Die Auslagestempel Teil IV
Im Gegensatz zum OPA Bamberg, über welches nur kleinere, lokale Paketschlüsse liefen, wurden über Hof einige der wichtigsten bilateralen und Transitpaketschlüsse geleitet. Dies betraf vor allem die Korrespondenz aus und nach Zentral- und Ostpreussen, sowie diejenigen aus und nach dem Kgr. Sachsen. Obwohl Hof kein OPA war wurde es auf Grund seiner Bedeutung bezüglich dieser Postrouten faktisch den OPA's gleichgestellt. Hinzu kam, dass der Postmeister von Hof neben seinem bayerischen Dienstrock auch den preussischen und den sächsischen trug und in der Manipulation der Briefpakete auch deren Interessen, d.h. bezüglich der Abrechnungen, vertrat. Hof führte in der Zeit von 1815 bis 1850 drei verschiedene Auslagestempel.

Portobrief von Berlin nach-München, 25. Juli 1842
23 kr. Auslag für Preußen und 12 kr. bayerische Inlandsgebühr ergeben 35 kr. Gesamtporto.
Hier begegnen wir auch das erste Mal einem „stummen" Auslagestempel, d.h. ohne Ortsangabe.
Portobrief von Leipzig nach Schweinfurt, 13. Februar 1847 7 Kr. in der Auslage für Sachsen und 9 Kr. für Bayern, zusammen 16 Kr.
Portobrief von Tarnowitz nach Füssen, 11. Mai 1849 18 Kr. in der Auslage für Preußen und 18 Kr. für Bayern, zusammen 36 Kr.
Dass Hof nicht nur bilaterale sondern auch die Transitpaketschlüsse bearbeitete, zeigen nachfolgende zwei Briefe.
Portobrief von Ujest (Pr.-Schlesien) nach Oehringen (Kgr. Württemberg), 13. August 1839. Die preussischen 9 Sgr. wurden mit 32 kr. in Auslage genommen, zuzüglich 8 kr. bay. Transit und 4 kr. württembergisches Inlandsporto ergaben 44 kr. für den Empfänger.
Portobrief von Stettin nach Silvaplana im Kanton Graubünden, 8. Mai 1850 5 Sgr. wurden mit 18 kr. in Auslage genommen und zusammen mit dem bay. Transit (14 Kr.) mit 32 kr. der Schweiz weitergerechnet. In der Schweiz kamen noch 4 kr. hinzu, nun 36 kr. die dann in 54 Bluzger für den Empfänger in Graubünden umgerechnet wurden.
Das OPA München führte erst relativ spät seine Auslagestempel ein. Bekannt sind uns zwei Stempelformen.
Der Absender hatte nicht ganz zu Unrecht den Weg über Salzburg nach Tittmoning gewählt. In Salzburg wurde er aufgrund der Adressierung erst als Inlandsbrief behandelt und austaxiert. Der Irrtum wurde bemerkt, der Brief reklamiert und die Gebühr wieder in Abzug (abz ,Mitte oben) gebracht und mit dem Vermerk soll wahrscheinlich heissen Tittmoning? ordnungsgemäss mit 15 kr. rh. taxiert und in das Briefpaket nach München gelegt. Dort wurde die Gebühr in Auslage genommen un der Brief wanderte wieder zurück Richtung Osten wieder fast bis zur österreichischen Grenze nach Tittmoning.
Portobrief von Steinach nach Tittmoning via München, 8. Februar 1845
Portobrief von Luzern nach Regensburg, 10. November 1848
2 kr. Luzern - Zürich und 8 kr. für Zürich nach München wurden in Auslage genommen. Bei der Addition mit der bayerischen Inlandsgebühr von 12 kr. wurden die 2 kr. für Luzern anfänglich übersehen und so nur 20 kr. berechnet. Der Irrtum zum Schaden der Post wurde jedoch rechzeitig bemerkt und die Taxierung auf 22 kr. korrigiert.
Solche Briefe machen besondere Freude, weil die Irrtümer und Speditionsvorkommnisse augenscheinlich nachgezeichnet und erklärt werden können. Über den erzählerischen Wert hinaus ergeben sich daraus nicht selten Aufschlüsse über die Arbeitsweise der Postbediensteten, die dann an anderer Stelle wieder nützlich sein können. Je routinierter dagegen ein Briefverkehr funktioniert und kaum mehr individuelle Eigenheiten erkennen lässt, desto weniger kann man weitergehende Schlüsse ziehen.