Union Postale Allemande (VII)
DieAuslandsverbindungen des Deutsch - Österreichischen PostvereinsDieAuslandsverbindungen des Deutsch - Österreichischen Postvereins
Schon in in der "Postgeschichte" Nr. 33 von März 1988 wurden die bei der Transatlantikpost verwendeten Stempel besprochen mit Hinweis auf die voraus bezahlte Postvereins-Taxe. Es handelte sich dabei um die Grenzpostämter Aachen, Bremen/Badische Bahnpost und Hamburg. Weiterfuhrende Einsichten brachte ein Artikel im „Archiv für Postgeschichte undTelegraphie" Nr. 9, 1920, dessen Verfasser uns ein anderes Bild vermittelt als jenes, das er in der Bearbeitung von Stephans "Geschichte der Preussischen Post" entworfen hatte. Der nach dem Postkrieg am 15.12. 1848 geschlossene Vertrag zwischen Grossbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika enthielt Bestimmungen, die für andere Staaten von grosser Bedeutung waren. Erstens wurde das Seeporto für den einfachen bis i/2 Unze schweren Brief von l Shilling auf 8 Pence herabgesetzt, was eine Ermässigung von 10 auf 6 2/3 Silbergroschen bedeutete. Zweitens hatten die Vereinigten Staaten nunmehr über England die Möglichkeit, mit den europäischen Staaten geschlossene Briefpakete auszuwechseln. Das gab Preussen seinerseits die Gelegenheit, diesen Weg zu benutzen, um einen direkten Briefwechsel mit den US zustande zu bringen und den Weg über Bremen zu umgehen. Schon ab 1848 versuchte man, in Washington die ersten Kontakte zu knüpfen. Da aber die amerikanische Gebietserweiterung mit einem Zugewinn des halben Territoriums von Mexiko, sowie die Goldfunde in Kalifornien, ebenfalls von Mexiko an den US abgetreten, Washingtons Postverwaltung vor andere schwerwiegende Probleme stellte, verzögerten sich die Verhandlungen.
Seitens Preussen fehlten dem Unterhändler außerdem die fachmännischen Kenntnisse, weil er vom Ministerium des Auswärtigen Amtes über das Handelsministerium mit den Verhandlungen beauftragt wurde. Die durch Unkenntnis hervorgerufenen Rückfragen in Berlin verursachten, wegen langer Laufzeiten hin und her, einen beachtlichen Zeitverlust. Im Verlauf dieser Verhandlungen erwies sich der Abschluss des Deutsch-Österreichischen Postvereinsvertrags am 6.4.1850 als ein zusätzliches Hindernis: Preussen hatte in dem amerikanischen Postvertrag das deutsche interne Porto auf den einheitlichen Portosatz von 2 Silbergro- sehen zugesagt, entsprechend dem amerikanischen Inlandsporto von 5 Cents. Das war nicht konform mit dem Deutschen Vereinsporto in drei Stufen von l, 2 und 3 Silbergroschen. Es waren daher Verhandlungen mit den Vereinsverwaltungen notwendig, um eine Zustimmung zur Abweichung des kaum geschlossenen Vertrags zu erreichen. DieThurn und Taxissche Postverwaltung verweigerte ihre Zustimmung wegen Schmälerung des Inlandsportos, gedacht wurde an drei, statt zwei Silbergro- sehen. Diese Haltung Preussen gegenüber braucht uns nicht zu wundern. Denn schon der Beitritt derTaxisschen Postverwaltungen zum Postverein geschah etappenweise: Am 1.5.1851 Thüringen, Frankfurt, Bremen, Hamburg und Lübeck, am 1.10.1851 Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt und Nassau, am l .6.1852 Hohenzollern und am 1.1.1854 Schaumburg-Lippe. In diesem Zusammenhang bekommt der Stempel vom OPA. Frankfurt "AUS AMERIKA/ UEBER PREUSSEN" (Abb. 1) seine Bedeutung. Wir kennen diesen Zusatzstempel immer in schwarzer Farbe und nur auf USA-Korrespondenz und zwar zwischen Juni 1851 und Oktober 1852 auf Briefen über Bremen nach Württemberg, Sachsen bzw. nach dem Thurn und Taxisgebiet. Über Aachen in der "Open Mail" über England schon ab September 1850 bis Februar 1852. Mit diesem Stempel wurde klar gestellt, dass Taxis für Briefe aus den USA nicht zum Postverein gehörte (was für einige Gebiete tatsächlich vor dem Eintrittsdatum der Fall war) und man deshalb "über Preussen" bezog. Aus Taxisscher Sicht war es eine Ergänzung zu den Stempeln "AMERICA/ ÜBER BREMEN" bzw. "AMERICA per ENGLAND" und SEEBRIEF PER ENGLAND UND AACHEN" Ob der Einsatz dieses Stempels als Leitweg-Merkzeichen gedacht war (oberster Brief des Pakets?) oder Konsequenzen in der Gebührenberechnung nach sich zog, ist weiterhin festzustellen. (Abb. 2) Am 1.10.1852 trat der Preussisch-Amerikanische Vertrag in Kraft. Er war auf den Briefverkehr zwischen Preussen und den Staaten des DOP V. einerseits und den Vereinigten Staaten mit ihren Territorien andererseits anwendbar. Preussen hatte auf der ersten deutschen Postkonferenz in Berlin den übrigen Vereinsverwaltungen einen Portosatz von 11 Silbergroschen in Aussicht gestellt. Um dies zu verwirklichen, war eine ermässigte Seegebühr erforderlich, die nicht durchsetzbar war.
Wegen des höheren Portosatzes (Transitgebühren an England und Belgien), der wesentlich teurer ausfiel als der Weg über Bremen, nahmen die Vereinsverwaltungen von Thurn und Taxis, Baden, Württemberg und Bayern vom Beitritt zum Vertrag vorerst Abstand und blieben beim Briefversand über Frankreich. Das wiederum verursachte ein Missverhältnis in der Briefbeförderung von und nach den Staaten. New York musste feststellen, dass wöchentlich 10 000 Briefe nach Preussen abgesandt wurden, wogegen es vom Bahnpostamt 10 nur 1500 Sendungen pro Woche empfing. Beschwerden blieben daher nicht aus, so dass es Preussen, nunmehr unter Druck gesetzt, nach erneuerten Anstrengungen doch noch gelang, die südlichen Staaten zum Beitritt zu bewegen. Nur die Taxissche Verwaltung verweigerte bis 1859 den Beitritt. Abbildung 2 zeigt einen von 4000 beförderten Briefe mit der ersten Vertragsfahrt des Dampfers "Baltic" der Collins Linie, der am 30. Oktober 1852 New York verliess. Von Liverpool am 10.11. aus wurde über London und Ostende am 12. November der erste Kartenschluss mit der Bahnpost Nr. 10 Verviers-Köln gemacht. Der Brief war mit 30 Cents vertragsmässig, trotz PAID Stempel von New York, nur bis zur Ausgangs-Grenze des Postvereinsgebiets vorausbezahlt.
Als Transitbrief in die Schweiz wurde der zunächst aufgesetzte FRANCO Stempel in blauer Tinte zu Recht mit dem VorläuferVermerk " fr.Ausg Grenze" überschrieben. Weiterbefördert mit der badischen Bahnpost wurden in Basel fürs Schweizer Porto zunächst "5 " Kreuzer in brauner Tinte (Brief unter 10 Meilen in der Schweiz) = "Iff" Rappen bei Ankunft notiert. Im Aachener Vermerk ist von einem franko "Vereinsland" noch nicht die Rede. Dies lässt die Schwierigkeiten vermuten, verursacht durch die Zurückhaltung der Süddeutschen Staaten dem Postvertrag gegenüber. Dokumentiert zusätzlich in der Taxierung eines frühen Porto-Briefs in die Schweiz aus der Sammlung Winter (Abbildung 3):
Datiert vom 14. November 1852 in Bäthel, Illinois nach Stanz in der Schweiz mit Aufgabestempel von MEREDOSA (Illinois) vom 20. November 1852 wurde er befördert mit der "Asia" der Cunard Linie und dementsprechend mit dem Verrechnungsstempel ""23/ DEC/ l/ N.YORK BR PKT" versehen: 23 Cents (2 Transit Belgien + 16 Seeporto + 5 US Inland) oder 11 Sgr. waren von Preussen zu vergüten. Aachen (rückseitig, mit rotem Stempel vom 14.12.) notiert statt 45 (= 13 Sgr. inclusive Vereinsporto) aber "48" Kreuzer (rhein) in blauer Tinte. Das sind 3 extra Kreuzer für den Transit durch Baden. Die Badische Bahnpost beförderte den Brief mit Stre- ckenstempel vom 16.12. nach Basel. Dort wurde rückseitig mit rotem "BASEL/16/ DEC/ 52/NACH-MITTAG" gestempelt, und fürs Schweizer Porto zunächst "6 " Kreuzer in brauner Tinte (Brief in der Schweiz über 10 bis 20 Meilen inclusive), mit Strich und 6 unter der Aachener Taxe notiert. Wegen der Verschiedenheit der Münzwährung wurden diese 6 Kreuzer rechts mit "20=" Rappen übersetzt.
Das Gesamtporto wurde in Rotstift mit "790" Rappen = 54 Kreuzer taxiert. Der Empfänger in der Schweiz zahlte somit die 3 Kreuzer Transitgebühr für Baden. Ein Brief aus derselben Sammlung nach Wohlen vom 8.1.1853 zeigt, dass ab Januar 1853 korrekt taxiert wurde: 45 Kreuzer in Aachen in blauer Tinte mit 3 Kreuzer Schweizer Porto in Basel mit einem Gesamtporto von 170 Rappen ( 10 für 3 kr. Inland + 160 für 45 kr.).
Ab 1855 wurden im preussischen Auswechslungsamt von Aachen bzw. in der Bahnpost 10 nach Destinationen ausserhalb des Vereinsgebiets Verrechnungsstempel mit Hinweis auf die Begrenzung der Franko-Gebühr bis zur Ausgangs-Grenze des Vereinsgebiet eingesetzt. Diese Stempel gibt es in zwei Typen und drei Farben. Die Inschrift lautete "Franco/ Preuss(ische):/ resp(ektive) Vereinsl(änder): Gr(enze)." (Abb. l, Nr. 1504 und 1505). Diese Inschrift mit Verweis auf "respektive Vereinsländer Grenze" unterstreicht nochmals die vorsichtige Haltung Preussens den Vereinsverwaltungen gegenüber. Ein sehr frühen Abdruck dieses Stempels (im Katalog erst ab 1855 gemeldet, jedoch auf Brief von St. Louis nach Mailand schon am 23.6.1853 bekannt8) finden wir auf einem Brief aus Portland (Maine) vom 25.9.1854 nach Coreglia, Toskana (Abb.4).
Die Frankogebühr wurde trotz Vermerk "via di francia" vertragsmässig mit "30" Cents (in Tinte rechts oben) bezahlt und mit dem Einzeiler PAID bestätigt. Befördert über New York, wo die 30 Cents in Bleistift (wie üblich) links wiederholt wurden. Ausserdem stempelte New York mit rotem "N.YORK 7 AM PK7/ SEP/ 30/PAID" mit Weiterversand per "Pacific" von der Collins Linie. In Aachen wurde zuerst der "FRANCO" Stempel aufgesetzt und "3" Silbergroschen, in roter Tinte, notiert: die Umrechnung der 7 Cents laut Stempel von New York vergütet. Diese Vergütung setzt sich zusammen aus 2 Cents belgische Transitgebühr (von Preussen wiederum an Belgien zu vergüten) + 5 Cents = 2 Silbergoschen Vereinsporto. Da der Brief für die Toskana, ausserhalb des Vereinsgebietes bestimmt war, wurde zusätzlich der Stempel "Franco Preuss: (resp: Vereinsl:Ausg:Gr) aufgesetzt, wobei die un tere Zeile unleserlich ist. Bei der Weiterbeförderung wurde der Brief mit "Franco" und "Franco Preuss" als voll bezahlt angesehen und ohne weitere Zutaxen in BARGA mit rückseitigem An- kunftstempel versehen und zugestellt. Abbildung 5 zeigt einen Brief aus New York vom 22.11.1864 nach Turin (Sardinien) frankiert mit 30 Cents, mit handschriftlichem Vermerk "Pruss. Ciosedmail" (mit der preussischen geschlossenen Post) und mit Verrechnungsstempel "N.YORK. BR. PKT./ NO V/ 22/ 7 PAID" (Winter Nr. 115). Mit 30 Cents (5 US Inland, 18 See- britisch, 2 Cents belgisches Transit + 5 Cents Vereinsporto) war die Gebühr bis Preussen bzw. zur Vereinsgrenze bezahlt. Davon waren wie im vorigen Brief 2 Cents, belgisches und 5 Cents. Vereinsporto = 7 Cents, an Preussen zu vergüten.
Abb. 5
Befördert über Boston mit der "Africa" der Cunard Linie, über Liverpool und Aachen. Dort über zwei Dienststellen, zunächst mit blauem "AACHEN/ 6 12/ FRANCO" (Katalog Van der Linden Nr. 7) gestempelt und nachträglich berichtigt mit nebengesetztem Rahmenstempel "Franco Preuss./ resp. Vereins!: Ausg.Gr." (Nr. 1505 in violett) Die dreissig Cents Gebühr machten den Brief nur innerhalb des Postvereingebiets (bis zur Grenze) frei. Weiterbeförderung über die Schweiz mit Einzeiler "AFFR.INSUF." (Ungenügend frankiert) und Zweizeiler "Debours / Transit suisse " + handschriftlich "30cls" (Transitgebühr) in Basel. Rückseitig mit sardischem Eingangsstempel "VERBANO/ 8/ DIC/ (AI N. 2". Nachzuzahlen waren "7 " Dicesimi: "3" = 30 Centesimi für Schweizer Transit + "4" = 40 Centesimi sardisches Inlandsporto. Obwohl die Stempel vor allem auf transatlantischen Korrespondenzen in der preuss ischen geschlossenen Post vorkommen, gibt es auch Belege aus England und Frankreich im Transit durch den Postverein, wobei es sich hauptsächlich um Drucksachen handelt, die ohnehin nur bis zum Postvereinsgebiet freizumachen waren. Die ursprüngliche Vermutung, dass diese Stempeltype nur inAachen verwendet wurde ist mit einer Drucksachenschleife aus Frankreich nach Russland über Strasburg/ Saarbrücken widerlegt worden. In der 153. Auktion Jamet gab es ein mit einer roten 80 Centimes "Empire" Marke frankiertes Streifband, entwertet mit rotem Aufgabestempel "BUREAU DU PALAIS DE ST CLOUD" vom 23.10.1864 (Abb.5). Die Drucksache, zunächst unfrankiert zum Versand gebracht, wurde vom Grenzpostamt mit Bleistiftvermerk: "Voie de Prusse" (über Preußen) sowie "retour" (Zurück) in violetter Tinte "non affranchie/non accepte" (nicht frankiert, nicht angenommen) zurückgesandt. Rücksendung, weil nicht frankiert bis zur preuss. Ausgangsgrenze (am 1.1.1866 aufgehoben). In Paris wurde nunmehr frankiert mit 80 Centimes (8 x 10 Centimes 120 gr. Drucksachenporto). Das Pariser Amt stempelte sinngemäss mit rotem Kastenstempel "P.P." (Paye Partiel, Teilporto), da Drucksachen nur bis zur
werden konnten. Das Grenzpostamt Saarbrücken erkannte dies nun an und stempelte folglich mit einem schwarzem Kastenstempel (gleich dem Aachener Modell): "FRANKO/PREUSS: RESP: VEREINSL:/ AUSGANGS - GRENZE" (Abb. l, 1520A). Ein Stempel der bisher nicht registriert ist und in Saarbrücken verwendet wurde. Das geht hervor aus der Schreibweise FRANKO, (wie im Eingangsstempel "AUS FRANKREICH P. SAARBRÜCKEN/ FRANKO" Katalog Nr. 265) und ist belegt mit rückseitigem Durchgangsstempel von Saarbrücken. In St. Petersburg wurde rückseitig die vom Empfänger zu zahlende Gebühr von "74" Kopeken notiert.
Vorlagen: Abb. 1: "Catalogue des Marques de Passage", Soluphil.1993. Abb. 2: "The Chronicle of the U.S. Classic Postal Issues" Volume 34, n°3/115 S.217.1982. "NorthAtlantic Sailings",Hubbard/WinterS. 100.1988. Abb. 3 Courtesy RichardWinter, Greensboro Abb. 4 Sammlung Dr. Joachim Heibig Abb. 5: Sammlung Dietrich Oldenburg. Abb. 6: Mitteilung M. Amplatz: 153. Auktion Jamet, Sammlung Dietrich Oldenburg.