Geduldete Brief- und Recogebühr zur "gemeinsamen Frankatur"
In der VONr. 25-28 vom 27. April 1850 sind die Bestimmungen über die Briefporto-Taxen und ihre Einhebung durch Briefmarken geregelt. Dabei wird im § 15 festgelegt dass die Brieftaxe auf der Adressseite, jedoch...die Rekommandationsgebühr hat der Aufgeber durch das Aufkleben einer Marke im Werte von 6 Kr. auf die Siegelseite zu entrichten. Damit waren Brieftaxe und Recogebühr getrennt. Nachfolgender Artikel befasst sich mit einigen Ausnahmen. 3 Kr. Brief-+ 6 Kr. Recogebühr = 9 Kr. 5 Kr. Brief- +10 Kr. Recogebühr = 15 Kr. 2 verschiedene Nominale, jedoch frankiert mit einer Briefmarke. Im Artikel über das "Sarvar-Provisorium "- Gedanken zu einer postgeschichtlichen Delikatesse" in der BRIEFMARKE November 2001, beschreibt Herr R. Rolfs eine geduldete nicht vorgenommene Markenteilung:
Der Aradbrief
(Pausenberger-Korrespondenz)
11858 Arad - Temesvar, 3 Kr. Brieftaxe und 6 Kr. Recogebühr, geduldete gemeinsame Frankatur auf der Briefvorderseite
Von unseren Experten und Altösterreichsammlern wurde diese wertvolle Entdeckung recht unwillig als Zufall abgewiesen. Alle die das Werk "Ungarn-Halbierungen" von Herrn R. Rolfs gelesen haben, erinnern sich, dass Herr R. Rolfs bemüht war, die Umstände aufzuzeigen, warum in Ungarn des öfteren Markenmangel herrschte. Meine Erfahrungen (Reisen) ermöglichten mir die Feststellung, dass zwischen den Nachbestellungen des Postmeisters und bis zur Auslieferung der Postmarken, wegen der für die damalige Zeit beachtlichen Distanzen und aufgrund des massigen Postaufkommens in den Kronländern Ungarn, Siebenbürgen und an der Militärgrenze, Postmarkenengpässe möglich waren. Doch Belege sind der Theorie vorzuziehen. Inzwischen wurde in der Schweiz, in einer Ungarn- Sammlung, der LIPPABrief (Pausenberger- Korrespondenz) entdeckt.
1858 Lippa - Temesvar 3 Kr. Brieftaxe und 6 Kr. Recogebühr, geduldete gemeinsame Frankatur auf der Briefvorderseite
In einer weiteren Sammlung in Österreich wurde der GOSPICH - Brief entdeckt.
1858 Gospich - Ottocac 3 Kr. Brieftaxe und 6 Kr. Recogebühr, aber diesmal geduldete gemeinsame Frankatur auf der Briefrückseite.
Wegen der kurzen Verwendungszeit machte die Suche bei der Ausgabe 1858 größere Mühe, aber auch hier konnte ich einen Beleg feststellen (Abb. 5). Zuletzt hat unter den strengen Augen der Experten am Wiener Markt dieser GOSPICH-Brief den Besitzer gewechselt (Abb. 6).
1861 Könnend - Graz, 5 Kr. Brieftaxe und 10 Kr. Recogebühr, geduldete gemeinsame Frankatur auf der Briefvorderseite
186-, Gospich - Plaski, 5 Kr. Brieftaxe und 10 Kr Recogebühr, geduldete gemeinsame Frankatur auf der Briefvorderseite.
Damit ist eindeutig widerlegt, dass es sich Alle Altösterreich- Philatelisten haben zur um einen Zufall handelt. Gewiss werden Kenntnis genommen, dass Reco-Briefe noch einige weitere Belege registriert nicht häufig sind, speziell Reco-Briefe des werden. Nahbereiches und dass die Recogebühr laut Verordnung immer auf der Rückseite des Briefes anzubringen war.


1866 Wien vom 23. März, 5 Kr. Brieftaxe und 10 Kr. Recogebühr, bereits gestattete gemeinsame Frankatur auf der Briefvorderseite
Im Werk "Ungarn-Halbierungen" ist es Herrn R. Rolfs nach jahrelanger mühevoller Forschungsarbeit gelungen, 105 geduldete Markenteilungen in Ungarn der Ausgabe 1850 (zum Teil mit Nachtaxierungen) sowie einige außerhalb Ungarns festzustellen. Es handelt sich um Belege mit einem Marktwert zwischen 20-70.000 Euro und auch mehr, Briefstücke entsprechend weniger. Wir unterscheiden nun: a) geduldetet Markenteilungen (wir zählen bis jetzt 105 Stück der 1. Ausgabe in Ungarn verwendet, sowie einige außerhalb Ungarns) b) geduldete gemeinsame Frankaturen (oder auch nicht vorgenommene Markenteilungen) auf der Briefvorderseite oder auch auf der Briefrückseite. Die junge Forschung zählt bis jetzt 4 Belege der Ausgabe 1850:
Da wir bis jetzt 4 Belege von 1850 mit geduldeter gemeinsamer Frankatur festgestellt haben, bin ich mir sicher, dass es nicht gelingen wird, eine ebenso grosse Anzahl wie geduldete Marken- Halbierungen der l. Ausgabe in den nächsten Jahren auszuforschen. Ich wünsche Ihnen beim Suchen Spass und viel Erfolg. Bitte beachten Sie, dass ab 01.01.1866 die Verpflichtung, die Recogebühr auf die Briefrückseite zu kleben, per Verordnung aufgehoben wurde, ab diesem Zeitpunkt war es bereits gestattet 5 Kr. +10 Kr. (2 Nominale) gemeinsam auf der Briefvorderseite zu verwenden (Abb. 9). Um die Bearbeitung dieser Thematik fortzusetzen, bitte ich bei entsprechenden Entdeckungen, um Rückmeldung.
Literatur: - Dr. Ferchenbauer, Handbuch - Dr. A. Jerger, Monographie der Frankaturen - R. Rolfs, Ungarn - Halbierungen - Prof. W. Tettinek und Franz Hochleutner VÖB., Artikel: Briefmarke Juli 2002