Ein Luftpostbrief Schweiz-Britisch Indien aus dem Kriegsjahr 1943

Der Brief begann seine Reise am 26.August 1943 in La Chaux-de-Fonds. Sein Gewicht muss zwischen 6 und 10 Gramm gelegen haben, denn dann ist er auch richtig frankiert. 30 Rp. war die normale Auslandstaxe für Briefe bis 20 gr., und der Luftpostzuschlag betrug 2 Fr für je 5 gr., - so die Angabe in der Ausgabe der "Postverbindungen mit dem Ausland" vom 1. August 1943. Hier finden wir auch den Leitweg für Luftpostbriefe nach Britisch Indien: "Zürich - Stuttgart, Stuttgart - Lissabon, Lissabon - New York, New York - Leopoldville und weiter mit Anschlussflug" und so hat der Absender auch den Leitweg in französischer Sprache auf dem Brief vermerkt. Von Stuttgart ging der Brief allerdings erst nach Berlin, um dort vom Oberkommando der Wehrmacht zensiert zu werden. Der Buchstabe "b" im Verschlusstreifen (Wolter Nr. 4a) und in dem roten FreigabeStempel (Wolter Nr. 6c) beweist es. Die Linie Zürich - Stuttgart wurde 1943 noch täglich von der Swissair bedient, Berlin - Stuttgart - Lissabon von der Lufthansa dreimal wöchentlich. Über den Atlantik ging es mit den Flugbooten der Pan American Airways. Da der gesamte Mittelmeerraum infolge des Kriegseintritts Italiens (10.6.1940) für den zivilen Flugverkehr gesperrt war, musste für Post nach Mittel- und Fernost der Umweg über Amerika und Afrika in Kauf genommen werden. Die Amerikaner hatten schon im Dezember 1941 eine Fluglinie von New York über Nordbrasilien nach Afrika mit dem Endpunkt in Leopoldville (Belgisch Kongo) eingerichtet. Von dort bestanden Anschlusslinien nach Südafrika und Cairo.


In Cairo konnte die englische "Horseshoe Route" erreicht werden, die ihren Namen ("Hufeisen-Route") erhalten hatte, weil sie von Südafrika nach Norden bis Cairo und weiter nach Mittel- und Fernost bis nach Australien führte und sich so auf der Karte hufeisenförmig gebogen darstellte. Unser Brief erhielt erst in Leopoldville einen Transitstempel (das Datum ist leider nicht lesbar), weil Zürich Luftpostbriefe nach Britisch Indien in einem Kartenschluss für "Leopoldville Transit" versandte. In Bombay traf der Brief am 27. Dezember ein gemäss Ankunftsstempel des Hauptpostamtes (General Post Office), wurde dann aber erst der Zensurbehörde vorgelegt, die den Brief öffnete, mit einem Verschluss-Streifen wieder verschloss und den Streifen mit dem achteckigen KronenStempel "PASSED DHC/20" stempelte. Nun müssen wir leider feststellen, dass sich diejenige Hälfte des Verschluss-Streifens, die sich auf der Vorderseite des Briefes befand, von einem früheren Besitzer des Briefes abgelöst wurde, vermutlich, um von dem Streifen halb verdeckte 2 Franken-Briefmarke voll zur Geltung zu bringen. Welch ein Frevel! Dem Täter mangelte es an jeglichem Verständnis für die Aussagekraft eines Beleges aus dem 2.Weltkrieg. Zum Teil lesbar ist noch der Nummernstempel des Zensors auf der Briefvorderseite:... C/l. Nicht erklären kann ich den Doppelkreisstempel mit dem grossen "M" in der Mitte. Kann hier ein Leser helfen? Dass der Brief in Bombay umadressiert wurde an einen neuen Aufenthaltsort des Empfängers in Indien, ist ohne Belang.