Tiroler Eigentümlichkeiten
Mit dem Übergang des südlichen Teils von Südtirol an das Königreich Italien im Juli 1810 wurden sofort die italienischen Gebühren auf Auslandsbriefe wirksam. Da zwischen Bayern und Italien der PV von 1809 weiterhin in Wirksamkeit war, also postalisch die Grenzfrankatur zwischen beiden Staaten durchgeführt wurde, tragen Briefe aus Bayern nach dem Kgr. Italien die italienische Inlandstaxe auf der Adressseite. Nach dem Tarif für Briefe aus dem Ausland (Mioni S. 140) vom 02.01.1808 betrug demnach die Taxe für Briefe aus dem angrenzenden Ausland 28 Centesimi ein solcher aus nicht angrenzendem Ausland 40 Centesimi. Briefe aus Bayern sollten demnach eigentlich 28 Centesimi kosten. Nachfolgender Brief vom 19. Dezember 1810 zeigt jedoch das Dilemma.
Die italienische Taxe auf dem Brief stimmt weder mit 28 noch mit 40 Centesimi überein. Bestenfalls könnte man 110 interpretieren wie schon mehr fach geschehen. Teilweise Klärung bringt hier eine Briefanalyse einer kleinen Korrespondenz aus Bayern nach Vicenza gezeigt an 3 exemplarischen Briefen.
Wie vorstehender Brief aus München vom Auch bei dem nachfolgendem Brief aus 29 Juni 1808 zeigt beträgt die Taxe 40 Hof, welcher Bayern im Transit passierte, Centesimi. lassen sich die 40 Centesimi noch erkennen.
Hof-VicenzaO 1.09.810
Doch lässt sich bereits hier die Änderung in Vollständig sind die „110" Centesimi auf „110" erahnen. dem folgenden Beleg zu sehen.
Kaufbeuren - Vicenza, 16.01.1811 Wie wir sehen ist die „l 10" eigentlich nur eine sehr flüchtig geschriebene „40".
Damit ist jedoch noch nicht das Problem des „angrenzenden Auslands" mit seiner Gebühr von 28 Centesimi gelöst.
Damit kommen wir zur zweiten Eigentümlichkeit. Die politischen Situationen in Tirol und damit auch Grenzen änderten sich im Zeitraum 1806 - 1810 zuweilen sehr abrupt. Da sich aber nicht alles so schnell ändern liess, blieb so manches Relikt, welches sich auch in der postalisehen Behandlung der Briefe jener Zeit niederschlug.
Teilfrankobrief, 2. Gewichtsstufe, von Brixen (Bayern) nach Lienz (Illyrien) vom 15. September 1812
Vermutlich wurden im Grenzpostamt Innichen die 4 Decimes Porto vorgemerkt. Alleine der Empfänger in Lienz hatte wohl 1812 noch immer bayerisches Geld und so wurde die Gebühr in Lienz auch in Kreuzer (10) angesetzt und letztendlich auch gezahlt. Die Politik war schneller als die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse. Denken wir doch an den Zeitraum, welcher verging, bis in Teilen Europas der Euro als gemeinsame Währung eingeführt werden konnte
Ein zweiter Brief von München nach Dollbach vom 19. November 1811 zeigt 5 Decimes die dann in 12 Kreuzer umgesetzt wurden