Ergänzungen zur PG Nr. 75
Verspätet, aber hoffentlich nicht zu spät, möchte ich noch auf einige Zuschriften zur Postgeschichte Nr. 75 eingehen. Herr Benz-Bletscher sandte mir sowohl zum Artikel „ NachArgentinien viaAntwerpen" als auch zu den „SSP-Stempeln" Ergänzungen. Zuerst jedoch zu den belgische Paket-booten Abb l. zeigt uns aus der Sammlung von Herrn Benz-Bletscher den bisher einzigen bekannten Brief aus der Schweiz, der über diese seltene Route versandt wurde. Abgesandt wurde der Brief am 20. Juni 1877 in Chur, vom Absender ursprünglich mit dem Leitvermerk „via Bremen,, versehen. Wie uns jedoch die Rückseite beweist, erreichte der Brief Bremen erst gar nicht, sondern ging über Anvers (23. Juni), mit dem belgischen Paketboot (4. Juli) nach Buenos Aires, wo er am 8. August anlangte. Vermutlich war dies die schnellste Verbindung Die Abb. 2 und 3 zeigen je einen Schweizer SSP-Stempel von Chur nach Madulein, weitergeleitet nach Bianzone in Italien vom 18. Oktober 1870, sowie einen italienischen ISP-Stempel aus Tirano nach Poschiavo vom 21. Januar 1864. Meine Nachfrage nach näheren Daten über die Schweizer SSP-Stempel hätte ich mir sparen können, wenn ich etwas mehr französisch lesen könnte. Bereits in der Postgeschichte Nr. 55 vom Sept. 1993 hat Fabien Barnier einen Artikel über das Reglement der SSP- und FSP-Stempel in dem Postverhältnis zwischen der Schweiz und Frankreich verfasst. Dort steht auch die Grundlage für den Stempel: der Postvertrag Schweiz - Frankreich vom 15. April 1857. Aber unsere Leser wären nicht unsere Leser, wenn sie einen Redakteur in Unkenntnis Hessen. Postwendend bekam ich Antwort, die mich nicht nur auf den Artikel von Fabien Barnier hinwies, sondern auch die entsprechenden Vertragpassagen zuleitete. Darüber hinaus machte mich Herr Montandon mit seiner Zuschrift auf eine Besonderheit aufmerksam: Waren bis datoalle (X)SP-Stempel in Verträgen mit Frankreich begründet, so machten die Schweiz und das Kgr. Italien hier eine Ausnahme. Sie schlössen am 1. Juni 1862 einen Vertrag in dem sie die Verwendung der Stempel SSP für die Schweiz und ISP für Italien beim Austausch amtlicher Korrespondenz vereinbarten.

Abb. 3
Zum Schluss noch ein Glanzstück aus der Sammlung Montandon. Eine 5 Rp Strubel als Gebühr für den Nahbereich von Lelocle nach Brenets. Obwohl kein Dienstbrief und erst recht nicht ins Ausland (Frankreich od. Italien) ist die Marke trotzdem mit dem SSP-Stempel entwertet. Geschah es aus Zufall oder steckt eine noch nicht gefundene Verordnung hinter dieser Behandlung Auf alle Fälle ein eindrucksvoller Beleg.