Ein interessanter Brief Zürich 6
An der Corinphila-Auktion vom 19.9.1998 wurde ein kleines Briefchen von Aussersihl, frankiert mit einer Zürich 6 und gestempelt mit einer roten Zürcher-Rosette angeboten. Wie kommt nun eine rote Rosette auf einen Brief von einer damaligen Landgemeinde, mussten doch alle Orte ausserhalb der Stadt mit einer schwarzen Rosette stempeln. Logischerweise wurde der Brief aufs Zürcher Hauptpostamt getragen und dort entwertet. Doch warum dann der Stempel von Aussersihl, einer damaligen Vorortgemeinde Zürichs und erst 1893 eingemeindet. Täglich bediente ein Briefträger die Gemeinden Aussersihl und Wiedekon, d.h. er teilte die Post in diesen Gemeinden aus nahm die abgehende Post vom Postamt Aussersihl zurück nach Zürich. So scheint die naheliegende Erklärung, dass das Postbüro Aussersihl die 6 Rp. in bar entgegennahm und den Briefträger beauftragte, im Hauptpostamt eine Marke aufzukleben und stempeln zu lassen. Aus dem Inhalt des Briefes geht hervor, dass dieser an eine gesellschaftlich höher gestellte Person gerichtet war, und es die Absenderin wünschte, dass der Brief franco spediert wurde. Den Abgang von Zürich bestätigt auch das Fehlen eines Transitstempels von Zürich auf der Rückseite des Briefes, was bei Transit ausnahmslos gehandhabt wurde. Es ist scheinbar so, dass das Postbüro Aussersihl gar keine Zürich 6 der ersten Auflage mit SENKRECHTEN Untergrundlinien hatte, der erwähnte Brief datiert vom 12. Januar 1847, und der Zufall will es, dass ich einen Brief vom 13. Januar habe, taxiert mit 6 Rappen. Ein weiterer Brief von Aussersihl mit einer Zürich 6, allerdings mit WAAGRECHTEN Untergrundlinien, ist vom 12. Mai 1847 bekannt