Die Korrespondenz zwischen Bayern und Griechenland 1833 - 1851
Die seitAnfang der zwanziger Jahre des 19.- Jahrhunderts immer stärker werdenden Bestrebungen Griechenlands, sich von der türkischen Vorherrschaft zu befreien, endeten 1827 mit der Seeschlacht von Navarino, bei welcher die türkisch-ägyptische Flotte durch einen englisch-französisch-russischen Verband vernichtet wurde. Ein französisches Landungskorps erzwang anschliessend die Räumung der Peleponnes. Im nachfolgenden Frieden von Adrianopel verpflichtete sich die Hohe Pforte, die Beschlüsse der europäischen Mächte bezüglich Griechenlands als bindend anzuerkennen. Der neue Staat Griechenland hatte seine nördliche Grenze in etwa auf der Linie Arta im Nordwesten bis zum Golf von Volo im Nordosten und schloss die ägäischen Inseln mit ein. Nach dem türkischen Abzug zeigte es sich jedoch, dass die griechischen Stämme untereinander nur durch einen gemeinsamen Feind geeint waren. Heftige Parteikämpfe, Korruption und ein überhand nehmendes Räuberunwesen, welches auch auf die griechische Armee übergriff, veranlasste die Allianz nach einem Herrscher zu suchen, der mit den nötigen Mitteln ausgestattet war, die Errichtung eines modernen Staatswesens (im damaligen Sinne) durchzusetzen. Die griechische Nationalversammlung bot, unter dem Einfluss der drei Schutzmächte, die Krone des neuen Staates dem zweiten Sohn des bayerischen Königs Ludwig I. an. Im Londoner Vertrag von 1832 nahm Ludwig I. für seinen Sohn Prinz Otto von Bayern die Krone an und verpflichtete sich, neben Verwaltungsbeamten und Ministern auch ein in Bayern anzuwerbendes und für den griechischen Staat auszurüstendes Truppenkontingent von 3500 Mann zu stellen, welches die alliierten Truppen in Griechenland ablösen konnte. Insgesamt meldeten sich zwischen 1833 bis 1835 über 5400 Mann zu König Ottos Fahnen und traten in griechische Dienste. Damit waren die besten Voraussetzungen für einen regen Korrespondenzaustausch gegeben. Bereits Ende 1832 bemühte sich die bayerische Generalpostverwaltung, in Verhandlung mit der k. u. k. obersten Hofpostverwaltung ein Abkommen über die Befreiung von Transitgebühren für die griechischbayerische Dienstkorrespondenz zu erlangen. Obwohl dies für die k. u. k. Postverwaltung ein erheblicher monitärer Verlust bedeutete, stimmte sie zu, da politischer Seits ein erheblicher Vorteil zu erwarten war. Konnte man doch unter dem Vorwand der "Profumation" oder Räucherns, die gesamte Dienstkorrespondenz visitieren. Die reine Privatkorrespondenz wurde nach Massgabe der PV. Bayern - Österreich 1819 bzw. 1842 behandelt. Die Briefe mussten also zunächst (bis 1842) jeweils bis zur österreichischen Eingangsgrenze vom Absender bezahlt werden, der österr. Transit sowie das restliche Porto waren vom Empfänger zu er ledigen. Erst 1842 konnte auch der österreichische Transit vom Absender bezahlt werden. Da es keinen direkten Postkurs Österreich - Griechenland gab, wich man auf indirekte Verbindungen aus. Die erste war der "türkische Postkurs" zwischen Wien und Konstantinopel auf dem Landweg über Belgrad. Von Belgrad aus gab es einen Abzweig nach Saloniki, wo ebenfalls ein österreichisches Postamt war. Von dort gab es hie und da eine unregelmässige Postverbindung nach Griechenland. Die zweite Verbindung führte mit Postbooten der österreichischen Marine von Triest nach Corfu und von dort zweimal im Monat mit dem jonischen Postdampfer nach Patras. Da diese Verbindungen als ungenügend betrachtet wurden, bemühte man sich bayerischer und griechischer Seits zusätzliche Postverbindungen zu schaffen. Von griechischer Seite aus bediente man sich dabei griechischer Handelsschiffe, welche die Post in Triest auflieferten, während man von bayerischer Seite aus den ungehinderten Transit der dienstlichen Briefpakete über Verona undAncona (Kirchenstaat) mit Anschluss an das zwischen Ancona und Corfu verkehrende jonische Dampfschiff erreichte. So der Stand bis Mitte 1833. Ende 1833 übernahm der Bankier Feraldi aus Nauplia in einem Vertrag mit der griechischen Regierung den Betrieb regelmässiger Postschiffe von Griechenland nach Triest, Marseille, Alexandria und Smyrna. Gleichzeitig erschien am 7. September 1833 eine VO. über die Versendung und die Taxen für Briefe. Nach dieser Verordnung betrug die griechische Gebühr von Nauplia bis Corfu 30 Lepta, von Corfu nach Triest weitere 30 Lepta. Mitte 1837 stieg auch der österreichische Lloyd in den Postdienst nach Griechenland ein. Er beförderte Postpakete zwischen Patras und Triest und erhob dafür eine Gebühr von immerhin 18 Kr. C.M. was 90 Lepta entsprach. Trotz der vielfältigen Leitwege, deren Einrichtung ein erhebliches Korrespondenzaufkommen vermuten lässt, sind bisher nur ca. 20 Privatbriefe zwischen Griechenland und Bayern et vice versa bekannt geworden. Die Masse werden wohl Dienstbriefe gewesen sein, die in den Akten der entsprechenden Archive ruhen. Jedoch lassen sich an den wenigen bekannten Briefen sehr schön die Transitverhältnisse zwischen Bayern und Österreich vor und nach dem PV. von 1842 dokumentieren, während gleichzeitig die griechischen Taxaturen noch immer teilweise im Dunkeln liegen und man wegen fehlender Unterlagen allenfalls darüber spekulieren kann. Abb. l Ein Teilfrankobrief von Athen nach Mittenwald vom 24. Mai 1837. Der Absender bezahlte 80 Lepta bis Triest. Wenn man die späteren Schreibweisen der Briefe in Betracht zieht, die mit dem Lloyd befördert wurden, entsprechen die 30 Lepta der griechischen Inlandstaxe und die 50 Lepta der Seetaxe, die jedoch mit keinem uns bekannten Tarif übereinstimmt. Der österr. Transit kostete 20 Kr. C.M., die in 24 Kr. rh. umgerechnet wurden, zuzüglich 6 Kr. rh. innerbayerisches Porto, so dass der Empfänger 30 Kr. rh. bezahlen musste. Die Rötelziffern 448 (rückseitig), l 1/2 und(vorderseitig) entziehen sich noch der Interpretation.
Abb. 2 Teilfrankobrief von München nach Athen vom 2. Juni 1840. Vom Absender bis zur bayerisch-österreichischen Grenze bezahlt, verblieben dem Empfänger 16 Kr. C.M. österreichischen Transit, 18 Kr. C.M. Seeporto für den Lloyd, zusammen 34 Kr. CM oder 170 Lepta. Zusammen mit 60 Lepta Inlandsporto kostete der Brief 230 Lep
Während seines Besuches bei seinem Bruder, König Otto, schreibt Prinz Maximilian an den Grafen und Kammerjunker des Königs, Karl von Buttler. Der Brief weist keinerlei postalische Behandlung auf, was auf den Transport mit eigenem Kurier oder im Paket der Dienstpost hinweist. Jedoch wurde der Brief ebenfalls geräuchert, was an den Rastellöcher gut zu erkennen ist. Abb. 4 Eine besonders interessante Variante. Ursprünglich ging der Brief von Würzburg nachTriest. Wie der Vermerk links unten zeigt, war der Brief bis zur Gränze bezahlt. In Österreich fiel daher nur noch die Inlandsgebühr in Höhe von 14 Kr. C.M. an, die über dem Wort „Athen" steht. Da der Empfänger jedoch nach Athen schon abgereist war, wurde der Brief nachgesandt. Ob der neue Absender die vollen 16 Kr. C.M. Transit für den Brief aus Bayern zahlen musste oder nur den Unterschied zu 14 Kr. C.M lässt sich nicht belegen. Jedenfalls bezahlte er neben diesem Transit auch die Gebühr für den österreichischen Lloyd mit 18 Kr. C.M., was auch durch die beiden Stempel TRIESTE Franko und EEM2 (bezahlt bis zum Hafen) bestätigt wird. Der Empfänger bezahlte diesmal von Patras nach Athen 45 Lep
Abb. 5 Zeigt einen Teilfrankobrief von Athen nach Würzburg, der innerhalb Bayerns ebenfalls nachgesendet wurde und zwar nach Brückenau. Rückseitig sind wieder 90 Lepta für den Lloyd und 30 Lepta Inlandsgebühr zusammen l Drachme 20 Lepta vermerkt. Vorderseitig die schon bekannten 20 Kr. C.M., die in München in Auslage genommen und in 24 Kr. rh. umgerechnet wurden. Zuzüglich des Inlandporto von 16 Kr. rh. ergibt dies 40 Kr. rh. Von Würzburg nach Brückenau waren nocheinmal 4 Kr. rh. fällig, so dass der Gesamtbetrag von 44 Kr. rh. zustande kam.
Da der Brief für die griechische Post bereits in der zweiten Gewichtstufe lag, war nun das l 1/2-fache der einfachen Taxe fällig. Für den Lloyd 135 Lepta und 15 Lepta Inlandsgebühr. Für Österreich und Bayern blieb alles beim alten, nur dass durch den PV von 1842 sich die Transitgebühren auf 12 Kr. C.M reduziert haben. Da dem bayerischen Postler die ersten 29 Kr. rh. deutlich misslangen und auch seine Verbesserungsversuche ihn nicht überzeugten, wurde die 29 noch einmal angeschrieben.
Zum Abschluss noch ein Brief aus der Markenzeit. In München am 30. Oktober 1850 aufgegeben, konnte er mit 9 Kr. rh. bisTriest, nach den Regularien des DOP V bezahlt werden. Die Gebühr für den österreichischen Lloyd betrug nun nur noch 12 Kr. C.M. oder umgerechnet 60 Lepta. Zusammen mit 15 Lepta Inlandsporto musste der Empfänger nur noch 75 Lepta bezahlen.
Quellen: Archiv für Verkehrswesen Wien Ludwig Kalmus,Archiv für bay. Postgeschichte 1934/1, Die Beförderung der bayerischgriechischen Korrespondenz 1832-1834 Regierungsblatt des Kgr. Griechenland 1833 Verordnungsblätter der bayerischen Post 1842 - 1850 Friedrich Weber, Freiwilliger Lanzenreiter bei der bayerischen Expedition nach Griechenland 1832-1836 Heinrich W.J. Thiersch, 1863, Griechenlands Schicksale vom Anfang des Befreiungskrieges bis auf die gegenwärtige Krisis