Die bayerische Germania
Die Ausgabe Germania mit Aufdruck Freistaat Bayern verdankt ihre Entstehung einer Notmassnahme. Durch die Münchner Unruhen kam es im Frühjahr 1919 zu einem Markenmangel in der Pfalz und die nach Bamberg ausgelagerte bayerische Regierung beschloss, die fehlenden Werte zu 2,5 Pf, 5 Pf, 7,5 Pfund 10 Pf durch die im Reich gültigen Germania-Werte -versehen mit Aufdruck Freistaat Bayern - zu ersetzen. Diese Entscheidung war eigentlich ein Unding für einen patriotischen Bayern. Trotzdem waren diese Werte ab dem 17.Mai 1919 in der Pfalz am Schalter erhältlich. Weitere Wertstufen kamen dann am 30.9.1919, mit den übriggebliebenen Pfalzmarken, in ganz Bayern in den Verkauf. Eigentlich unnötig, da genug Ludwigmarken mit und ohne Aufdruck zur Verfügung standen. Die Gültigkeitszeit wurde bei der geringen Akzeptanz bis zum 31. Januar 1920 begrenzt. Diese beide Faktoren, die geringe Akzeptanz und die kurze Gültigkeitsdauer, sind wohl der Grund, warum Bedarfsbelege mit dieser Ausgabe relativ selten zu finden sind. Es kommen nur 2 Gebührenperioden in Frage, vom 17.5.-30.9.1919 und vom 1.10.1919 -31.1.1920. In der ersten Gebührenperiode findet man fast nur die 4 kleinen Werte der Pfalzausgabe. Die restlichen Nennwerte waren in dieser Portoperiode nur am Ausgabetag, dem 30.9.19 zur Frankatur möglich. In der zweiten Gebührenperiode sind dann eine Vielfalt an Bunt-öder Mehrfachfrankaturen möglich, wogegen die Einzelfrankaturen bis auf wenige Wertstufen nur bei ausgefallenen Versendeformen auftauchen können. Doch das Angebot ist ausgesprochen mager und gerade bei den Einzelfrankaturen ist trotz, oder gerade wegen der lächerlichen Michelpreise der Markt leergefegt. Nachfolgend sollen, auch an Hand einiger Belege, solche Möglichkeiten von Einzelfrankaturen aufgezeigt werden. Der Nennwert zu 2,5 Pf. war nur als Ergänzungswert zur Auffrankierung der Reichsabgabe gedacht und ist in keiner der beiden Gebührenperioden als Einzelfrankatur möglich. Die 3 Pf. wäre theoretisch als Zeitungsdrucksache bis 50 gr. (von der Reichsabgabe befreit) einen Tag (30.9.) möglich. Bisher allerdings nicht bekannt. Die 5 Pf. findet relativ häufig als Porto einer Inlands- und Auslandsdrucksache - 50 gr. in beiden Gebührenperioden Anwendung. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Blindensendung (nicht bekannt). Die 7,5 Pf. ist nur in Gebührenperiode l möglich, sowohl als Ortskarte als auch als Drucksache bis 100 gr. Es ist mir nicht gelungen, in den letzten 30 Jahren mehr als eine Ortskarte und eine Drucksache zu erwerben. Beide sind nachfolgend als Abb.3 und 4 gezeigt.
Abb. l Ausland-Drucksache von Nürnberg nach St. Gallen vom 12.11.1919
Abb. 2 Inland-Drucksache
Abb. 3 Ortsdrucksache bis 100 gr. aus Grafenwöhr vom 30.09.1919
Abb. 4 Ortskarte in der l. Gebührenperiode
Die 10 Pf. Marke konnte in der 1. Periode als Fernkarte, als Ortsbrief bis 20 gr., als Zeitungsbestellung oder Nachlieferung (für eine Zeitung), für einen Einlieferungsschein, eine Auslandspostkarte, eine Auslandsdrucksache bis 100 gr. und als Zeitungsstreifband bis 250 gr. (von der Reichsabgabe befreit) verwendet werden. In der zweiten Periode waren Ortskarte und Drucksache bis 100 gr. (In- und Ausland) möglich.
Abb. 5 Fernpostkarte aus der l. Periode
Abb. 6 Ortspostkarte aus der 2. Periode
Abb. 7 Ortsbriefaus der 1. Periode
Mit dem Nennwert ab 15 Pf. aufwärts sind alle Einzelfrankaturen der Periode l nur einen Tag möglich und so sollen diese Frankaturen hier nicht weiter erörtert werden. Periode 2 Nennwert 15 Pf.: Fernkarte In-und Ausland Ortsbrief, Luftpostdrucksache bis 20 gr.
Abb. 8 Ortsbriefaus der 2. Periode
Abb. 9 Postkarte Inland Fernbereich
Nennwert 20 Pf: Drucksachen, Warenpro- Nennwert 25 Pf: Zeitungsbestellung, Zeiben, Geschäftspapiere und Mischsendun- tungsnachlieferung, Ausfertigungsgebühr gen bis 250 gr., Postanweisungen bis 5 M für verschiedene Bescheinigungen, LuftOrtsbrief über 20 gr., Fernbrief bis 20 gr. postfernkarte, Postanweisung (5 - 100 M)
Abb. 10 Geschäftspapiere bis 250 gr.
Abb. 11 Fernbrief bis 20 er.
Abb. 12 sehr seltene Zeitungsbestellung aus der 2. Gebührenperiode
Nennwert 35 Pf: eingeschriebene Drucksache bis 50 gr. ( In- und Ausland ), Nachnahme-Ortspostkarte, NachnahmeDrucksache bis 100 gr., Eilboten-Ortskarte Nennwert 40 Pf: Drucksache bis 1000 gr., eingeschriebene Drucksache bis 100 gr. (In- und Ausland), Nachnahme-Fernkarte, Nachnahme-Ortsbrief bis 20 gr., Mischsendüngen und Geschäftspapiere bis 1000 gr., Laufschreiben, Postanweisung bis 100 M.
Abb. 13 eingeschriebene Drucksache bis 50 gr. Inland
Abb. 14 Eilboten-Ortskarte, hier mit Ganzsache und Zusatzfrankatur
Abb. 15 Inland-Drucksache bis 1000 gr.,
Nennwert 40 Pf: Drucksache bis 1000 gr., eingeschriebene Drucksache bis 100 gr. (In- und Ausland), Nachnahme-Fernkarte, Nachnahme-Ortsbrief bis 20 gr., Mischsendungen und Geschäftspapiere bis 1000 gr., Laufschreiben, Postanweisung bis 100 M. Nennwert 75 Pf: eingeschriebene Nachnahme-Drucksachen, Geschäftspapiere, Mischsendungen und Warenproben bis 250 gr., eingeschriebene Drucksache gegen Rückschein bis 50 gr. ( Inland ) eingeschriebener Nachnahme-Ortsbrief über 20 gr., eingeschriebener Nachnahme-Fernbrief bis 20 gr., Postauftrag, eingeschriebene Auslandsdrucksache bis 50 gr. mit Eilboten, eingeschriebene Auslands-Drucksache bis 150 gr. gegen Rückschein, Paket bis 5 kg bis 75 km.
Abb. 16 eingeschriebener Nachnahme-Fernbrief
Abb. 17 Postauftrag
Nennwert 80 Pf: Eilboten-Drucksachen, Warenproben, Geschäftspapiere und Mischsendungen im Inland bis 500 gr., ins Ausland bis 300 gr., eingeschriebene Drucksachen gegen Rückschein im Inland bis 100 gr., ins Ausland bis 200 gr, Inlands-Eilbrief bis 100 gr., eingeschriebener Auslandsbrief bis 40 gr., Postanweisung bis 500 M
Abb. 18 Inland-Eilbrief bis 100 gr.
Nennwert l Mark: eingeschriebene Eilboten-Drucksachen, Warenproben, Geschäftspapiere und Mischsendungen bis 250 gr. im Inland, bis 300 gr. ins Ausland, desgleichen mit Einschreiben-Rückschein bis 500 gr. im Inland, bis 400 gr. ins Ausland, nur mit Eilbestellung bis 600 gr. ins Ausland; Einschreiben-Eilboten: Ortsbrief über 20 gr., Fernbrief bis 20 gr., Auslandsbrief bis 20 gr.; Fern-Wertbrief bis 1000 M und bis 100 gr., Zeitungsüberweisung, Zeitungsnachbestellung für 4 Zeitungen, Postanweisung bis 1000 M, Postausweiskarte, Postlagerkarte, portofreie Sendungen mit Eil - Landzustellung.
Abb. 19 Einschreiben-Eilboten Ortsbrief über 20 gr.
Abb. 20 Zeitungsüberweisung
Mit dem Nennwert l Mark soll dieser Überblick der Einzelfrankaturen enden, da die drei Werte zu 2, 3 und 5 Mark nur noch für Wertbriefe mit und ohne Zusatzleistungen, sowie für den Paketdienst möglich waren. Anschliessend eine tabellarische Zusammenfassung der Einzelfrankaturen
