Die bayerische Germania (Teil II)

Nachdem im 1. Teil des Artikels, in der POSTGESCHICHTE Nr. 90, die Paketpost sehr stiefmütterlich behandelt wurde, möchte ich nun etwas ausführlicher darauf eingehen. Die geringe Akzeptanz der Ausgabe bei der bayerischen Bevölkerung legt eigentlich nahe, die Marken im Innendienst, also auch im Paketdienst aufzubrauchen. Es wäre also zu erwarten eine Vielzahl an Paketkartenfrankaturen zu finden. Als Mischfrankaturen wird man keine Schwierigkeiten haben entsprechende Belege aufzutreiben. Als Einzel- oder Mehrfachfrankaturen sind sie jedoch eher selten, wenn nicht gar rar.

Für Einzelfrankaturen waren nur wenige Möglichkeiten gegeben. In der 1. Gebührenperiode (siehe PG 90) war mit den vier verausgabten Werten keine Einzelfrankatur möglich. Auch eine Mehrfach- oder Mischfrankatur ist mir aus dieser Zeit nicht bekannt. Dies ist auch einleuchtend, war doch der bayerische Postbeamte gehalten eine dem Porto entsprechende Wertstufe zu wählen, ausser wenn es galt Marken aufzubrauchen. Eine „Notausgabe" aufzubrauchen, wie es die vier verausgabten Werte in der Pfalz waren, kam daher nicht in Frage. Die 2. Gebührenperiode bietet, da ja nun alle Werte der Ausgabe vorhanden und in ganz Bayern gültig waren, schon mehr Möglichkeiten. Bei den Einzelfrankaturen kommen die kleinen Werte bis 40 Pf. natürlich nicht in Frage, da der geringste Pakettarif 75 Pf. betrug. Mit Ausnahme der 75 Pf, welche häufig vorkommt, und der 2 Mark, sind mir alle anderen Einfrankaturen nicht bekannt. Als Mehrfachfrankaturen sind auch die kleinen Werte im Aufbrauch, die Serie wurde ja am 1. Februar 1920 ungültig, aufzufinden. Aber auch hier sind die Belege alles andere als Massen wäre. Nachfolgend einige dieser Frankaturen.

10 x 15 Pf., für ein Paket bis 10 kg und bis 75 km

25 x 20 Pf., für ein Paket bis 15 kg und über 75 km


5 x 25 Pf., für ein Paket bis 5 kg und über 75 km

20 x 25 Pf, bis 15 kg, über 75 km

5 x 35 Pf, Nachnahmepaket bis 10 kg und bis 75 km

3x35 Pf, Einschreibepaket bis 5 kg und bis 75 km

2 x 75 Pf., Nachnahmepaket bis 5 kg und über 75 km

4 x 80 Pf, Wertpaket bis 1000 Mark, bis 10 kg und über 75 km

Die Werte ab l Mark gibt es in der Regel man die l Mark noch gelegentlich so sind nur noch als Mischfrankaturen. Findet die höheren Werte schon kleine Raritäten.

Mischfrankatur von 5 x 10 Pf. und 5 x 15 Pf. = 1,25 Mark für ein Paket bis 5 kg und über 75 km

Kaum bekannt ist auch die Verwendung Bei den wenigen bekannten Stücken handieser Ausgabe auf Auslandspaketkarten. delt es sich immer um Buntfrankaturen mit anderen Ausgaben.

2 x 40 Pf. als Buntfrankatur zusammen mit 80 Pf. Volksstaat nach Dänemark

l x l Mark zusammen mit je l x 10 Pf., 40 Pf. und 50 Pf. Volksstaat nach Solothurn

Zum Abschluss noch eine kleine Kurio- Der Fehler wurde in Landau bemerkt, dort sität. Eine Buntfrankatur zwischen Ger- nachtaxiert und der Empfänger berichtigte mania-Marken mit und ohne Auf-druck. die 50 Pf. mit einer 40-er Germania mit Das eingeschriebene Paket aus Bitburg aufdruck und einer 10-er Ludwig III Freiwar nur bis 75 km freigemacht. Staat.