Bayern - Bosnien 1870

Für die Freunde der Postgeschichte von Bosnien, die in Heft 4/2002 der POSTGESCHICHTE so ausfuhrlich bedient worden sind noch eine kleine Ergänzung. In den Akten der ehemaligen OPD München heute im Bestand des Staatsarchiv München unter der Signatur Verz. 7/1870 Nr. l befindet sich das Schreiben eines Nürnberger Grosshändlers über seine Erfahrungen mit dem Postverkehr nach Bosnien.

D. Hager, Grosshändler, 14.5.1870
" Seit einigen Jahren stehe ich mit Bosnien in lebhafter Geschäftsverbindung. Es wurden seitdem ab türkisch Brood, als dem Endpunkt der k.k. österr. Postanstalt nach Sarajevo und von da zurück Briefe sowohl als Wert- und Mustersendungen durch die k.k. österr.-ungarische General- Konsulats Post von Sarajevo befördert. Zu Ende Februar d. J. wurde jedoch plötzlich meinem Repräsentanten in Sarajevo auf dem dortigen Konsulate eröffnet, dass in Folge höheren Befehls die Benutzung dieser Konsulats Postverbindungen für Private nicht mehr gestattet sei. Die Benutzung anderer Beförderungsanstalten in jenem Lande bieten keinen Ersatz für die bisherige Gelegenheit durch den Mangel an genügender Garantie sowohl in Bezug auf prompte als namentlich auch sichere Expedition. Diese Massregel bringt daher grosse Nachteile dem nach jener Gegend hin Handel treibenden Publikum. Da die Mitnahme von Briefen und namentlich auch von Wertsendungen von Seite der k.k. General Konsulatspost in Sarajevo bisher sich leicht hatte bewerkstelligen lassen, da überdies der k.k. Regierung daraus keinerlei Nachteil entsteht, indem die seither dafür bezahlten Gebühren gewiss nicht zu niedrig waren und weil ferner das k.k. Generalkonsulat keine spezielle Garantie übernahm, so lässt sich ein triftiger Grund für dieses Verbot nicht auffinden.... Obgleich der Absender durch die Nichtübername einer Garantie von Seite des k.k. Generalkonsulats bloss auf den amtlichen Verschluss des Postfelleisens angewiesen ist, da die k.k. österr- ungarische Postanstalten erst ab türkisch Brood und umgekehrt nur bis dahin, Garantiescheine für Wertsendungen und Rekommandationen erteilen, so bietet dieser Verschluss eben doch immer grösseres Vertrauen und vollere Sicherheit als andere in jenen Ländern zugängliche Befb'rderungsanstalten."

Antwort, Wien 7.9.1870
"...hat sich ergeben, dass einfache Briefe und Mustersendungen ohne Bezahlung nach wie vor durch die k.k. Konsulatspost zur Beförderung zwischen Sarajevo und Brood angenommen werden, dass aber Wertsendungen nicht befördert werden können, weil die serbische Regierung, die nunmehr selbst eine regelmässige zweimalige Postverbindung in der Woche mit Brood unterhält, dagegen prinzipielle Einwände erhoben hat."