. Der Empfänger zahlte l Rixdaler + 31/2 Schillinge in schwedischer Währung, handgeschrieben in Rotstift, das sind 51 1/2 schwedische Schillinge. Dieser Portobetrag umfasste die rückseitigen 35/ 13 dänische Rigsbankschillinge bis Kopenhagen (34 1/2 schwed. Schul.) + „26" Rigsbankskilling für die Strecke Kopenhagen-Helsingborg-Lund = 17 Schwed. Schillinge.

Aus den Vereinsländern sind relativ wenige Briefe mit dem Stempel „Aus dem/ Post-Verein" bekannt. Beispiel Bayern: neben den zwei von Dr. Heibig erwähnten Briefen, frankiert mit einer 9 kr. Marke (3), gibt es einen Brief von Erlangen vom 2. 10 (1851) nach Carbye bei Cappeln (Schleswig, an der Schlei,). Er ist als Doppelbrief (Abb. 3) mit zwei 9 kr. Marken für den Postvereinsverkehr ausreichend frankiert. Der Absender hat bei seinem „Frei" - Vermerk übersehen, dass Schlesswig seit dem 13. 7. 1850 (4) wieder einer dänischen Zivilverwaltung unterstellt war und nicht mehr zum Postverein gehörte. Das Dänische OPA. stempelte sinngemäss „Aus dem/ Post-Verein". Der Freivermerk wurde zunächst mit „fr. Grz" und zusätzlich mit Hamg" ergänzt, so dass es jetzt frei Grenze bzw. Hamburg hiess. Der Brief wurde mit „8" Schillingen Schleswig - HolsteinCourant = 2x 3 Sgr. taxiert.

Ein weiterer Brief (Abb. 4) aus Osnabrück vom 10. 9. (1851), ebenfalls nach Schleswig, wurde mit einer Hannover-Marke zu 1/10 Thaler (= 3 Sgr.) teilfrankiert bis Hamburg. Diesmal mit Freivermerk „fr. Hambg". Die Tintenotiz links unten übersetzt den Markenwert in hannoversche Währung: 2 Gute Groschen 5 Gute Pfennige = 3 Silbergroschen. (Eine Erklärung für den beigesetzten Vermerk „Wfr." steht noch aus, vielleicht können hier HannoverSpezialisten nähere Auskunft über die dortigen Gepflogenheiten geben?) Im dänischen OPA. Hamburg wurden „4" Schillinge Schlesw. Holstein. Courant nachtaxiert.

Die im vorigen Heft angegebenen Verwendungsdaten für den Stempel „Aus dem/ Post-Verein" wurden inzwischen verbessert: Erstdatum 17. Juli 1851 auf Polizeidienstsache aus Baden nach Töningen (5) und auf Brief aus Bandong (Abb. 1). Das letzte Datum 31.12.1851, auf einem Brief aus Passy lez Paris nach Uddevalla (6)

Abb. l Sammlung Walter Mani, Chur
Abb. 2 Sammlung Dieter Oldenburg
Corrigenda: PG 74, Seite 7, UFA V, letzter Abschnitt, 4. Zeile: statt „am 9.7. im Thurn undTaxisamt,..." muss es heissen „Am31. 7. im Thurn undTaxisamt".
(1) D.H. Giles „The Hon. E.l.C.'s Steamers of 1830-1854, London 1995
(2) Raymond Salles, La Poste Maritime francaise, Tome II
(3) Joachim Heibig, Bayrische Postgeschichte 1806-1870, München 1991, S. 294
(4) Hinweis von Hanns Schlotter
(5) Sammlung Dietrich, Oldenburg
(6) 252 te Köhler Auktion, Los 315. Brief nach Udevalla in Schweden, und nicht nach Norwegen wie der Katalog angibt.