Gerlach-Korrespondenz
An anderer Stelle (Zeitschrift für europäische Postgeschichte Heft 1) haben wir bereits ausführlich über die Bedeutung von Korrespondenzen für die postgeschichtliche Forschung geschrieben. Die Schweiz ist an solchen Korrespondenzen eben falls sehr reich und die Schweizer Archive werden in dieser Beziehung noch viel Forschungsmaterial zu Tage fördern. Aber auch in deutschen Archiven lagern Bestände, die eng mit der Schweiz verknüpft sind. So wartet die Trommsdorf Korrespondenz in Berlin noch auf ihre Veröffentlichung, die viele interessante Briefe aus Bern enthält. Wir wollen in diesem Beitrag einige Briefe vorstellen aus der Gerlach Korrespondenz vorstellen, die leider aus verständlichen Gründen nicht in Farbe abgebildet werden können. Über diesen Umstand mag aber vielleicht eine ausführliche Beschreibung hinwegtrösten. Es handelt sich dabei um die Korrespondenz einer bekannten Familie von Theologen und Juristen aus Berlin, die massgeblichen Einfluss auf die politischen Verhältnisse ihrer Zeit genommen hat. Diese Korrespondenz lagert in Erlangen (Bayern) unter der Obhut des dortigen Universitätsarchivs. Sie umfasst nahezu 6000 Briefe aus der dem Ende des 18. Jhs. bis hinauf in die Mitte des 19. Jhs. und hat eine Reihe berühmter und bedeutender Briefverfasser aufzuweisen. Dank der überaus zuvorkommenden Hilfe des zuständigen Kustos war es möglich, den gesamten Bestand zu sichten und nach Bedarf farbig zu kopieren. Dabei musste bedauerlicherweise festgestellt werden, dass auch in diesem, wie in einer Reihe anderer Fälle, die Hände früherer Archivare wenig rücksichtsvoll zu Werke gegangen sind. Um Platz zu sparen wurden von den meisten Briefen die Anschriftenseiten entfernt. Übrig blieben nur solche Adressen, deren Rückseite ebenfalls mit Brieftext beschrieben war. Auf diese Weise blieben nur etwa 15 % erhalten. Aus Schweizer Provenienz sind sechs Briefe überliefert, die aber durchaus als bedeutend bezeichnet werden können, weil sie die wenig vorkommende Destination nach Preussen haben. zwei Briefe stammen aus Basel zwei Briefe aus Zürich und jeweils einer aus Bern bzw. Luzern. aus der Zeit zwischen 1829 und 1847. Wir enthalten uns hier einer eingehenden Interpetation der Briefe und wollen sie unseren Lesern zum eigenen Studium lediglich vorlegen, um mit deren Hilfe bei gegebener Zeit mit ausführlichen Beschreibungen dieser durchaus nicht unkomplizierten Postverhältnisse darauf zurück zukommen. Weil die Arbeit an der Korrespondenz sehr zügig vor sich gehen musste, sozusagen eine "Notgrabung" darstellte, konnten die Inhalte nicht erfasst werden. Genaue Datierungen waren aber möglich.
Abb. l Basel 14. Februar 1829 nach Berlin. Ausser dem Ankunftstempel links befinden sich rückseitig keinerlei Vermerke. Vorne ist mittig ein 4 1/2 in blauer Tinte angeschrieben und blau dick unterstrichen. Wir gehen davon aus, dass diese blaue Tinte dem taxisschen Postamt in Frankfurt zuzuschrieben ist. Diese 4 1/2 ist in roter (preussischer) Tinte gestrichen und daneben gross in derselben roten Tinte 15 1/4 (wohl Sgr.) als Gesamtporto gesetzt. Die Auswechslung zwischen Taxis und Preussen basiert wohl auf dem beiderseitigen Postvertrag von 1817. Wie dieser Brief nach Frankfurt kam, können die Schweizer Freunde sicherlich eher nachvollziehen.
Abb. 2 Aus Basel vom 20. Februar 1834 nach Halle (Preussen). Rückseitig sind lediglich die Ankunftstempel von Halle abgeschlagen. Die Gebührenbehandlung entspricht bis auf die geographisch bedingte andere preussische Gebühr demselben Muster wie bei Abb. 1. Auch hier sind mittig 4 1/2 in blauer Tinte angeschrieben und unterstrichen. Mit preussischer roter Tinte wurde dieser Ansatz zweimal durchstrichen und daneben von derselben Hand 111/4 (Sgr.) geschrieben.
Abb. 3 Aus Luzern 9. September 1847 nach Magdeburg. Verso mit einem Teilabschlag des Stempels von Zürich. Vorne mit der "Auslage von Zürich, ebenso wie der Stempel von Luzern in rot. In die Auslage ist mit roter Tinte 15 geschrieben, darunter in schwarz 18. Oben mittig steht der Vermerk 1/2 l(oth) in roter Tinte. Die "3" rechts (in roter Tinte) ist mit einer schwärzlich roten Tinte zweifach gestrichen, dieselbe Hand schrieb dann auch die 12 1/2 (Sgr.) Gesamtporto. Die Züricher Auslage von 15 kr. rhein. + bayerischer Transit von 18 kr. = 33 kr. sind in 9 1/2 Sgr gerechnet zu denen das preussische Inlandsporto von 3 Sgr. auf 121/2 Sgr. kommen.
Bern 11. August 1834 nach Frankfurt / Oder par Berlin. Zweifellos ein aussergewöhnlicher Brief, zum einen weil er mit l 1/8 Loth (oben links Vermerk)reichlich schwer war, zum ändern weil er als Frankobrief aufgegeben wurde.
Die Gebührenvermerke sind nicht ohne weiteres zu erschliessen. Soviel steht wohl fest, dass die "112" von Bern stammt, und die (kopfstehende und unterstrichene) "13" steht wieder in der bereits bekannten blauen, taxisschen Tinte, markiert also das Weiterfranko für Taxis. In derselben blauen Tinte steht auch daneben der Vermerk "2 f', wohl gemein als zweifach. Abgesehen von einer Rötel "5", die die "36" kreuzt, sind alle anderen Gebührenansätze rückseits in schwarzer Tinte gehalten. Vorderseitig lassen sich die "12 Fr." in roter Tinte als preussisches Weiterfranko identifizieren. Dass der Brief in Preussen auch tatsächlich als frankiert behandelt wurde, geht aus der häufig zu beobachten preussischen Gewohnheit hervor, in solchen Fällen einen Frankostrich (Rötel) anzubringen und in der Nähe des Empfangsortes "abzuhaken". Weitere Erläuterungen müssen wir den Lesern aufgeben.
Aus Zürich, 15. Juli 1839 nach Frankfurt/ Oder weitergesandt nach einem kleinen Ort in der Nähe von Stendal (Preussen). Ein Frankobrief, befördert über Bayern (Ovalstempel) nach dem Gemeinschaftsvertag Preussen - Taxis - Bayern - Baden von 1834. Wir sehen wiederum den preussischen Rötel Frankostrich und das Abhaken. Verso stehen 33 in roter Tinte, 104 in Rötel und 24/2 in schwarzer Tinte.
Vorne steht eine blaue 6 daneben, mehrfach mit roter Tinte gestrichen, eine rote 6. Schliesslich wurde oben eine grosse rote 5 (Sgr.) notiert als preussisches Weiterfranko. Die rückseitigen Taxen bedürfen noch der Hilfe durch Leser.
Aus Zürich, 5. September 1847 nach Magdeburg. Mit 1/2 Loth taxierte er in der roten Züricher Auslage bereitsin roter Tinte mit 9 kr. rhein (also 6+3) Die Angabe 1/2 L(oth) steht in derselben roten Tinte, also wohl bereits in Zürich angebracht. Bayern taxiert darunter in schwarzer Tinte seinen Transit mit 12 kr. rhein (8+4) Diese Ansätze werden in dunkelroter (preussischer Tinte) gestrichen und mittig von selber Hand 6 Sgr. angesetzt, die gestrichen in 9 Sgr. korrigiert werden.