Die Postgebühren Bosniens und der Herzegowina 1878-1918

Vorwort
Die Postgebühren Bosniens und der Herzegowina während der Okkupation und der Verwaltung durch die österreichisch-ungarische Monarchie sind bisher nur in Teilbereichen erfasst worden. Bei Versuchen, Gebührenvermerke oder Frankaturen auf Postanweisungen, Postbegleitadressen, Geldbriefen, ja selbst auf gewöhnlichen Postkarten etwa nach Serbien zu verstehen, standen wir immer wieder vor Problemen. Die weitgehend gut dokumentierten österreichischen und ungarischen Gebührensätze halfen nicht weiter. Auch hinsichtlich seiner Gebühren handelt es sich bei Bosnien-Herzegowina um ein eigenständiges Postgebiet.
Wir haben uns in den letzten Jahren darum bemüht, diese Gebühren, soweit sie für die Philatelie von Interesse sein können, möglichst vollständig zusammenzustellen, und präsentieren sie hier mit genauen Quellenangaben. Dass wir gelegentlich in einiger Tiefe schürfen mussten, zeigen die zahlreichen im Quellenverzeichnis aufgeführten Einzelakten des österreichisch-ungarischen Kriegsministeriums. Auf diese nicht ganz leicht zugänglichen Akten ist übrigens nur in denjenigen Fällen verwiesen, in denen wir leichter zugängliche Quellen nicht gefunden haben. Wo unsere Angaben, aus welchen Gründen auch immer, noch unsicher oder lückenhaft sind, ist dies ausdrücklich vermerkt.
Die Veröffentlichungen der Herren Drs. Henk Buitenkamp, Ing. Conrad Nedl und Valentin Weizenbach, die sich in den letzten etwa 15 Jahren mit Postgebühren Bosniens und der Herzegowina beschäftigt haben, gaben uns wertvolle Anregungen. Herrn Norbert Rainer und Herrn Prof. Dr. Klaus Wieland danken wir dafür, dass sie uns bereitwillig Verordnungen zur Verfügung stellten, nach denen wir lange vergeblich gesucht hatten. Zu grossem Dank verpflichtet sind wir schliesslich den stets hilfsbereiten Damen und Herren der Bibliothek der Unternehmenszentrale der Österreichischen Post, eingeschlossen Frau Dr. Christine Kainz, und den ebenso entgegenkommenden Damen und Herren des Österreichischen Staatsarchivs.

Inhaltsverzeichnis

1Das Postgebiet Bosnien-Herzegowina von August 1878 bis Oktober 1918
Die bewegte Postgeschichte Bosniens und der Herzegowina erfuhr einen ihrer nachhaltigsten Einschnitte, als das vordem unter türkischer Herrschaft stehende Gebiet 1878 durch Truppen Österreich-Ungarns besetzt wurde. Die Monarchie konnte sich bei dieser Okkupation auf ein Mandat der europäischen Grossmächte abstützen, dem auch die osmanische Regierung zugestimmt hatte. Trotzdem waren die Widerstände im Land so gross, dass ein von Ende Juli bis Oktober 1878 dauernder Okkupationsfeldzug notwendig wurde. Die vormals türkische Post wurde dabei und während der folgenden 12 Monate durch ein hervorragend organisiertes Netz der k. und k. Feldpost ersetzt. Diese beförderte - ab etwa Oktober 1878 gelegentlich aus Gefälligkeit, ab Januar 1879 offiziell - auch zivile Sendungen, insbesondere Briefe von Kaufleuten. Die Feldpost war damit im November 1879, als die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Land eine erste Konsolidierung erfahren hatten, de facto zu einer neuen Landespost geworden.
Dem wurde mit Wirkung vom 16. 11. 1879 auch de iure Rechnung getragen. Die bisherige Feldpost mit allen ihren Einrichtungen, insbesondere den bis dahin eröffneten ortsfesten Etappenpostämtern, erhielt die Bezeichnung k. und k. Militärpost. Damit wurde zum Ausdruck gebracht, dass ein Jahr nach Abschluss der militärischen Operationen kein Grund für das Beibehalten einer Feldpost mehr bestand, dass aber die nunmehrige Landespost wie ihre Vorgängerin dem k. und k. Kriegsministerium unterstellt war. Dies entsprach politischer Absicht. Die Statusänderung zeigte sich nicht bei den verwendeten Briefmarken; die am l. Juli 1879 für die Feldpost ausgegebenen Marken hatten ausser der Wertbezeichnung keinerlei Inschrift und wurden beibehalten. Neue Poststempel mit der Bezeichnung Militärpost wiesen aber auf den neuen Status hin. Eine praktische Folge der Statusänderung war, dass Truppenangehörige keine gebührenfreien Privatbriefe mehr in das Gebiet der Monarchie versenden und von dort empfangen konnten.
Die Militärpost war fortan neben der k. k. österreichischen und der k. ungarischen Post die dritte eigenständige Postinstitution der Monarchie. Am 1. 7. 1892 wurde BosnienHerzegowina Mitglied des Weltpostvereins. Der Status der Militärpost blieb unverändert, als Österreich-Ungarn das zwar von ihm verwaltete und faktisch beherrschte, formal aber noch unter osmanischer Souveränität stehende Okkupationsgebiet im Oktober 1908 auch staatsrechtlich annektierte.
Der Ausbruch des Weltkriegs machte die erneute Aufstellung der k. und k. Feldpost notwendig. Die Feldpostanstalten der in Bosnien-Herzegowina aufgestellten 5. und 6. Armee waren während der ersten Kriegsmonate auch im Lande tätig.
Als Folge eines Vorstosses in Serbien erfuhr die Militärpost eine wenige Wochen dauernde räumliche Erweiterung: Am 17. 11. 1914 wurden in den grenznahen serbischen Orten Loznica und Ljesnica Militärpostämter eingerichtet. Sie hatten mit Ausnahme des PostSparkassendienstes dieselben Funktionen wie die Militärpostämter in Bosnien und der Herzegowina. Zu der vom Kriegsministerium beabsichtigten Umbenennung in Etappenpostämter mit Ortsbezeichnung, wie sie später in den von k. und k. Truppen besetzten Gebieten eingerichtet wurden, kam es nicht mehr. Der serbische Gegenangriff erzwang die Schliessung des Amtes Ljesnica am 11. 12., des Amtes Loznica am 12. 12. 1914.Mitte Dezember 1914 zog die Balkanarmee sich aus Serbien nach Südungarn zurück. Den in Bosnien-Herzegowina verbliebenen militärischen Stellen und Einheiten standen meist keine Feld- und Etappenpostämter mehr zur Verfügung. Die Verbindung dieser Stellen und Einheiten mit der Monarchie (einschliesslich Bosnien-Herzegowina) und der k. und k. Armee wurde dann durch die Militärpost hergestellt.
Die sonstigen Auswirkungen des Weltkriegs auf die Militärpost bedeuteten Einschränkungen. Die Postzensur wurde eingeführt. Einige im Südosten Bosniens gelegene Militärpostämter mussten vorübergehend während unterschiedlicher Zeitspannen geschlossen werden. Der Postverkehr mit den Feindstaaten wurde unterbrochen und der Postverkehr mit dem übrigen Ausland zeitweise beschränkt. Mit den durch österreichisch-ungarische Truppen besetzten Gebieten wurde der Postverkehr allerdings alsbald wieder aufgenommen.
Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie, am 2. 11. 1918, verlangten Abgesandte des neu gebildeten Bosnischen Nationalrats vom Kommandierenden General in Sarajevo die formale Übergabe des Post- und Telegraphenwesens. Der General lehnte mit der Begründung ab, dass er dafür keine militärische Weisung hätte. So übernahmen die neuen Machthaber die Post- und Telegrapheneinrichtungen wohl im Zuge einseitiger örtlicher Massnahmen.
Zum Postgebiet Bosnien-Herzegowina rechnet man üblicherweise auch die von September 1879 bis Oktober 1908 im grenznahen Bereich des benachbarten türkischen Sandschaks Novibazar operierende österreichisch-ungarische Feldpost. An drei Orten dieses Bereichs, Plevlje, Prijepolje und Priboj, in denen bereits türkische Truppen stationiert waren, richtete Österreich-Ungarn auf Grund eines direkten Abkommens mit der Türkei zusätzlich Garnisonen der k. und k. Armee ein. Jede dieser Garnisonen erhielt eine ortsfeste Feldpostexpositur; die kürzesten Verbindungswege zu bosnischem Gebiet wurden als Poststrassen benutzt und durch Truppen bewacht und unterhalten. Die Feldpost im Sandschak Novibazar wurde am 16. 11. 1879 nicht der Militärpost eingegliedert, aber der Militärpostdirektion in Sarajevo unterstellt und von dieser mit Formularen und (bosnischherzegowinischen) Briefmarken versorgt. Da der Feldpoststatus weiterhin bestand, waren gewöhnliche private Briefe von und an Personen, die den drei Garnisonen angehörten, weiterhin gebührenfrei. Andere Sendungen aber waren gebührenpflichtig, und überdies nahmen die drei Exposituren auch Sendungen von Aussenstehenden an. Die Gebühren lehnten sich zwar an diejenigen der Militärpost an, doch gab es insbesondere bei der Briefpost auch erhebliche Abweichungen. Im Rahmen der Ausgleichsmassnahmen für die Annexion Bosniens und der Herzegowina wurden die Garnisonen gegen Ende Oktober 1908 zurückgezogen und die Feldposteinrichtungen aufgelöst.
Eine Besonderheit des Postgebiets Bosnien-Herzegowina bildete das Postamt in dem kleinen herzegowinisehen Hafenort Neum. Es war gegen Ende Juni 1879 eingerichtet worden (frühestes bekanntes Stempeldatum 27. 6. 1879), also noch zur Zeit der Feldpost, aber nicht als Feldpostamt, sondern als der Postdirektion für Dalmatien unterstelltes ziviles österreichisches Postamt. Diesen Status behielt es bis zum Ende der Monarchie. Es verwendete österreichische Briefmarken (die ansonsten ab 1.7. 1879 in Bosnien-Herzegowina ungültig waren). Die in Neum für den Verkehr mit Österreich-Ungarn gültigen Gebühren waren diejenigen, die bei den benachbarten dalmatinischen Postämtern galten. Die in Neum gültigen Gebühren sind daher nicht Thema dieser Veröffentlichung.